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Wittenberge ohne Nazis : „Tolerante Stadt jeden Tag leben“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nachklang zum gemeinsamen Auftreten gegen Aufmarsch von Neonazis am 5. April in Wittenberge

von
erstellt am 08.Mai.2014 | 22:00 Uhr

Wer genau sollte eigentlich wem dafür danken, dass die Neonazis, die am 5. April auch durch Wittenberges Zentrum marschieren wollten, abgedrängt und entgegen ihrer Pläne schon frühzeitig zum Bahnhof zurückkehren mussten?

„Wir alle haben dazu beigetragen und müssten uns zum Dank gegenseitig die Hände schütteln“, stellte Wittenberges stellvertretende Bürgermeisterin Waltraud Neumann am Dienstagabend fest. Im kleinen Park hinter dem evangelischen Gemeindehaus war eine große Runde von Menschen zusammen gekommen, junge und ältere, Kirchenvertreter, Kommunalpolitiker, Verwaltungsmitarbeiter und einfach Leute, die sich auf die eine oder andere Art dafür einsetzten, dass die Neonazis mit ihrer lange im Voraus angekündigten Demonstration in Wittenberge nicht so zum Zuge kamen, wie sie es gewollt hätten.

Bei Stadtjugendpflegerin Marina Hebes waren die Organisationsfäden für ein tolerantes Wittenberge ohne Nazis zusammengelaufen. Ob Bürgerfest in der Bahnstraße, Lauf für Frieden und Toleranz oder Streetsoccerturnier vor dem Kulturhaus: Wittenberge war an diesem 5. April, als es galt, Rechtsextremen zu zeigen, dass sie nicht willkommen sind, nicht allein. Daran erinnerte die Stadtjugendpflegerin, dankte den hiesigen Akteuren bis hin zum Bündnis „Wittenberge nazifrei“ und den Engagierten aus den Nachbarorten. „Wittenberge hat eine sehr breite Unterstützung erhalten. Wir haben gespürt, wir sind nicht allen.“

Für Reinhard Worch, Wittenberges bekannten Pfarrer im Ruhestand, markiert dieser 5. April eine Art „inneren Stadtumbau“. „Wir haben gespürt, wozu wir fähig sind, was man gemeinsam schaffen kann“, so seine Erkenntnis. Und dieser Sonnabend mit seinen zahlreichen mutigen Aktionen gegen Rechtsradikale habe bewiesen: „Wir brauchen keine Angst zu haben, wenn wir uns gemeinsam den Rechten in den Weg stellen.“ Das sei eine so wichtige Erkenntnis, die sich Wittenberger und alle Auswärtigen Unterstützer für die Zukunft bewahren sollten.

Auch Dora Wrede ergriff an diesem Abend das Wort. Ihr, die sehr engagiert Aktionen gegen den Aufmarsch der Neonazis mitorganisierte, war es „ein Bedürfnis, all den jungen Menschen zu danken, die uns aus anderen Orten unterstützt haben“. „Ohne sie hätten wir Wittenberger es an dem Tag nicht geschafft.“ An dieser Tatsache würden auch einige wenige unliebsame Vorkommnisse nichts ändern.

Einig war sich die Runde an diesem Abend darin, was Marina Hebes sagte: „Wir wollen den Elan dieser Tage in den Alltag von Wittenberge mitnehmen. Wichtig ist, dass in der Stadt jeden Tag Toleranz gelebt wird, dass wir Menschen, die anders sind als wir, zeigen, dass sie bei uns willkommen sind.“ Schöner leben ohne Nazis, dieses Motto solle jeden Tag in Wittenberge gelten.

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