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Königsgrab Seddin : Unerwarteter Fund in Seddin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Gebiet um das Königsgrab entwickelt sich immer mehr zum archäologischen Hotspot. Das unterstrich heute eine Entdeckung

svz.de von
erstellt am 03.Aug.2017 | 20:45 Uhr

Die Superlative rund um das bronzezeitliche Grab des Königs nehmen kein Ende, immer wieder neue treten bei den alljährlichen Grabungs- und Forschungsarbeiten nahe Seddin zu Tage.

Das, in der Gegenwart, menschenleere Idyll zog gestern einmal mehr viele Interessierte in seinen Bann: Der Landkreis Prignitz und das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege sowie das Archäologische Landesmuseum luden zu zwei öffentlichen Führungen ein. Grabungsleiter Jens May vom Landesamt stellte die jüngsten Forschungsergebnisse der aktuellen Untersuchungen vor, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Archäologischen Institut laufen. Aufschluss- und wortreich moderierte Jens May die derzeitigen Arbeiten, die sich direkt am Königsgrab sowie im etwa zwei Kilometer entfernten Wickboldschen Wäldchen vollziehen.

Jens May mit dem überraschenden Fundstück.
Jens May mit dem überraschenden Fundstück. Foto: Birgit Hamann

Sprachlos erlebt man den erfahrenen Wissenschaftler eigentlich selten – gestern Mittag, am Ende der ersten Führung, allerdings dann doch. Er betrachtete immer und immer wieder eine große, verzierte und mit kleinen Aufhänge-Löchern versehene Tonscherbe, offensichtlich Teil eines großen Gefäßes, einer so genannten bronzezeitlichen Hausurne. Frisch gefunden von Studenten der Freien Universität Berlin, die derzeit an diesem archäologischen Hotspot tätig sind. „Das ist ein dolles Stück, außergewöhnlich, ich kann das erstmal gar nicht kommentieren“, so Jens May, sichtlich beeindruckt, gegenüber dem „Prignitzer“. Ein Areal von rund 60 Quadratkilometern, das neun Gemarkungen umfasst, wurde zwischenzeitlich zum Grabungsschutzgebiet erklärt. Ortslagen sind davon ausgenommen, auch die Nutzung, zum Beispiel für landwirtschaftliche Zwecke, sei problemlos möglich, so Jens May. Ein Segen für das auch im internationalen Maßstab ebenso bedeutsame wie populäre bronzezeitliche Siedlungsgebiet.

Forscher gehen mittlerweile davon aus, dass die Gegend bei Seddin womöglich zwischen dem 10. und 6. Jahrhundert vor Christus – also während der Bronzezeit – dichter besiedelt war als heute. „Unsere skandinavischen Kollegen, die mit der Formulierung ihrer Erkenntnisse meist etwas mutiger sind als wir, sagen sogar, dass es hier bereits vorstaatliche Strukturen gegeben haben muss, in Richtung Königtum“, so May. Reiche Funde bei vergangenen archäologischen Arbeiten untermauern diese These. Auch der Umstand, dass sich nahe des Königsgrabes zirka 100 weitere Grabhügel befinden, sowie die günstige geostrategische Lage des Gebietes liefern weitere Argumente für eine Hochkultur, die 2600 bis 3000 Jahre zurückliegt. „Fakt ist, dass das Gebiet der Wickboldschen Tannen bei Archäologen von Rom bis Stockholm bekannt und in aller Munde ist“, bekräftigt Jens May. Kommende Woche wird das Areal erstmals mit einer Kameradrohne beflogen und alles von oben dokumentiert.

Sehr viel Zeit für die eigentliche Grabungstätigkeit bleibt Forschern, Studenten und Helfern meist nicht, in der Regel sind es drei Wochen pro Jahr bzw. pro konkretem Projekt. Die Budgets sind knapp, trotz der großen Bedeutung des Seddiner Königsgrabes und seines Umfeldes. Und eine Förderschiene – die über das so genannte Exellence Cluster Topoi (steht für „The Formation and Transformation of Space and Knowledge in acient civilizations“) – endet dieses Jahr. Wird dann nicht mehr „weitergebuddelt“ bei Seddin, jetzt, da es immer spannender wird? Sowohl Jens May als auch Ortrud Effenberger von der Denkmalbehörde des Landkreises, sehen keinen Anlass für Pessimismus. „Wir haben Seddin immer im Fokus, entwickeln diesen besonderen archäologischen Ort gemeinsam mit Partnern weiter, zu einem attraktiven Ziel- und Ausflugsort, an dem man nicht nur tief in die Vergangenheit eintauchen, sondern auch die totale Ruhe finden kann“, so Ortrud Effenberger. Und Jens May, der als Referatsleiter für Gebietsbodendenkmalpflege für Havelland, Ostprignitz-Ruppin und Prignitz zuständig ist, lässt dieses Thema in nächster Zeit ohnehin nicht los: „Ich werde demnächst noch mal Student, habe meine Promotion angemeldet“, berichtete er . Zu welchem Thema? „Seddin – was für eine Frage!“

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