Bei Prignitzer Amtsärztin Nachgefragt : Tuberkulose-Gefahr im Kreis

So sehen Tuberkulose-Erreger aus.
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So sehen Tuberkulose-Erreger aus.

Todesopfer aus Heiligengrabe hatte Kontakt mit Personen in der Prignitz. Gesundheitsamt spricht von geringer Ansteckungsgefahr

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05. März 2014, 20:00 Uhr

Die vergangene Woche an Tuberkulose verstorbene Frau aus Heiligengrabe hatte vor ihrem Tod Kontakt mit Prignitzern. Deshalb sollen Personen mit denen die Frau direkt oder über Dritte Kontakt hatte, untersucht werden. Das bestätigt das zuständige Neuruppiner Gesundheitsamt. Mündlich ist auch bereits die Prignitzer Behörde darüber informiert worden. Heute erwartet Amtsärztin Catrin Goltz eine Namensliste, dann werde in den kommenden Tagen Kontakt mit den Personen aufgenommen, sagte sie gegenüber unserer Zeitung.


Beratung über mögliche Ansteckung


„Wir werden Kontaktpersonen über die Erkrankung, die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung beraten und wenn diese gegeben ist, erfolgt eine Blutentnahme. Hierdurch kann man nach kurzer Zeit feststellen, ob eine Infektion erfolgt ist“, sagt Catrin Goltz. Wenn jemand im Verdacht steht, sich infiziert zu haben, könne er nach den geltenden Gesetzen verpflichtet werden, die notwendigen Testungen oder auch Blutentnahmen zu dulden.

„Dies könnte dann auch angeordnet werden, allerdings ist mir im Landkreis Prignitz ein solcher Fall nicht bekannt. Im Gegenteil: alle Kontaktpersonen sind immer sehr interessiert an einer Untersuchung und wirken gut mit“, so die Ärztin.

Am meisten gefährdet sind Personen, die sehr oft und sehr lange mit dem Kranken Kontakt hatten, also meistens enge Familienmitglieder, Arbeitskollegen, Sportfreunde oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. „Es ist zum Beispiel bekannt, dass HIV-Infizierte sich bei gleichermaßen intensivem Kontakt sehr viel häufiger anstecken als immungesunde Personen“, sagt Goltz.

Bei allen Kontaktpersonen werde dann festgestellt, wie eng und gegebenenfalls lang andauernd das Zusammensein mit dem Erkrankten war und daraus könne man ableiten, ob eine Infektion dadurch überhaupt möglich oder wahrscheinlich ist. Der Erreger der Krankheit, meist das Mykobakterium tuberculosis, befindet sich in der Lunge des Kranken und kann nur durch zum Beispiel kräftiges Husten in die Umgebungsluft gebracht werden.


Erreger muss in die Lunge gelangen


„Es muss also jemand direkt angehustet oder angeniest werden oder sich so lange und nah am Kranken aufgehalten haben, dass ausgeschiedene Erreger auch bei der Kontaktperson in die Lunge gelangen konnten.“ Tuberkulose sei nicht sehr ansteckend. Selbst bei der in der Presse gelegentlich als „besonders ansteckend“ bezeichneten offenen Lungen-Tuberkulose infizieren sich nur sehr wenige Umgebungspersonen, sagt die Amtsärztin.

Wenn der Blut-Test positiv ausfällt, was wegen der geringen Ansteckungsfähigkeit auch bei großen Gruppen von Kontaktpersonen eher selten vorkommt, sei dies jedoch nicht gleichbedeutend mit einer schon bestehenden Tuberkulose-Erkrankung. In einem solchen Fall müsse dann eine Röntgenaufnahme angefertigt werden, um festzustellen, ob die Lunge schon befallen ist. In diesem Fall wird von offener Tuberkulose gesprochen. Wenn die Infektion erst einmal nur schlummert, handelt es sich um eine latente Infektion.

Nur bei einem kleinen Teil der latent infizierten Menschen bricht die Erkrankung
innerhalb der nächsten Jahre dann doch noch aus, erklärt die Amtsärztin.

Deshalb werden Betroffene durch das Gesundheitsamt weiter überwacht. Bei den meisten Menschen sei das Immunsystem jedoch in der Lage, einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern. „Bei Menschen mit einer solchen latenten Infektion ist die Lunge nicht befallen, diese Personen sind nicht ansteckend“, betont Catrin Goltz.





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