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Leiche in Wittenberge : Toter hatte keine Angehörigen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bestattungskosten trägt zunächst die Stadt

von
erstellt am 16.Aug.2014 | 09:00 Uhr

Der 56-Jährige Mann, der am 26. Juli tot in seiner Wohnung aufgefunden worden war, hatte offenbar keine Verwandten. „Wir ermitteln in diesem Sachverhalt immer noch, konnten aber bisher keine bestattungspflichtigen Angehörigen, so heißt es im Amtsdeutsch korrekt, finden“, informierte Stefan Alff vom Wittenberger Ordnungsamt auf Nachfrage.

In derartigen Fällen sei es üblich, dass zunächst im Standesamt recherchiert werde und man anhand von Geburten- und Standesregistern versucht, Verwandte zu ermitteln. „Bleibt die Recherche ergebnislos, werden Standesämter der Städte angefragt, in denen der Betroffene früher gemeldet war“, so Alff. Laut Gesetz müssen Tote in Brandenburg innerhalb von zehn Tagen bestattet sein. Sind keine Angehörigen zu ermitteln, kommt die Kommune zunächst für die Bestattungskosten auf.

Eine weitere Frage in diesem tragischen Fall – der Mann hatte laut Polizei mehrere Wochen tot in seiner Wohnung gelegen – betrifft die Ämter, die ihn mutmaßlich betreuten, und seinen Tod nicht bemerkten. Ob der Mann, wie von Nachbarn vermutet, tatsächlich arbeitslos gewesen ist und beim Jobcenter registriert war, will die Behörde aus Datenschutzgründen weder bestätigen noch dementieren. Zur allgemeinen Problematik derartiger Fälle erklärt Thomas Puth, Leiter des hiesigen Jobcenters, dass seine Behörde vom Tod ihrer Klienten allenfalls durch andere Ämter erfahre und erst dann entsprechende Maßnahmen einleitet.

„Der Bewilligungszeitraum für Unterstützungsleistungen beträgt bis zu sechs Monate. Wenn ein Toter drei Monate in seiner Wohnung liegt, und sich diese Zeit nicht mit dem Auslaufen von Leistungen schneidet oder das Amt aus anderen Gründen versucht, ihn zu erreichen, bekommen wir nichts mit“, so Puth. Auch das Sozialamt des Kreises hätte nach eigener Auskunft nicht eingreifen können, da sich der Mann nicht in entsprechender Betreuung befunden habe, heißt es aus der Kreisverwaltung.


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