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Der Prignitzer

16. Dezember 2017 | 21:48 Uhr

Tür steht neuen Windrädern offen

vom

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erstellt am 27.Aug.2013 | 06:44 Uhr

Karstädt | Mit knapper Mehrheit und nach teils kontroverser Diskussion stimmte der Ortsbeirat Karstädt dafür, den seit 2001 geltenden Bebauungsplan (B-Plan) für den Windpark Karstädt noch einmal zu öffnen, ein Bürgerwindrad zu integrieren sowie im weiteren Verfahren auch ein Repowering bestehender Anlagen bzw. noch das eine oder Windrad zuzulassen. Dieses Votum geht jetzt an die Gemeindevertretung, die über die Empfehlung abstimmt.

Hintergrund der Diskussion ist zum einen die von der Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel angestrebte Neufassung des Regionalplans Wind energienutzung mit neuen harten und weichen Tabukriterien, der die seit 2003 geltende Version ablösen soll und gegenwärtig in der Diskussion bzw. Prüfung ist. Mit einem Inkrafttreten ist frühestens 2015/16 zu rechnen. Die aktuelle Version sieht für das Gebiet der Gemeinde Karstädt nur eine Restfläche zwischen Glövzin-Klockow-Schönfeld als potenzielles Eignungsgebiet vor. Damit dürfte auch die umstrittene mögliche Bebauung westlich der Bahn von Nebelin bis Karstädt vom Tisch zu sein. Ebenso wäre ausgeschlossen, bestehende Windparks von Pröttlin bis Kribbe mit Neuanlagen zu ersetzen, so dass diese Flächen mit Ablauf der Nutzungsdauer der Windräder nach und nach entspargelt würden.

Also handeln, bevor nichts mehr geht in den Altgebieten, sagten sich die Windrad-Befürworter im Ortsbeirat Karstädt. Ein weiteres Argument, das sie ins Feld führten: Der 2001 beschlossene Bebauungsplan für den Windpark Karstädt schreibt einen Mindestabstand von 650 Metern zur Wohnbebauung vor. Der Regionalplan Windenergienutzung erlaubt 500 Meter, wenn die Immissionsgrenzwerte eingehalten werden. Es gebe bereits Beispiele, wo Investoren erfolgreich gegen solche Widersprüche geklagt hätten und die Kommunen das Nachsehen hatten, führte Ortsvorsteher André Lüdemann ins Feld. "Stimmen wir der Öffnung des Bebauungsplans zu, können wir bei seiner Überarbeitung mitreden und mitgestalten", argumentierte Gorden Strecker. Auch der Ersatz verschlissener Anlagen durch neue, höhere und leistungsfähigere Windräder, die weitere Jahre Bestand hätten, den Landverpächtern Geld bringen, die Kaufkraft in der Region stärken und auch der Gemeinde durch den Fortbestand städtebaulicher Verträge Einnahmen sichern, wäre dann ein Thema.

Für eine "Flucht nach vorn" votierte auch Jürgen Ditten. Ortsvorsteher Lüdemann führte zudem die Gründung einer Stiftung ins Feld, die mit Einnahmen des Bürgerwindrads gemeinnützig tätig würde. "Mit unserem B-Plan von 2001 haben wir seinerzeit eine gute Entscheidung für Karstädt getroffen, um die Anlagen nicht dichter an den Ort zu lassen. Wir haben genug Windräder, es reicht", hielten Harry Brehmer und Joachim Kuhlmann dagegen. "Wenn wir den B-Plan öffnen, machen die Firmen mit uns, was sie wollen", befürchten sie. Auch Ute Wonneberger wandte sich energisch gegen eine Änderung des B-Plans. "Es kommt mir vor wie eine Erpressung: Stimme ich nicht für eine Öffnung des B-Plans, schade ich der Gemeinde." Mit fünf Ja- und vier Nein-Stimmen empfahl der Ortsbeirat der Gemeindevertretung, den 2001 beschlossenen B-Plan wieder zu öffnen und im Genehmigungsverfahren ein Bürgerwindrad aufzunehmen. Das wird ein Thema der Sitzung im Oktober sein.

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