„Unbotmäßig“ im Sinne der Einwohner

Beim Bau von Windkraftanlagen schöpft die Gemeinde ihre Planungshoheit voll aus

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30. September 2015, 12:00 Uhr

„Unbotmäßiges Verhalten“ attestierten sich die Groß Pankower Gemeindevertreter auf ihrer jüngsten Sitzung selbst, und sie bekamen es auch von Planer Jörg Lewin vom Plankontor Stadt und Land GmbH bestätigt, der die Gemeinde seit Jahren durch einen Wust von Windparkprojekten begleitet. Das Ganze war natürlich mit einem Augenzwinkern versehen.

Die Unterlagen für fünf Windparks bzw. Anlagen hatten die Abgeordneten vor kurzem auf dem Tisch. Es werden jeweils alle Schritte einer Bebauungsplanung durchlaufen – das dauert. Inzwischen gibt es für besonders langwierige Verfahren Übersichten in Form eines Zeitstrahls – jeder Volksvertreter und auch Bürger, die in den Sitzungen anwesend sind, können daran jeweils genau den Planungsstand sehen.

Unbotmäßig verhält man sich hier, weil man eigene Regeln für die Bebauung von Flächen mit Windrädern aufstellt – die so im geltenden Regionalplan nicht bzw. noch nicht vorgesehen sind. Er stammt aus dem Jahr 2003 und wird gerade überarbeitet. Die Groß Pankower handeln also im Vorgriff auf das was – irgendwann einmal – kommt.

Im Gemeindegebiet werden die Windparks auf drei größere Areale konzentriert. Ganz besonders wichtig ist den Verantwortlichen in der Gemeinde und dem Planungsbüro eine ausreichende Abstandsregelung von 1000 Metern zur Wohnbebauung. Auch die Befeuerung, also die Beleuchtung der Rotoren in luftiger Höhe, und weitere Parameter können über die Bebauungspläne selbst bestimmt werden. „Wir sind eine von wenigen Gemeinden in Nordwestbrandenburg, die das so handhaben. Wir wollen nicht die Aktualisierung des Regionalplanes abwarten“, machte Bürgermeister Thomas Brandt in der öffentlichen Sitzung deutlich. Jeder einzelne Standpunkt für ein Windrad wird in den Unterlagen als „Sondergebiet“ deklariert. Jedes dieser Sondergebiete hat die schon erwähnten mindestens 1000 Meter Abstand zum nächsten Wohnhaus. Durch die volle Ausschöpfung ihrer Planungshoheit verhindert die Gemeinde u. a. auch den Bau von Anlagen in Waldstücken. „Das legen wir selbst im Bebauungsplan fest, dass wir dort ein solches Sondergebiet nicht wollen“, bringt es Jörg Lewin ganz kurz auf den Punkt.

Eines der jüngeren Vorhaben ist der Windpark Reckenthin. Hier gibt es schon Windräder. Neue sollen aber erst errichtet werden, wenn die alten zurückgebaut sind, so eine Festlegung der Planung. Später sollen hier höhere, dafür weniger Rotoren Strom liefern.

Das Geld aus den Ausgleichszahlungen für den Windradbau wolle man dort verwenden, wo der Eingriff erfolgt, so Bauamtsleiter Halldor Lugowski. Auch das bestimmt die Gemeinde auf Grundlage ihres „unbotmäßigen Verhaltens“ selbst. „Für Infrastruktur und Gemeinschaftsleben werden wir hier erheblich was machen können“, blickt Lugowski voraus.  

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