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Ausstellung im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Potsdam : Umbau in der "Lindenstraße 54/55"

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Ein chronologischer Rundgang, neue Texttafeln sowie zahlreiche Video- und Hörstationen: Ab dem Wochenende ist die neu gestaltete Dauerausstellung in der Potsdamer Gedenkstätte "Lindenstraße 54/55" zu sehen.

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erstellt am 16.Mär.2012 | 11:06 Uhr

Potsdam | Ein chronologischer Rundgang, neue Texttafeln sowie zahlreiche Video- und Hörstationen: Ab dem Wochenende ist die neu gestaltete Dauerausstellung in der Potsdamer Gedenkstätte "Lindenstraße 54/55" zu sehen. Etwa eine Million Euro wurden in das auch als "Lindenhotel" bekannte Gebäude investiert, wie die Kuratorin Gabriele Schnell sagte. Heute wird der sanierte Teil offiziell eröffnet.

Das Areal mitten in der Potsdamer Altstadt wurde von 1945 bis 1952 als zentrales sowjetisches Geheimdienstgefängnis für Brandenburg genutzt. Nach der Übergabe des Anwesens an das Ministerium für Staatssicherheit befand sich dort bis 1989 das Stasi-Untersuchungsgefängnis für den Bezirk Potsdam. Zuvor hatten die Nationalsozialisten es als Gefängnis und Gerichtsgebäude genutzt.

Neue Erklärtexte, Hörstationen und Interviews auf Videos sind nun in den Teilen der Gedenkstätte zu sehen, die sich mit der Geschichte des Hauses als sowjetisches Geheimdienstgefängnis beziehungsweise Stasi-Untersuchungsgefängnis beschäftigen. So berichtet der 1922 geborene Werner Adermann, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Spionageverdachts und antisowjetischer Propaganda eingeliefert wurde, in einem kurzen Film über die Misshandlungen, die er und seine Mitgefangenen ertragen mussten.

Teilweise seien neun Männer in den wenigen Quadratmeter großen Zellen zusammengepfercht gewesen, erinnert sich Adermann. Während sie nachts teils stundenlange Vernehmungen über sich ergehen lassen mussten, wurden sie tagsüber mit Schlafentzug gequält. Wachen patrouillierten durch die Gänge und sorgten dafür, dass die Gefangenen die Augen offen hielten.

Einige Räume weiter berichtet der Häftling Karl Salomon, wie sich die Gefangenen per Klopfzeichen verständigten. Einmal Klopfen bedeutete "A", zweimal "B" und so weiter. "So konnte man sich über möglicherweise ebenfalls verhaftete Verwandte erkundigen", erklärt Schnell. Doch wer erwischt wurde, habe mit harten Strafen rechnen müssen. In dem Trakt des Hauses, der sich mit der Geschichte als Stasi-Untersuchungsgefängnis beschäftigt, ist noch vieles erhalten. So hängen überall an den Wänden rote Lampen - die gingen an, wenn ein Gefangener vor dem Transport stand und sollten den anderen Wächtern als Signal gelten. Auf diese Art und Weise wurde vermieden, dass die Häftlinge sich auf dem Gang begegneten. Auch eine "Stehzelle" oder eine original Knebelkette erinnern an die Zeit zwischen 1952 und 1989. Als nächstes wollen sich die Historiker und Ausstellungsmacher auch der Geschichte des Hauses unter den Nationalsozialisten widmen.

Voraussichtlich im Frühjahr 2013 soll auch jener Teil der Gedenkstätten fertig überarbeitet sein, dann ist der chronologische Rundgang komplett. Bis dahin soll die Gedenkstätte eigenständig sein und nicht mehr wie bislang zum Potsdam Museum gehören. Die Stadt und das Land Brandenburg wollen es gemeinsam finanzieren.

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