Totenfeld wird zum Mischwald

Die jungen Erlen, die den  zarten Eichen später Schutz bieten sollen,  sind gut angewachsen.Doris Ritzka
Die jungen Erlen, die den zarten Eichen später Schutz bieten sollen, sind gut angewachsen.Doris Ritzka

von
05. Oktober 2011, 08:52 Uhr

Perleberg | Knapp 90 Hektar Acker und weitere rund 30 Hektar Wald in zweiter Generation wie der Forstmann sagt, umfasst das sogenannte Perleberger Totenfeld. Der Namen für das Areal leitet sich wahrscheinlich aus dem 30-jährigen Krieg ab. Damals wurde die Stadt von einigen Pestwellen heimgesucht. Die Toten verscharrte man hier in Massengräbern, berichtet Stadtförster Stefan Koepp.

Im Zuge des Baus der neuen B 189, wo im Bereich zwischen Perleberg und Weisen etlicher Wald gefällt wurde, sah der damalige Planfeststellungsbeschluss als Ersatzmaßnahme die Aufforstung des Totenfeldes vor. Damals gehörte jenes noch der Treuhand, inzwischen ist ein Perleberger Landwirt Eigentümer.

Leichter Sandboden wurde zum Problem

Über zehn Jahre sind ins Land gezogen, bis Anfang des Jahres hier endlich die ersten "Bäumchen" gepflanzt wurden. "Laut Vorgabe durften als Ersatz nur heimisches Laubholz angesiedelt werden. Doch auf diesem Standort mit ausschließlich leichtem Sandboden wachsen maximal Roteiche und Robinie. Das sind aber ausländische Baumarten.Und so wurde dieses Vorhaben abgelehnt", berichtet Stefan Koepp. Letztlich ging aber der Vorschlag der Perleberger durch, zumindest auf der Hälfte der Fläche Kiefer, die mit diesem sandigen Boden am besten fertig wird, anzupflanzen. So werden auf jedem zweiten der vier Quartiere nun Kiefern stehen, auf den anderen Eichen. Da letztere als Jungpflanze aber sehr empfindlich hinsichtlich Spätfröste sind, sprich von oben einen Frostschutz benötigen, "arbeiten wir mit einem waldbaulichen Trick. Kurzum, wir pflanzen einen schnell wachsenden, Frost unempfindlichen Vorwald. Erlen haben diese Eigenschaft und gelten zudem als sogenannte Bodenverbesserer, da sie Stickstoff der Luft in Bodenstickstoff verwandeln. Nach fünf bis sechs Jahren haben sie die Größe, um als natürlicher Frostschutz für die Traubeneiche zu dienen.

Derweil sind die Erlen und Sträucher als Waldrandgestaltung sowie die Kiefern gepflanzt, ein Zaun schützt die zarten Bäumchen vor Verbiss durch Rehwild und Hase. Mit den Sitzkrücken für Greifvögel will man der Mäuseplage hier Herr werden. Ausgeführt wurden die Arbeiten durch die Oberförsterei Bad Wilsnack, die sich auch künftig um die Pflege des Bestandes kümmern wird. Eigentümer der 10,73 Hektar großen Fläche ist aber weiterhin der Landwirt, der durch diese Ersatzmaßnahme faktisch einen Wald bekommt.

Mit der ersten Kulturpflege bei den Erlen und Sträuchern ist man durch. "Und alles steht gut. Dabei hatten wir anfangs große Probleme. Während der Pflanzzeit gab es sechs Wochen keinen Niederschlag und Anfang Juni dann auch noch der Spätfrost. Wir hatten die Fläche schon fast aufgegeben. Aber fast zu 100 Prozent ist angewachsen. Das sagt uns, wir haben alles richtig gemacht. Eichen wären komplett kaputt gefroren", so Koepp.

Sofern die Eichen dann gepflanzt und zu stattlichen Bäumen, denen der Frost nicht mehr anhaben kann, herangewachsen sind, werden die Erlen als Energieholz genutzt. "Sie haben nur eine dienende Funktion."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen