Überschlag im Verkehrsgarten

Kopfstand im Simulator: Gordon Rath (l.) und Mario Najork (M.) in misslicher Lage. Hartmut Unglaub von der Verkehrswacht instruiert die beiden Perleberger Feuerwehrmänner, wie sie sich gefahrlos aus dem Auto befreien können. Lars Reinhold
Kopfstand im Simulator: Gordon Rath (l.) und Mario Najork (M.) in misslicher Lage. Hartmut Unglaub von der Verkehrswacht instruiert die beiden Perleberger Feuerwehrmänner, wie sie sich gefahrlos aus dem Auto befreien können. Lars Reinhold

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02. September 2012, 04:47 Uhr

Perleberg | Das Blut sickert in den Kopf, die Gesichter von Gordon Rath und Mario Najork werden rot. Das anfängliche Lächeln der beiden Feuerwehrmänner wirkt gedrückt und weicht langsam aus ihren Gesichtern. "Jetzt mit aller Kraft die Füße gegen das Armaturenbrett stemmen und den Po in den Sitz pressen", gibt Hartmut Unglaub, Leiter des Perleberger Verkehrsgartens, Instruktionen. "Dann das Gurtschloss öffnen und zur Seite abrollen."

Während sich die beiden Männer langsam aus der kopfstehenden Karosse arbeiten, beobachten ihre Kameraden jede Bewegung genau, müssen sie doch im Ernstfall genau wissen, wie sie jemanden aus einem auf dem Dach liegenden Fahrzeug retten. "Das ist heute mal ein etwas anderer Ausbildungsdienst", so Perlebergs Ortswehrführer Andreas Rohloff am Samstagvormittag. "Sonst machen wir einmal jährlich einen Dienst abend gemeinsam mit der Polizei, um uns bezüglich der Verkehrssicherheit fortzubilden. Denn, wenn wir zum Einsatz fahren, ist das Adrenalin schon auf dem Weg zur Wache am Anschlag, und dabei haben wir noch kein Martinshorn und Blaulicht drauf. Auch mit den großen Einsatzfahrzeugen schnell an den Ort des Geschehens zu kommen, das ist schon Stress für die Maschinisten."

Mag sich Theorie auf der Feuerwache noch gut erklären lassen, bietet der Perleberger Verkehrsgarten gute Möglichkeiten zur Praxisarbeit. "Aus diesem Grund haben wir das Angebot von Verkehrswacht und Polizei gern angenommen, heute hierher zu kommen und am Überschlagsimulator zu üben. Einerseits ist es für die Kameraden selbst interessant zu erfahren, wie man sich im Falle eines Unfalls sicher befreit. Andererseits können wir hier die richtigen Handgriffe proben und im Ernstfall - unter Stress - auf diese Erfahrung zurückgreifen", so Rohloff.

Die Anstrengung der Selbstrettung steht den beiden Probanden ins Gesicht geschrieben. "Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Kraft kostet, sein eigenes Gewicht nach dem Überschlag in den Sitz zu drücken", sagt Gordon Rath. "Und es ist wirklich gut, einmal genau erklärt zu bekommen, wie man sich richtig befreit, ohne sich noch mehr zu verletzen."

"Höchstens fünf Minuten hat man nach einem Überschlag für die Selbstrettung Zeit, sonst läuft zu viel Blut in den Kopf und man kann keine klare Entscheidung mehr treffen", verdeutlicht Hartmut Unglaub. Grund genug für die zehn Kameraden, auch die Fremdrettung, also das Befreien einer Person, die sich nicht selbst retten kann, zu üben. "Gott sei Dank kommen wir nur selten zu Unfällen mit Überschlägen, aber es ist wichtig, zu wissen, wie man auch dabei helfen kann", so Rohloff.

Interessante Selbsterkenntnisse bringen auch die zwei anderen Stationen, die Revierpolizist Fritz Möller und Grit Weber vom Präventionsbereich der Prignitzer Polizei vorbereitet haben. "Beim Reaktionstest heißt es, auf ein Tonsignal hin schnellstmöglich eine Gefahrenbremsung einzuleiten", erklärt Weber. "So lassen sich die Reaktionszeit und der Reaktionsweg ermitteln, die dann in Verbindung mit dem von Geschwindigkeit und Untergrund abhängigen Bremsweg den Anhalteweg ergeben." Während die Ergebnisse bei trockener Straße und Stadttempo noch recht gut ausfallen, sind die Feuerwehrleute doch überrascht, wie sehr sich der Anhalteweg verlängert, wenn man deutlich schneller fährt.

Die Alkoholbrille, mit der abschließend ein Slalom zu laufen ist, provoziert natürlich Anspielungen zum persönlichen Promille-Trainingsstand unter den Kameraden. Doch auch hier steht am Ende die Einsicht, dass Alkohol und Autoschlüssel nicht zusammenpassen. "Alles in allem eine Veranstaltung, von der wir alle viel mitnehmen", resümiert Andreas Rohloff und bedankt sich im gleichen Zug bei Polizei und Verkehrswacht. "Ich kann nur allen Wehren empfehlen, hier mal eine Ausbildung zu machen."

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