Unken und Flechten im Visier

<fettakgl>Urte Delft betrachtet</fettakgl> einen Ameisenlöwen auf der Hand von Maria Schwiegk mit der Lupe. Das Insekt hat seinen Lebensraum im Quitzöbeler Dünengebiet. Beide Frauen sind, gemeinsam mit zahlreichen weiteren Experten, als Biotopkartierer unterwegs. <foto>Birgit Hamann</foto>
Urte Delft betrachtet einen Ameisenlöwen auf der Hand von Maria Schwiegk mit der Lupe. Das Insekt hat seinen Lebensraum im Quitzöbeler Dünengebiet. Beide Frauen sind, gemeinsam mit zahlreichen weiteren Experten, als Biotopkartierer unterwegs. Birgit Hamann

svz.de von
24. Juli 2012, 06:52 Uhr

Prignitz | Sie tragen klangvolle Namen: Stromtalwiese, Rentierflechte, Soldatensegge, Rotbauchunke. Es handelt sich um Lebensraumtypen, Pflanzen- und Tierarten, die als besonders schützenswert eingestuft sind. Man findet sie in den 31 FFH-Gebieten im gesamten Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg, das zugleich ein komplettes Vogelschutzgebiet ist.

FFH steht für Flora-Fauna-Habitat-Gebiete - spezielle europäische Gebiete im Natur- und Landschaftsschutz. Die dazugehörige EU-Richtlinie und auch die Vogelschutzrichtlinie geben vor, dass für diese Areale eine Managementplanung zu erstellen ist. Die Zeit drängt, denn bezahlt werden die momentan laufenden Kartierungsarbeiten, auf denen dann entsprechende Planungen fußen, aus dem europäischen Förderprogramm ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums). Die Förderperiode läuft 2014 aus - die Arbeiten, die erledigt werden müssen, seien umfangreich, wie Heike Garbe von der Verwaltung des Biosphärenreservats gestern bei einem Ortstermin in Quitzöbel deutlich machte. Das gibt allein schon die Fläche vor, die zu beackern ist: das Biosphärenreservat erstreckt sich über 53 000 Hektar.

Entsprechend viele Fachleute sind deshalb zurzeit in der Region unterwegs. Sie kartieren Biotope und erheben Daten zur Verbreitung ausgewählter Tierarten. "Wir haben dafür zunächst exemplarisch drei FFH-Gebiete ausgewählt: das Quitzöbeler Dünengebiet, das Waldgebiet Karthan und den Perleberger Schießplatz", erläutert Andreas Langer vom Büro "planland" aus Berlin. "Nach dem Muster dieser drei Areale sollen dann alle weiteren Kartierungen und Planungen laufen. Grundlage für unsere Arbeit sind übrigens Luftbilder", so Langer.

Drei Planungsbüros und somit rund 30 Mitarbeiter sind mit den Erhebungen in der Prignitz beschäftigt. "Planland" aus Berlin schloss sich dafür mit "Luftbild Brandenburg" sowie dem Institut für angewandte Gewässerökologie zu einer Bietergemeinschaft zusammen. Alle drei haben bereits im Unteren Odertal, aber zum Beispiel auch im Gebiet der Deichrückverlegung bei Lenzen gearbeitet, verfügen also über eine gute Ortskenntnis.

Das Planungsprozedere, so Heike Garbe, laufe dann so ab, wie man es von anderen Vorgängen kennt. Die Unterlagen werden öffentlich ausgelegt, Träger öffentlicher Belange beteiligt, wenn es an die konkrete Umsetzung bestimmter Maßnahmen gehe. "Das wird aber erst nach 2014 erfolgen und dann auch nach neuen Förderrichtlinien", blickt Garbe voraus. Für die Umsetzung werde man ein Ranking erarbeiten, außerdem soll der aktuelle Stand der Untersuchungen auf der Internetseite des Biosphärenreservats publiziert werden. Die Erhebungen werden auch in den neuen Pflege- und Entwicklungsplan des Biosphärenreservates einfließen. "Der ist bereits 20 Jahre alt. Wir beginnen noch 2012 mit der Überarbeitung", sagt Heike Garbe. Im Endeffekt gehe es darum, den Zustand der verschiedenen Lebensraumtypen sowie Tier- und Pflanzenarten auf einem bestimmten Niveau zu erhalten oder bei Bedarf auch zu verbessern. Das dürfe man jedoch nicht falsch verstehen, wie Heike Garbe klarstellt: "Wir sind kein botanischer Garten. Veränderungen und auch Störungen in den FFH-Gebieten gehören zur normalen Dynamik."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen