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Prignitzer stellt im Potsdamer Museumshaus aus : Und Otto hat geschimpft von oben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Künstler Götz Schallenberg eröffnet eine Ausstellung in Potsdam. Zitat seiner Gattin über ihren Vater Otto Nagel sorgt für Lacher

Seine Motive sind die Landschaften der Prignitz: Uralte Bäume, das weite Land. Der Kuwalker Künstler Götz Schallenberg wird heute 70 Jahre alt. Passend dazu eröffnete gestern im Potsdamer Museumshaus „Im güldenen Arm“, dem Haus des brandenburgischen Kulturbundes, eine Ausstellung mit Werken des Malers und Holzbildhauers, die das künstlerische Schaffen des Wahlprignitzers würdigt. Zu sehen sind neben diversen Holzschnitten und Gemälden auch Schallenbergs berühmtestes Bild: Ein Selbstbildnis des Malers im roten Mantel, der ein wenig wie ein Morgenmantel ausschaut. Und in der Hand hält der Künstler eine leere Farbpalette.

Für Schallenberg war das ein Weg, mit der Kulturpolitik in der DDR abzurechnen. Denn der Künstler, der bis 1979 das seinem Schwiegervater Otto Nagel gewidmete Museum in Berlin, das Otto-Nagel-Haus, leitete, hatte mit der DDR gebrochen und sich aus Protest aufs Land zurückgezogen. Nach Kuwalk, direkt an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern, wo er heute noch lebt. „Seine Werke sind Zeugnisse der Vielfalt, Verletzlichkeit und Schönheit der Prignitzer Landschaft“, sagte Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) gestern bei der Eröffnung der Ausstellung.

Das gelte etwa für Schallenbergs Bildzyklus vom Leben und Sterben der Bäume: Auf dem letzten Bild sieht man, wie anstellte toter Bäume Windräder und Fabrikschlote die Landschaft prägen. Viele seiner expressionistischen Gemälde hätten zudem „eine eindrückliche Leuchtkraft“, sagte Gorholt. „In seinen grafischen Arbeiten beeindrucken vor allem seine Holzschnitte durch die Konzentration aufs Wesentliche im scharfen Schwarz-Weiß-Kontrast.“

Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von einem alten Weggefährten Schallenbergs, dem Saxophonisten Warnfried Altmann.

„Viele Bilder hier sind ja politisch“, sagte er – und begann eine Improvisation über die Melodie der alten DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“. Unterwegs ging dem Saxophonisten die Luft aus, das Instrument ächzte, krächzte und quietschte in den schrillsten Tönen – um dann schließlich mit den letzten Noten der heutigen, bundesdeutschen Nationalhymne zu enden.

Der Künstler selbst verlor gestern dagegen nur wenige Worte. „Ich freue mich besonders, 70 Jahre, nachdem Otto Nagel den Kulturbund gründete, in Potsdam ausstellen zu können“, sagte Schallenberg. Der Lacher des Tages indes gehörte seiner Gattin Sibylle. Die nämlich schilderte, wie Schallenberg ein von ihm gezeichnetes Portrait seines Schwiegervaters rahmen ließ, um es dem Kulturbund zu überreichen – doch das Portrait gefiel der Gattin ganz und gar nicht. „Als wir uns zum Mittagsschlaf hingelegt hatten, hörten wir ein lautes Geschepper: Das Bild war umgefallen, der Rahmen kaputt“, sagt Sibylle Schallberg. „Otto hat geschimpft von oben.“


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