Training im Abrissblock

In einem völlig verqualmten Raum mussten Kameraden einen Menschen suchen. Dabei kam die Wärmebildkamera zum Einsatz.
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In einem völlig verqualmten Raum mussten Kameraden einen Menschen suchen. Dabei kam die Wärmebildkamera zum Einsatz.

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03. Oktober 2011, 05:53 Uhr

Wittenberge | Für viele Kameraden war es eine einmalige Chance: In einem Abrissblock konnten sie am Sonnabend für den Ernstfall trainieren. Die Wittenberger Feuerwehr hatte zu dieser Großübung eingeladen: Türen aufbrechen, Einsatz der Wärmebildkamera, Abseilen und Atemschutzausbildung gehörten zu den insgesamt sechs zu absolvierenden Stationen.

"Eine sehr sinnvolle Übung", sagt David Sell aus der Wehr Premslin/Glövzin. Für ihn war besonders das Vorgehen im Gebäude von hohem Nutzen. "Türen- und Fensteröffnen kannte ich bisher nur aus der Theorie. Hier konnten wir das üben, verschiedene Methoden ausprobieren", so der Kamerad. In der Gemeinde Karstädt gebe es keine Möglichkeit zu so einer Übung. Das Abseilen und Retten aus der Höhe hingegen war für ihn nichts Unbekanntes. "Bei der Bundeswehr diente ich bei den Gebirgsjägern in Mittenwald. Über tiefe Schluchten und von hohen Steilwänden mussten wir uns unter Gefechtsbedingungen abseilen. Dort habe ich natürlich noch ganz andere Techniken gelernt."

Neblin, Perleberg, Breese, Weisen, Wittenberge, Bentwisch, Hinzdorf, Wahrenberg und Bad Wilsnack waren zu der Übung gekommen. Eine unheimlich große Resonanz, freut sich der Wittenberger Wehrführer Chris Brandt. Die städtische Wehr sei die einzige im Landkreis, die Übungen dieser Art organisieren könne. In diesem Fall gelang das mit Unterstützung der hiesigen Wohnungsbaugenossenschaft. "Sie hat den Abriss extra so organisiert, dass uns zwei Aufgänge mit Türen und Fenstern zur Verfügung stehen, herzlichen Dank dafür", sagt Brandt. In der Vergangenheit hatte das auch bereits die Wohnungsbaugesellschaft ermöglicht.

Die hohe Teilnehmerzahl von knapp 90 Kameraden zeige, wie groß das Interesse daran sei. Innerhalb des regionalen Wachstumskerns habe man die Wehren informiert und eingeladen. Bad Wilsnack habe von sich aus angefragt, sei genauso willkommen. Noch ein Alleinstellungsmerkmal hat die Wittenberger Wehr im Kreis: Sie verfügt seit diesem Jahr als einzige über eine Wärmebildkamera. Eine zweite besitzt der Landkreis. Entsprechend groß war das Interesse an diesem hochmodernen Gerät.

"Hauptziel ist es, mit der Kamera den Brandherd zu suchen, denn diesen wollen wir angreifen", erklärt Chris Brandt. Dort sei die Hitze am größten, was die Kamera sehr gut anzeige. Darüber hinaus können mit dem Gerät Personen in verqualmten Räumen gesucht werden, was die Kameraden am Sonnabend taten. Da jeder Körper und Gegenstand eine eigene Temperatur hat, kann die Kamera alles in unterschiedlichen Farbschattierungen erkennen und den Kameraden während ihres Einsatzes Orientierung geben.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit sei die Suche nach Glutnestern, wie beispielsweise bei dem Wittenberger Hausbrand vor zwei Wochen. "Bisher konnten wir Glutnester nur vermuten, mussten das Dach aufreißen oder großflächig ablöschen. Jetzt können wir die Nester gezielt bekämpfen. Das spart Einsatzzeit und Wasser, am Gebäude entstehen weniger Schäden", fasst Chris Brandt zusammen.

Eine Wärmebildkamera sei aber keine Standardausrüstung für eine freiwillige Feuerwehr. Kostenpunkt 12 000 Euro. Die Wittenberger Kameraden hatten ihren Förderverein um Unterstützung gebeten.

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