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Wittenberge Industriegebiet Süd : Ungereimtheiten bei Biodiesel

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mitarbeiter erhalten undurchsichtige Kündigungsschreiben / Geschäftsführung für „Prignitzer“ nicht zu erreichen

von
erstellt am 27.Jan.2015 | 20:00 Uhr

Im Briefkasten stecken ein Katalog und Prospekte. Das Tor ist verschlossen. Auf dem kleinen Parkplatz stehen zwei Autos: Das Gelände der Biodiesel GmbH auf der Hafenspitze im Industriegebiet Süd macht einen verlassenen Eindruck. Daran ändert auch ein großes Fenster im Obergeschoss nichts, aus dem als einziges Licht dringt.

Der äußere Eindruck scheint zu bestätigen, was Mitarbeiter des Unternehmens dem „Prignitzer“ berichtet haben. Sie sagen, seit Ende November werde hier nicht mehr produziert. Die intensiven Bemühungen des „Prignitzers“ seit knapp zwei Wochen, dazu verbindliche Auskünfte von der Geschäftsleitung zu erhalten, haben zu keinem Ergebnis geführt. Die Geschäftsführung ist für die Redaktion nicht zu erreichen.

Dafür erzählen Mitarbeiter, was ihnen widerfahren ist. Zwar hätte man schon gespürt, dass hier und da nicht alles rund lief, sagt ein Mitarbeiter. Aber die Kündigung sei dann doch aus heiterem Himmel gekommen. Eine Mitarbeiterin erzählt: „Am 29. November hatte ich ein Kündigungsschreiben im Briefkasten. Die Firma schreibt, dass sie mir hiermit fristgerecht zum 30. April 2015 kündigt. Zugleich haben sie mir angeboten, zu im übrigen unveränderten Arbeitsbedingungen weiter tätig zu sein. Ich sollte mich bis zum 28. November entscheiden. Andernfalls ende das Arbeitsverhältnis zum 1. Dezember. Da aber war der Brief noch gar nicht bei mir. Er kam ja erst am 29. November.“

Die Verwirrung bei den Mitarbeitern, nach Recherchen des „Prignitzers“ handelt es sich um knapp 20, ist groß. „Und dann hieß es plötzlich, die Firma hat Kurzarbeit null angemeldet. Ok, haben wir gedacht, dann erhalten wir wenigsten Kurzarbeitergeld. Bis heute habe ich aber kein Geld aufs Konto bekommen“, sagte gestern eine der Beschäftigten dem „Prignitzer“. Die Redaktion fragt bei der Arbeitsagentur in Neuruppin nach: Hat das Unternehmen Kurzarbeit angemeldet? Die Agentur dürfe zu Firmeninterna keine Auskunft geben, so die Pressesprecherin.

Bio-Diesel-Beschäftigte sagen, sie hätten auf Nachfrage erfahren, es wäre gar kein Antrag auf Kurzarbeit gestellt worden. Gern hätte die Redaktion auch dazu die Firmenleitung gehört. Aber diese ist nicht zu erreichen. Seit einigen Tagen wird im Wittenberger Werk selbst auf Telefonanrufe nicht mehr reagiert.

Der Biodieselproduzent auf der Hafenspitze hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche schwierige Situationen zu meistern. Im November 2012 hatte, der „Prignitzer“ berichtete, das Unternehmen seine Produktion einstellen müssen. Die damaligen Eigentümer gaben Überkapazitäten am Markt als Grund an. Im März 2013 verkauften die Raiffeisen-Holding Agravis gemeinsam mit Cargill Deutschland das Wittenberger Werk dann an die Gallon Premium Oil GmbH. Die Biodiesel GmbH Wittenberge war anfangs der Hauptnutzer des 2009 als erstes errichteten Anlegers 1 für den Flüssiggüterumschlag im Elbeport. Dieser Umschlag ist längst eingestellt.

 

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