Auto fährt in Baugrube und tötet Archäologen : Tödlicher Unfall in Laaske

<strong>In dieser Grube</strong> arbeitete der Archäologe. Absperrungen, die die Fahrerin des roten Kleinwagens hätten warnen können, gab es offenbar nicht. <foto>LArs Reinhold</foto>
1 von 2
In dieser Grube arbeitete der Archäologe. Absperrungen, die die Fahrerin des roten Kleinwagens hätten warnen können, gab es offenbar nicht. LArs Reinhold

Eine Frau fuhr gestern Vormittag mit ihrem Auto in eine Baustellengrube in Laaske, worin ein Archäologe mit Vermessungsarbeiten beschäftigt war. Der 39-jährige Mann wurde eingequetscht und verstarb an der Unfallstelle.

svz.de von
16. Juli 2012, 08:33 Uhr

Laaske | Nur ein kleiner roter Fleck an der Grabenwand zeugt von dem Unglück, das sich gestern Vormittag in Laaske bei Putlitz ereignete. Ein Kleinwagen eines privaten Pflegedienstes war aus noch ungeklärter Ursache gegen 9.45 Uhr in eine Baugrube gefahren und hatte einen dort arbeitenden 39-Jährigen so schwer verletzt, dass dieser noch an der Unfallstelle verstarb.

Der Mitarbeiter eines Archäologiebüros aus Glienicke/Nordbahn (Landkreis Oberhavel) war gerade mit Untersuchungs- und Vermessungsarbeiten beschäftigt, als das Unglück geschah. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hatte die Pkw-Fahrerin in Laaske Hausbesuche gemacht und den Graben offenbar übersehen. Der Graben, der sich innerhalb einer langen Straßenbaustelle kurz vor dem Ortsausgang in Richtung Triglitz befindet und für Arbeiten an Versorgungsleitungen ausgehoben worden ist, sei möglicherweise mangelhaft gesichert gewesen, weder Baken noch Absperrband wiesen auf die Gefahr hin. Der Mann hatte keine Chance, als das Auto in den Graben fuhr und er zwischen Stoßstange und Grabenwand eingeklemmt wurde. Trotz schnell eintreffender Hilfe von Feuerwehr und Rettungsdienst konnte das Opfer nur noch tot geborgen werden. Die 39-jährige Fahrerin erlitt einen Schock.

Landesamt für Arbeitsschutz ermittelt

Nachbarn ahnten nichts vom Drama, das sich vor ihrer Haustür abgespielt hat. "Erst waren die Sirenen zu hören, dann kam die Feuerwehr, und plötzlich landete der Rettungshubschrauber in unserem Garten", sagt Ilona Wiese, die schräg gegenüber des Unglücksortes wohnt. "Wir sind geschockt, dass so etwas hier bei uns passiert ist."

Bereits kurze Zeit nach dem Unfall sicherten Beamte der Kriminaltechnik Spuren vor Ort, nahmen Messungen vor und skizzierten die Unfallstelle, um Aufschluss über die Ursachen zu gewinnen. Zu klären ist vor allem, ob die Durchfahrt durch die Baustelle für den Pflegedienst regelkonform war und ob die Grube nicht trotzdem hätte separat gesichert werden müssen. Diesbezüglich ermittelt auch das Landesamt für Arbeitsschutz. Ebenso wurde die Kreisstraßenmeisterei in die Aufklärung des Sachverhalts einbezogen, informierte die Polizei.

"In Laaske begleiten wir die Bauarbeiten, um Aufschlüsse über den historischen Ortskern zu bekommen", sagte Landesarchäologe Prof. Dr. Franz Schoppe auf "Prignitzer"-Nachfrage. Weiterhin seien vor Ort Reste von Grabfeldern aus der Bronzezeit zu erwarten. "Seit gut 20 Jahren sind wir baubegleitend in Brandenburg und der Prignitz aktiv, arbeiten diesbezüglich mit freien Archäologiebüros zusammen, aber ein derartiges Unglück hat es noch nicht gegeben. Ich bin tief betroffen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen