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Hochwasserhilfe : Unbürokratische Hilfe aus Werder

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gewerbenetzwerk unterstützt Hochwasseropfer Lothar und Monika Mierke mit 1000 Euro

Zehn Häuser konnte der hastig durch Breese gezogene Notdeich nicht schützen, als im Juni 2013 das Hochwasser extreme Pegelstände brachte. Zu den Betroffenen zählen auch Lothar und Monika Mierke. Rund 100 000 Euro Schaden ist ihnen an Gebäuden und Einrichtung entstanden, die Einkünfte aus der Vermietung von Ferienwohnungen und dem mobilen Menüservice sind weggebrochen.

Zwar haben sie eine Elementarschadenversicherung, aber die zögert , da Schäden angeblich zu spät gemeldet worden sein sollen. Zahlungen der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) ziehen sich hin, und die Gemeinde will Spendengelder erst herausgeben, wenn nach Ausschütung von Versicherungs- und ILB-Leistungen noch Beträge offen sind. Ausnahme war eine Soforthilfe von zweimal 5000 Euro für die angemeldeten Betriebe. Darüber hinaus bewahrt derzeit allein Lothar Mierkes Einkommen als selbstständiger Berufsbetreuer die Familie vor dem finanziellen Ruin.

Eine kleine finanzielle Unterstützung erhielten die Mierkes gestern vom Verein Pro Werder (Havel), einem Zusammenschluss von Gewerbetreibenden der Stadt. „Auf einer Mitgliederversammlung haben wir beschlossen, dass Spendengelder, die ursprünglich für den Verein gedacht waren, Hochwasseropfern zugute kommen sollen“, sagt Katrin Schneider, Vorsitzende von Pro Werder (Havel). „Allerdings war uns ebenso schnell klar, dass wir direkt helfen und nicht an irgendeine Organisation spenden wollen. Das Geld sollte ohne große bürokratische Hürden ankommen.“

Auf der Suche nach einem passenden Empfänger wandte sich der Verein an die IHK. „Wir hatten während der heißen Phase ein Hochwasserbüro in Wittenberge eingerichtet, in dem Unternehmen ihre Schäden melden konnten“, sagt Marion Talkowski, Leiterin des IHK-Regionalcenter Prignitz. Diesen Service hätten auch Lothar und Monika Mierke genutzt, und da sie zu den Untenehmern mit besonders hohem Schaden zählten, verwies man den Verein nach Breese.

Als die Mierkes Katrin Schneider und ihre Vorstandskollegin Gabriele Richter durch die Räume ihre Ferienwohnungen führen, wird den Werderanern erst richtig klar, wie schlimm es gewesen sein muss. „Die Arbeiten an den Gebäuden waren nahezu abgeschlossen und wir haben uns Gedanken um die Gestaltung des Hofes gemachen. Dann kam das Wasser.“ Mit Wehmut denkt Lothar Mierke an den Juni des vergangenen Jahres zurück, als sein Hab und Gut zum zweiten Mal den Fluten zum Opfer fällt und bemerkt lakonisch, dass „Landesvater Woidke bereits damals den schnellen Bau des Deiches“ versprochen hätte.

1988 waren die Mierkes nach Breese gezogen, hatten eine Pension mit Restaurant gegründet, infolge einer schweren Krankheit Monika Mierkes das Restaurant aufgegeben und unter dem Namen Stepenitz Menü einen Lieferservice aufgebaut, der mit drei transportern Kunden im Umkreis von rund 100 Kilometern versorgte. Zusätzlich waren im Laufe der Zeit vier Ferienwohnungen entstanden, die von Touristen und Dauermietern genutzt werden konnten. Dort wird gerade der feuchte Fußboden erneuert, die Inneneinrichtung wiederhergestellt. Die Küche des Lieferservice ist noch komplett verwüstet, wann hier wieder Töpfe dampfen, ist unklar. Immerhin ist eine der Wohnungen wieder vermietet.

„Die Praxis der Gemeinde ist einfach nicht nachvollziehbar“, ärgert sich Lothar Mierke. Wie soll man wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen, wenn Versicherungen verweigern, die ILB drei Kostenvoranschläge für jede Handwerkerleistung fordert und die Verwaltung auf den Geldern hockt, die ja explizit für die Flutopfer gespendet wurden? Wenn dann noch Fragen zu den Geldern mit dem Verweis darauf, die Gemeinde sei rechtlich nicht verpflichtet, die Spenden herauszugeben, abgebügelt werden, dann macht das wütend.“

Aus genau diesem Grund habe der Verein direkt helfen Wollen, bestätigen Katrin Schneider und Gabriele Richter, als sie den Scheck über 1000 Euro übergeben. Das Geld wollen Mierkes direkt in die Bauarbeiten investieren. „Wenn das Wasser noch einmal kommt, sind wir hier weg. Das stehen wir nicht noch einmal durch“, sagen sie.

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erstellt am 15.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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