Lenzen : Ungewolltes Storchenpaar sucht Bleibe

Vergeblich versucht das junge Storchenpaar auf dem Baumstumpf ein Nest zu bauen. Ein Nachbar möchte  die Rotschnäbel am liebsten verjagen. torsten gottschalk
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Vergeblich versucht das junge Storchenpaar auf dem Baumstumpf ein Nest zu bauen. Ein Nachbar möchte die Rotschnäbel am liebsten verjagen. torsten gottschalk

Selten erhitzte ein junges Storchenpaar so sehr die Gemüter, wie derzeit in Lenzen. Auf einem abgesägten Baumstumpf auf dem Grundstück des Bürgermeisters wollten sie sich niederlassen, doch hier sind sie nicht gewollt.

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08. Mai 2012, 09:07 Uhr

Lenzen | Selten erhitzte ein junges Storchenpaar so sehr die Gemüter, wie derzeit in Lenzen. Auf einem abgesägten Baumstumpf auf dem Grundstück von Bürgermeister Christian Steinkopf wollten sich die Rotschnäbel niederlassen, doch hier sind sie nicht gewollt.

Die Störche sammelten vergangene Woche eifrig Äste und Zweige, aber der Nestbau scheitert an dem geringen Umfang des Baumstammes. Steinkopf wollte behilflich sein, installierte ein größeres Wagenrad. Doch schon nach drei Tagen nahm er es wieder ab. Ein Nachbar hätte sich massiv beschwert über die Vögel, befürchtete Exkremente auf seinem Dach, drohte und schimpfte. "Ich wollte den Ärger vermeiden, habe das Wagenrad deshalb wieder abgenommen", erklärt Steinkopf und organisierte eine Alternative.

Innerhalb von 24 Stunden stellte die Wemag einen ausgedienten Telegrafenmasten zur Verfügung. Mit einer entsprechenden Vorrichtung versehen, installierte ihn Christian Steinkopf mit seinem Bauunternehmen auf dem Platz An der Stadtmauer. "Wir hoffen, dass das Pärchen von der Luft aus diesen Nistplatz sieht und dann hier siedelt", äußerte Mitarbeiter Hartmut Jesse die Hoffnung.

Kaum steht die neue Brutgelegenheit, meldeten sich Anwohner zu Wort. "Dass der Mast jetzt hier steht, wo normalerweise der ADAC-Hubschrauber landet, finde ich nicht gut", sagte eine Lenzenerin. Sie gehe davon aus, dass der Pilot auf dieser Fläche nicht mehr landen darf, dabei sei der Platz so gut erreichbar. Bürgermeister Steinkopf und auch der Stadtbetriebshof unter Torsten Jacob befürworten diese Variante, sei das Storchenpaar doch eine Bereicherung für den Ort. Doch alle Liebesmüh’ scheint vergeben. Die Jungstörche beachten den neuen Mast nicht, auch wenn dieser bessere Nistbedingungen bietet. Nach wie vor versuchen sie, ihren Horst auf dem kahlen Baumstumpf auf Steinkopfs Grundstück zu bauen. Ulrich Blum vom Storchenclub Rühstädt erklärt, warum: "Der Storch baut dort, wo er möchte, nicht dort, wo er soll." Die Bemühungen der Stadt - dem jungen Paar eine alternative Nestbaumöglichkeit zu geben - seien nicht verkehrt, erzwingen lasse sich das selbstredend nicht. "Es ist noch ein sehr jungen Storchenpaar, dass vermutlich noch nicht geschlechtsreif ist", erklärt Blum weiter. Den Horst benötigen sie als Sitz für die folgenden Jahre. "Die Brutsaison ist Ende Mai vorbei, der Stichtag war um den 5. Mai." Wer bis dahin keine Eier gelegt hat, wird es voraussichtlich in diesem Jahr nicht mehr tun, so die Erfahrung des Storchenclubs.

Dass der Baumstumpf keine ideale Grundlage für den Nestbau ist, weil das gesammelte Material immer wieder auf dem Boden fällt, interessiere den Storch nicht. "Sobald ein paar Ästchen liegen bleiben, wird er sich weiter bemühen", glaubt der Storchenexperte. Irgendwann gebe er es vielleicht auf. Ob das Paar dann nach einer neuen Möglichkeit zum Nestbauen sucht, bleibt abzuwarten. Für Christian Steinkopf steht fest: Den Baumstumpf ganz herunterzunehmen, bereits am Ansatz zu fällen, kommt für ihn derzeit nicht in Frage.

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