Landwirtschaft in der Prignitz : Trockenheit setzt Feldfrüchten zu

Viel Staub wird beim Pflügen eines Feldes aufgewirbelt. Die Aufnahme entstand Mitte Juni im Landkreis Oder-Spree, der noch stärker von der Frühjahrstrockenheit betroffen ist als die Prignitz.
Viel Staub wird beim Pflügen eines Feldes aufgewirbelt. Die Aufnahme entstand Mitte Juni im Landkreis Oder-Spree, der noch stärker von der Frühjahrstrockenheit betroffen ist als die Prignitz.

Zu wenig Niederschlag von April bis Juni sorgt für Ausfälle bei Winterkulturen und Grünland / Grundwasserreserven schrumpfen

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25. Juni 2015, 08:00 Uhr

Die Trockenheit auf märkischen Äckern wird zum Problem. Die Situation auf den Feldern habe sich in den vergangenen Wochen zugespitzt, so ein Sprecher des Landesbauernverbandes Brandenburg. Besonders betroffen sei der Landstrich von der Uckermark zur Lausitz. Dort seien Flächen bereits vorzeitig abgeerntet worden, weiß auch Axel Liedtke, Landwirt in Schönhagen (Stadt Pritzwalk), zugleich Mitglied im Vorstand des hiesigen Kreisbauernverbandes. Obwohl die Prignitz nicht so stark betroffen sei wie Gebiete weiter östlich in der Mark und der Regen der vergangenen Tage ein wenig Entspannung brachte, gebe es auch hier größere Flächen, die vertrocknet sind. Betroffen seien alle Wintersaaten – vornehmlich Raps, Roggen, Gerste und Weizen. Mit Ertragseinbußen von etwa einem Drittel rechnet Axel Liedtke, der mit seinem Betrieb „Hof Liedtke“ rund 650 Hektar Ackerland bewirtschaftet.

Bedeckt hält sich noch Edwin Grönboldt, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Quitzow eG. „In drei Wochen wissen wir mehr“, äußerte er gegenüber unserer Redaktion. Die Prignitzer Kartoffelspezialisten aus Quitzow sind immerhin in der Lage, rund 50 Prozent der Flächen künstlich zu bewässern, auf denen die Knollen angebaut werden. Die Bewässerung von Getreide ist hingegen nur in geringem Umfang möglich. Bei Kartoffeln werde eine normale Ernte erwartet – allerdings beginnt sie etwa zwei Wochen später als 2014. „Ich denke, Ende kommender Woche legen wir los“, so Grönboldt. Grund seien die kühlen Temperaturen der letzten Zeit, die im Umkehrschluss – so der Experte – jedoch auch größere Schäden verhinderten, weil die Natur eben noch nicht ganz so weit ist wie sonst zu dieser Zeit im Juni. Kleinere Trockenstellen auf Getreideanbauflächen seien aber auch bei der Agrargenossenschaft Quitzow zu verzeichnen. „Das Ganze stellt sich regional aber recht unterschiedlich dar, weil die Niederschläge, die es gab, einfach nicht flächendeckend waren“, macht Grönboldt deutlich.

Unter dem zu wenigen Nass leidet in der Region überdies das Grünland. Während sich die Einbußen beim ersten Schnitt mit etwa zehn bis 15 Prozent noch einigermaßen im Rahmen hielten, lagen sie jetzt beim zweiten Schnitt bereits bei rund einem Drittel, erläutert Siegfried Schlestein, in der Landgenossenschaft Pröttlin eG verantwortlich für Pflanzenbau. Eine so ausgeprägte Frühjahrstrockenheit habe es aus seiner Sicht seit vier Jahren nicht gegeben. Zum Vergleich: Im Bundesland Hessen gibt es Gebiete, in denen der Mai 2015 als trockenster Wonnemonat der letzten 70 Jahre eingestuft wird.

Obwohl auch Schlestein speziell bei Raps und Roggen mit Ernteeinbußen von etwa 20 bis 25 Prozent rechnet, zeichnete er kein dramatisches Bild: „Wir können damit leben“, sagt er.

Was allerdings ihm, Axel Liedtke und vielen weiteren Landwirten Sorge bereitet, sind die Grundwasserreservoirs. Auch die ergiebigeren Regenmengen der zurückliegenden Tagen reichten bei weitem nicht aus, um irgendwelche Reserven anzulegen oder den Stand nennenswert aufzufüllen. Mit Blick auf die künstliche Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen sei der Grundwasserstand jedoch perspektivisch ein entscheidender Faktor. „Das ist eben einfach nur begrenzt verfügbar“, stellt Axel Liedtke klar.

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