Tourismuscheck: Ergebnis ernüchtert

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27. Juli 2012, 05:15 Uhr

Wittenberge | Ein Berliner hat im Auftrag des städtischen Kultur- und Tourismusbetriebes geprüft, wie Touristen in der Stadt aufgenommen werden. Jetzt liegt die Auswertung vor. Simone Albers als Verantwortliche für Marketing und Tourismus nennt auf Nachfrage des "Prignitzers" das Ergebnis ernüchternd. "Ich war davon überzeugt, wir sind in Sachen Tourismus schon viel weiter", sagt sie. Das Befragungsergebnis zeige, "dass der überwiegende Teil der Unternehmen sich vorwiegend auf das eigene Tagesgeschäft konzentriert und ein Gemeinschaftsgefühl für Wittenberge und Umgebung nicht immer optimal zu erkennen ist".

Mysterycheck nennt man, was der Unbekannte in Wittenberge getan hat. Er hat verdeckt agiert, als Testgast fünf Hotels, zwei Pensionen, zehn Restaurants, vier Taxiunternehmen und drei Fahrradverleiher aufgesucht. Ausgerüstet mit einem Anforderungskatalog fragte der Mann nach Sehenswürdigkeiten, Ausflugstipps, Prospektmaterial.

"Derartige Teste sollen Stärken und Potenziale, aber auch Fehlentwicklungen und Schwachstellen im Service aufdecken", erklärt Albers. "Das hilft uns als Kultur- und Tourismusbetrieb gemeinsam mit den Anbietern, Probleme anzugehen. Außerdem wissen wir jetzt, wo konkrete Hilfestellungen nötig sind." Einen Ansatz sieht Simone Albers bei Service- und Counterkräften. "Wichtig ist, dass auch sie sich in Wittenberge mit den Sehenswürdigkeiten und kulturellen Angeboten hier und in der Umgebung auskennen", erklärt sie, als der "Prignitzer" sie mit einer Auswahl von Negativantworten konfrontiert, die der Berliner bei neun Anbietern - in der Mehrzahl Gastronomen - erhielt. Der Mysterymann hatte, während er irgendwo Kaffee trank oder eine Kleinigkeit aß, bei Servicemitarbeitern nachgefragt, ob sich hier in der Stadt ein Mehrtagesaufenthalt lohnt, was man hier unternehmen könne und erfuhr: "In Wittenberge ist nicht viel zu sehen." "In Wittenberge ist man im halben Tag durch." "In Wittenberge sind Sie in einem Tag durch."

"Für uns ergibt sich als Schlussfolgerung, dass nicht nur die Chefs gut informiert sein müssen, was sie in der Regel ja auch sind. Wir überlegen, wie wir kurze, aber wirksame Schulungen quasi für jedermann im Service anbieten können." Wer noch nie im Museum oder im Uhrenturm war, nicht weiß, dass es eine Touristinfo gibt und wo sie sich befindet, kann kaum ein guter Ratgeber sein.

Außerdem will der Kultur- und Tourismusbetrieb in knapper Form eine Liste mit Sehenswertem, Ausflugszielen und anderem Wichtigen zusammenstellen. Hotels und Pensionen können sie auf ihren Zimmern auslegen. In zahlreichen Urlaubsgegenden werde das schon praktiziert und komme gut an.

Als eine weitere Schlussfolgerung aus dem Mysterycheck möchte der Kulturbetrieb zur Unterstützung der Unternehmen sie dreimal jährlich mit aktuellen Prospekten und Infoflyern versorgen. Denn der Berliner hat nämlich festgestellt, dass manche Hotels, Pensionen und Restaurants gut mit derartigem Material bestückt sind, andere hingegen wenig vorrätig haben. Er sei sich teilweise wie ein Bettler vorgekommen, wenn er nach einem Touristenführer oder anderem fragte, merkt der Tester in seinem Bericht an.

Unterwegs war er im Auftrag des KSTW ausschließlich bei gewerblichen Anbietern. Durch eine Verwechslung geriet der Großstädter dann doch an eine Privatvermieterin, die am Hafen Zimmer anbietet, machte den Check und stellte fest: "Alles gut."

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