Perleberg : Trittbrett für Ausländerhass

„Das habe ich nicht gewollt“, entschuldigt sich Gründerin der Facebookgruppe „Bürgerwehr Perleberg“ in aller Öffentlichkeit

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28. Juli 2015, 08:00 Uhr

„Es tut mir unendlich leid und ich möchte mich bei allen Menschen entschuldigen, die sich dadurch verletzt, verraten oder beleidigt gefühlt haben“, heißt es in der E-Mail, die den „Prignitzer“ erreichte. Abgesandt hat sie die Initiatorin der Gruppe „Bürgerwehr Perleberg gegen kriminelle Asylanten“, die sich am 7. Juli im sozialen Netzwerk Facebook gründete. Sie, der Name ist der Redaktion bekannt, wollte „nur eine Gruppe gründen, um mich mit anderen auszutauschen über kriminelle Ausländer“. Aufgrund der Nachrichten in den Medien, dass Asylanten auch in die Prignitz vermehrt umgesiedelt werden und sie teilweise nur Negatives dazu gelesen habe, habe sie Angst um ihre Kinder bekommen. Worauf gründet sie diese Angst konkret, wollte der „Prignitzer“ wissen. „Von einer Freundin, die mit Kinderwagen im Polloweg unterwegs war, haben Ausländer Wegegeld verlangt, was sie ihnen aber nicht gab.“ Eine Nachfrage bei der Polizeidirektion Nord ergab, dass ein derartiger Sachverhalt möglicherweise stattgefunden habe, aber nicht angezeigt wurde. „Ich weiß, dass die Kollegen in der Prignitz sehr sorgfältig mit derartigen Delikten umgehen“, so Toralf Reinhardt, Sprecher der Polizeidirektion Neuruppin. In diesem Zusammenhang betont er, dass die Polizei nur aktiv werden könne, wenn derartige Vorfälle auch gemeldet werden wie jener: Danach wurde ein 51-Jähriger am 19. Juli im Polloweg von zwei Männern mit südosteuropäischem Aussehen nach Zigaretten sowie Geld gefragt. Als er beides verneinte, wurde er geschubst. Dabei fiel seine Brille herunter und wurde beschädigt.

Es sei Wut und eine Kurzschlussreaktion gewesen, als sie die Gruppe in Facebook gründete, so die Perlebergerin. Über die Konsequenzen habe sie dabei nicht nachgedacht, ebenso wenig, als sie den Namen wählte. Viele Menschen habe sie damit enttäuscht, vor allem auch ihre Familie. „Dafür möchte ich mich öffentlich entschuldigen.“

Knapp eine Woche später war besagte Gruppe, die sich zuletzt „Bürgerwehr Perleberg“ nannte, nicht mehr in den sozialen Netzwerken zu finden. Sie habe wirklich nichts gegen Ausländer, betont die Perlebergerin immer wieder. „Hätte ich auch nur geahnt, dass die Gruppe bei Facebook als Trittbrett für Ausländerhass und Fremdenfeindlichkeit genutzt wird, hätte ich sie nie gegründet.“ Am liebsten würde sie die Zeit zurückdrehen, um alles ungeschehen zu machen. Doch das könne sie leider nicht. Deutlich wolle sie aber machen, dass das nicht ihr Gedankengut sei, was da im sozialen Netz geäußert wurde. „Ich habe nie nationalsozialistische Gedanken oder irgendeine Art von Fremdenhass empfunden und möchte mich ganz klar von jeglichen Beiträgen oder Kommentaren dieser Art distanzieren.“

Die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und nun darauf hoffen, dass sie sich hier ein neues Leben aufbauen können, verdienen es, einen Ort der Ruhe und des Friedens zu finden nach all dem Leid, was ihnen widerfahren sei, so die Perlebergerin. „Ich möchte mich persönlich bei ihnen entschuldigen, da ihnen durch diese Seite auf Facebook rassistisches Gedankengut entgegengebracht wurde.“ Sie hoffe, dass Flüchtlinge nach all den Entbehrungen hier mit ihren Familien ein neues Zuhause finden. „Denn das wollen wir doch eigentlich alle, in Frieden leben.“  

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