Brandschutz : Überalterung und Investitionsstau

Strohmietenbrände hielten die Feuerwehren im Amt 2014 in Atem.
Strohmietenbrände hielten die Feuerwehren im Amt 2014 in Atem.

Amtswehrführung stellt Grundzüge des neuen Brandschutzkonzeptes für Bad Wilsnack /Weisen vor und benennt Probleme

23-43196173_23-66107918_1416392361.JPG von
19. Juni 2015, 12:08 Uhr

Viel alte Technik, viele ältere Kameraden, kaum aufrecht zu haltende Tagesbereitschaft: Das Dilemma, in dem sich der Brandschutz im Amt Bad Wilsnack/ Weisen befindet, dürfte den Bürgermeistern ebenso klar sein wie der Amtsverwaltung. Dennoch ließen die Gesichter der Amtsausschussmitglieder am Mittwochabend erahnen, dass der stellvertretende Amtswehrführer Torsten Blüthmann mit seinen Ausführungen zum Stand der Erarbeitung eines neuen Brandschutzkonzeptes den Finger in eine Wunde gelegt hatte.

„Wir haben zunächst alle Orte unter die Lupe genommen und Gefahrenpotenziale analysiert“, sagt Blüthmann. „Dabei wurden die Einwohnerzahlen berücksichtigt, die Art und Dichte der Bebauung und spezifische Gefahrenquellen.“ Dies seien beispielsweise Betriebe, die mit Chemikalien arbeiten wie die Therme in Bad Wilsnack, die Chlorgas zur Wasserreinigung einsetzt.

„Aus der Anzahl der Einwohner von Orten ergeben sich Schwerpunkte in Bezug auf die Versorgung von Verletzten bei Katastrophen. Ähnliches gelte auch für Verkehrswege wie die B  189 und die ICE-Strecke. „Hier ist zusätzlich zur Bewältigung einer möglicherweise großen Anzahl von Verletzten auch die Notwendigkeit der technischen Hilfeleistung zu betrachten“, erklärt Blüthmann. Schließlich spiele die Elbe als Verkehrsweg eine Rolle, und auch die großen Waldflächen stellen – sollte es hier zu einem Brand kommen – ein Risiko dar, dass es zu beachten gelte.

„Den Gefahrenpunkten haben wir die Möglichkeiten zur Gefahrenabwehr gegenübergestellt“, führt der Fachmann weiter aus. „Alle Wehren wurden bezüglich ihrer technischen Ausstattung und ihrer Personalstärke bewertet. Und das Fazit lautet hier, dass wir uns zum einen auf einen Investitionsstau bei den Fahrzeugen und der Ausrüstung zubewegen und zum anderen personell überaltern. Das mag noch zehn bis 15 Jahre gut gehen, aber dann ist es richtig ernst.“

Man dürfe sich nicht von den 14 Ortswehren blenden lassen, die zumindest auf dem Papier existieren. „Die Tageseinsatzbereitschaft ist vielfach nicht gegeben, von nicht mehr zeitgemäßen Fahrzeugen wie den LOs ganz zu schweigen.“

Amtsausschussvorsitzender Werner Steiner dankte der Amtswehrführung für die bisher geleistete Arbeit und mahnte in Richtung der einzelnen Feuerwehren, bei den Zuarbeiten Ehrlichkeit an den Tag zu legen. „Da muss in den Wehren drüber gesprochen werden, es bringt nichts, wenn die Verwaltung von falschen Voraussetzungen ausgeht“, so Steiner.

Auch über die von Blüthmann vorgeschlagene Kooperation von Wehren müsse man verstärkt nachdenken, griff Steiner eine Anregung auf. Rühstädts Bürgermeisterin Heike Warnke warnte jedoch davor, dies von oben anzuordnen, da derartige Versuche bereits in der Vergangenheit gescheitert seien. „Es wäre gut, wenn in jeder Gemeinde einer der Wehrführer die Verantwortung dafür übernimmt, dass die einzelnen Feuerwehren gemeinsam Ausbildungen absolvieren, um so im Einsatz zusammen ein Team zu bilden. Zwei aus Legde, zwei aus Quitzöbel und zwei aus Roddan, und schon hat man die Besatzung für ein Fahrzeug zusammen“, sagt Blüthmann. „Nur so kann es künftig funktionieren.“

Die Vorarbeiten zum Brandschutzkonzept würden jetzt mit den Gemeinden intensiver besprochen, eine zweite Lesung soll es im Amtsausschuss noch in diesem Jahr geben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen