Bilanz zum Starkregen in der Prignitz : Überflutungen nicht zu verhindern

Wasservögel statt Futteranbau – die Überschwemmungen an der Löcknitz bei Wustrow trafen im Sommer die Landwirte hart.
Wasservögel statt Futteranbau – die Überschwemmungen an der Löcknitz bei Wustrow trafen im Sommer die Landwirte hart.

Untere Wasserbehörde, Landesamt für Umwelt und Wasserverband sehen bei der Auswertung der Gewässerpflege keine Versäumnisse

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16. November 2017, 21:00 Uhr

Die großflächigen Überflutungen besonders an Löcknitz und Karthane nach den schweren Regenfällen Ende Juni und im Juli waren nicht zu verhindern, sagte der Leiter der Unteren Wasserbehörde der Kreisverwaltung, Bernd Lindow, am Mittwochabend vor dem Ausschuss für Landwirtschaft und Umwelt. Drohnenflüge, Kontrollfahrten auf Karthane und Löcknitz und Fachgespräche hätten gezeigt, dass es keine Fehler bei der Gewässerunterhaltung gegeben habe. „Es kam für die gesättigten Böden einfach zu viel Wasser vom Himmel “, so Lindow. Bei Berge wurden Ende Juni Niederschlagsmengen von 124 Litern pro Quadratmeter erreicht. Auch in anderen Orten der Prignitz wurden Werte von mehr als 100 Litern pro Quadratmeter erreicht. Dementsprechend zeigten die Abflussstatistiken von Karthane, Löcknitz und Stepenitz für diese Zeit ein Mehr- oder Vielfaches der üblichen Mengen. Der Deutsche Wetterdienst habe diese Starkregenfälle als Jahrhundertereignis eingestuft, sagte Lindow.

Bei der Kontrolle der Flussläufe auch vom Boot aus sei sehr genau darauf gesehen worden, ob Verlandungen, Bäume im Wasser oder starke Verkrautung zu Überflutungen beigetragen hätten. Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen, der Wasser- und Bodenverband Prignitz habe die Pflegearbeiten wie vorgegeben sehr gut umgesetzt und die Abflussprofile seien frei gewesen, betonte der Leiter der Unteren Wasserbehörde.

Auch mehrere Ausschussmitglieder attestierten dem Wasser- und Bodenverband gute Arbeit, ein offenes Ohr für Anregungen der Gewässeranlieger, rasche Umsetzung von Absprachen und eine gute Qualität bei der Umsetzung. Auch der Vergleich mit dem Agieren des benachbarten Wasser- und Bodenverband Dosse zeige, wie gut die Arbeit in der Prignitz sei. Lindow führte besonders die Löcknitz an. Der Fluss sei seit den 20er Jahren komplett staureguliert. Der Wasser- und Bodenverband habe die Wehre zwischen 2000 und 2010 komplett saniert. Dieser sichere auch die Regulierung, dies sei eine Ausnahme im Land Brandenburg.

Die Wehre seien aber für Niedrig- und Mittelwasser konzipiert, um im Sommer das Wasser in der Landschaft zu halten. Für den Hochwasserschutz brächten sie wenig. Das Problem der Löcknitz sei das geringe Gefälle, auch deshalb sei in Bernheide, wo es noch flacher werde, neben Wustrow ein Schwerpunkt der Überflutung von Wiesen und Ackerflächen gewesen.

Auch in der Karthane gebe es mehrere Wehre ohne Schutzfunktion gegen Hochwasser. Eine Schlüsselrolle in solchen Situationen spiele das Schöpfwerk bei Garsedow, so Lindow. Da die Elbe im Sommer keine hohe Wasserführung gehabt hatte, sei der Abfluss nicht beeinträchtigt gewesen.

Trotz der nur wenigen Überflutungen an der Stepenitz, gab es dort die größten Beanstandungen. Der hohe Wasserstand im Bereich Perleberg sei zum Teil vermeidbar gewesen, konstatierte Lindow. Dafür seien zwei Faktoren ausschlaggebend gewesen. So war der rechte Rieseleikanal stark verkrautet. Dies habe den Abfluss erschwert. Und die automatische Wehrsteuerung sei ausgefallen und das Rieseleiwehr daher automatisch in den Endstand gefahren. Die Störungsmeldung sei aber nicht bei den Verantwortlichen angekommen.

Die Untere Wasserbehörde, Wasser- und Bodenverband Prignitz sowie das Landesamt für Umwelt haben aus den Ergebnissen der Datensammlungen, den Flussbefahrungen, den Drohnenflügen und aus weiteren Analysen gemeinsame Schlussfolgerungen gezogen. Bei der Stepenitz werde mehr Augenmerk auf die Krautung im rechten Rieseleikanal gerichtet. Zudem wurde die Fehlerinformation für das Rieseleiwehr neu organisiert und Partner wie die Feuerwehr einbezogen. Eine Ansteuerung wird künftig auch über die Zentrale in Potsdam möglich sein.

Am Karthane-Schöpfwerk Garsedow wird das Stauziel bei freiem Zufluss in die Elbe im Bedarfsfall etwas herabgesetzt. Für einige Bereiche dieses Flusses wird eine vorgezogene Entkrautung vorgeschlagen. Im Bereich der Löcknitz wird die Wehrsteuerung des Lenzer Mühlgrabens optimiert.

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