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Der Prignitzer

19. November 2017 | 11:41 Uhr

U31 im Einsatz gegen die Flut

vom

svz.de von
erstellt am 24.Aug.2012 | 08:17 Uhr

Wittenberge | Ihr Arbeitsplatz, das U-Boot, war noch nicht fertig. Der geplante Einsatz unter Wasser fiel aus. So blieb der ungeplante Kampf gegen das Wasser an Land. Auf diese Weise begann eine der ungewöhnlichsten Hilfsaktionen während des Hochwassers 2002. Die Geschichte von Kapitänleutnant Frank Thiede und der Besatzung von U31.

"Sandsäcke", antwortet Frank Thiede auf die Frage, was ihm denn zu 2002 spontan einfällt. Dann sprudelt es aus ihm heraus: "Das Hochwasser in der Prignitz wurde unser erster Einsatz mit der Truppe. Wir wollten eigentlich schon ins Wasser, aber unser Boot war noch nicht fertig. Außerdem war es geplant, eine Woche später nach Wittenberge zum Stadt- und Hafenfest zu kommen". Dieser Besuch wird vorgezogen. Die U-Boot-Leute rufen den Wittenberger Bürgermeister Klaus Petry an und bieten ihre Hilfe an. Die wird gern angenommen.

Jetzt gilt es noch, kleine bürokratische Hürden zu überwinden. "Wir mussten beim Admiral um Erlaubnis fragen und die Anzugsordnung klären. Das klappte, und so konnten wir offiziell nach Wittenberge", erzählt Thiede. Kurz entschlossen organisiert sich die Truppe Fahrzeuge und es geht los - auf freiwilliger Basis.

In der Prignitz angekommen, wundern sich die Marinesoldaten. "Es war ein komisches Gefühl. Da stehen Leute in ihren Gärten, sind tief braun und bewässern ihren Rasen", beschreibt der Kapitänleutnant seine damaligen Eindrücke. Ihn und seine Kameraden führt der erste Weg auf das Gelände der Ölmühle. Dort füllten hunderte Wittenberger Sandsäcke. "Aber es wirkte teilweise ein wenig unkoordiniert", erinnert er sich.

Die Soldaten nehmen die Organisation ein wenig in die Hand, und es klappt. Es entwickelt sich eine Gemeinschaft. Mittendrin die stolzen U-Boot-Fahrer. "Das war toll, dazuzugehören. Alle haben an einem Strang gezogen, mit angepackt. Der Professor oder die komplette, aus Berlin angereiste Schulklasse. Alle wollten helfen", lässt Thiede, heute strategischer Planer bei der Nato-Organisation SHAPE im belgischen Mons, seine Gedanken noch einmal um die Tage im August kreisen.

Nach dem Einsatz auf der Ölmühle geht es für die U-Boot-Fahrer weiter. Sie helfen bei Sicherungsarbeiten an der Stepenitz, stehen ihren Mann an der Wahrenberger Fähre und sind, wie es Thiede formuliert, "auch beim umstrittenen Kappen der Bäume auf dem Deich in Wittenberge involviert".

Bei allen Aktionen taucht beim Kapitänleutnant und seinen 17 Mann immer wieder ein Gedanke auf: "Es war etwas Besonderes für uns. Zu diesem Zeitpunkt war ich mehr als zehn Jahre U-Boot-Fahrer, und es ist doch so, dass die Besatzung eines U-Boots ihrer Patenstadt wenig helfen kann. Das war jetzt unsere Chance, etwas für Wittenberge zu tun. Auf freiwilliger Basis", sagt Frank Thiede. Das hat ihn beeindruckt. Wie auch der Zusammenhalt der Menschen in dem vom Hochwasser bedrohten Gebiet. Thiede spricht von Menschen, die eingeschlossen waren, nichts mehr zu essen hatten.

Kurzerhand werden zwei Zivilisten ausgesucht, auf den Lkw gesetzt, und die Marinesoldaten fahren mit ihnen einkaufen. An anderer Stelle gehen bei einigen Bewohnern die Vorräte rasch zu Ende, dennoch versorgen sie die Helfer am Deich mit Kaffee.

Frank Thiede hat das nicht vergessen. "Ich komme immer noch gern nach Wittenberge. Beim Gang durch die Stadt erkenne ich das eine oder andere Gesicht von damals wieder. Und ich habe hier Freunde gefunden. Bei meinen Besuchen in Wittenberge habe ich wohl noch kein Bier selbst bezahlt", erzählt er lachend am Telefon.

Um dann zum Schluss noch einmal kurz nachdenklich zu werden: "Wir hatten schon Schwein, dass Wittenberge nichts passiert ist. Ehrlich, wir waren dankbar über jeden Deich elbaufwärts, der Wasser durchgelassen hat".

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