Integration : Trotz Handicap zum Traumberuf

Dominik Hübener macht trotz Einschränkungen eine Ausbildung zum Schäfer

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05. Dezember 2014, 21:00 Uhr

Das Lernen ist Dominik Hübener schon immer sehr schwer gefallen. Mit Texten umgehen, Fragen beantworten, alles richtig einordnen oder wiedergeben – alles schien den jungen Prignitzer zu überfordern.

Eine Ursache wurde gesucht und gefunden. Diagnose: Lernbehinderung. Doch auch auf der Förderschule hatte er Probleme. „Der Stoff ging noch, aber auch da habe ich es gemerkt. Wenn ich etwas geschrieben habe, konnte ich es fünf Minuten später schon nicht mehr lesen und verstehen“, erzählt er.

Trotzdem sollte es nach der Schule ein Exotenberuf sein, unbedingt mit Tieren, denn die hätten ihn schon immer interessiert. Seit September ist dieser Traum wahr geworden. Dominik Hübener ist Lehrling bei Schäfer Marc Mennle in der Prignitz und geht vollkommen in seiner Aufgabe auf. Doch bis es so weit war, mussten viele Räder ineinander greifen und einige Hilfe in Anspruch genommen werden.

„Wir haben eng mit dem Integrationsamt zusammengearbeitet und berufsvorbereitende- oder ausbildungsbegleitende Maßnahmen durchgeführt. Dominik hat zwar eine Behinderung von 60 Grad, aber er ist sehr motiviert und will arbeiten“, sagt die Teamleiterin des Arbeitgeberservice für die Prignitz, Ina Kaiser-Hagenow. „Wir haben beratschlagt, wie wir am vorteilhaftesten beginnen. Hier war der eigene Wille ausschlaggebend“, ergänzt die zuständige Betreuerin Silvia Stricker, die anführt, dass es nicht immer so gut läuft, wie in diesem Fall.

Die Ausbildung zum Tierwirt mit dem Schwerpunkt Schafhaltung war bei Dominik kein Schnellschuss.

Bereits während seiner Schulzeit hatte er einige Praktika in den Bereichen absolviert und auch die Arbeit mit Rindern kennen gelernt. „Das war aber nicht so meines. Ich bin ein Naturfreund und muss ausgepowert werden, deshalb habe ich diese Chance gleich genutzt“, erzählt der 18-Jährige.

Verantwortlich dafür war nicht zuletzt Schäfer Marc Mennle selbst. „Ich hatte Dominik einige Male als Praktikanten und da hat sich schon gezeigt, dass ich in ihm einen zuverlässigen Arbeiter bekomme. Er braucht eventuell manchmal etwas länger, aber wenn er es verstanden hat, dann sitzt es auch“, erklärt der Sarnower, der derzeit vier Herden mit etwa 400 Schafen betreut.

Und mit denen hat sein Lehrling Arbeit genug. „Die Lämmer füttern und tränken, Koppeln aufstellen oder die allgemeine Überwachung“, zählt Dominik Hübener seine Aufgaben auf. Am liebsten würde der Groß Langerwischer nur bei den Tieren sein, doch ist das nur ein Teil der dreijährigen Ausbildung.

Dazu gehört ebenso der Besuch der Berufsschule in Halle, in der die 14 deutschen Auszubildenden der Richtung zusammengefasst sind.

Auch in diesem Bereich münden wieder alle Teile des Gemeinschaftsprojektes. Denn vor allem Prüfungssituationen unter Zeitdruck überfordern den 18-Jährigen. Da zahlt es sich aus, dass seine Ausbildung im gewissen Sinne Familienanschluss beinhaltet. „Ich bin immer bereit, mit ihm zu lernen. Egal ob für den Beruf oder wie jetzt aktuell für den Theorieteil des Führerscheins“, erläutert Mennle. Und auch die Agentur für Arbeit greift helfend ein und will sich für eine mündliche Prüfung einsetzen.

Schäfer Mennle ist es, der in diesem Zusammenhang einen Appell an andere Arbeitgeber richtet, sich ein Herz zu nehmen und Behinderten mehr Chancen zu ermöglichen: „Was nützt mir zum Beispiel jemand, der schneller ist, aber nie anwesend. Ich brauche einen zuverlässigen Arbeiter. Natürlich hat man als Ausbilder eine andere Art von Verantwortung und viele Betriebsleiter schrecken davor zurück, aber wenn man den richtigen Menschen erwischt, sind alle glücklich.“

„In dem Fall hat es sich wirklich gelohnt. Doch auch allgemein haben wir viele Förderprogramme für geistig und körperlich Behinderte. Wir helfen nicht nur mit Geld. Wenn jemand gehörlos ist, kümmern wir uns zum Beispiel um einem Gebärdendolmetscher“, verdeutlicht Kaiser-Hagenow, die anführt, dass die Arbeitgeber in der Prignitz noch Potenzial in Sachen schwerbehinderter Mitarbeiter haben.

Und auch für den angehenden Schäfer stehen die Zukunftschancen gut, wie Ausbilder Mennle beschreibt: „Mein Mitarbeiter geht in drei Jahren in Rente und wenn Dominik will, kann er in meinem Betrieb weiterarbeiten.

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