Obermeister-Wechsel : Tischler in dritter Generation

Tischlermeister Wolfgang Telschow rekonstruiert derzeit die Karosserie eines H6-Lkw.
Tischlermeister Wolfgang Telschow rekonstruiert derzeit die Karosserie eines H6-Lkw.

Nach über 20 Jahren als Obermeister hat Wolfgang Telschow das Amt abgegeben. In seiner Werkstatt rekonstruiert er nun DDR-Oldtimer

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02. Februar 2018, 20:45 Uhr

„Nach 24 Jahren war es an der Zeit, die Verantwortung in andere, jüngere Hände zu legen“, erklärt Wolfgang Telschow, der fast ein viertel Jahrhundert Obermeister der Tischler-Innung in der Prignitz war. Ende des vergangenen Jahres gab er diese Aufgabe ab, die er seit 1993 mit Herzblut ausfüllte. „Die Arbeit hat mir immer besonders Spaß gemacht und ich habe mich gerne für meine Innung eingesetzt“, erklärt der 70-jährige Lenzener. Er entstammt einer wahren Tischlerfamilie.

„Bereits mein Großvater führte eine Tischlerwerkstatt von 1922 bis 1959 in Wittenberge. Mein Vater eröffnete seine Werkstatt 1951 in Lenzen“, erinnert sich Telschow. Er selber begann seine Ausbildung 1962 in einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks, einem Zusammenschluss dreier Werkstätten. Schon früh war es auch sein Wunsch, sich selbstständig zu machen, aber dies sei in der DDR nicht so einfach gewesen. Nach der Wende dann der Schritt zur eigenen Firma. „Ich begann am 1. September 1990 in Lenzen“, weiß Wolfgang Telschow noch ganz genau. In Spitzenzeiten, Mitte der 90er Jahre beschäftigte sein Unternehmen rund 17 Mitarbeiter im Büro und in der Werkstatt. Auch schon damals gab es anfängliche Probleme, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern, obwohl Wolfgang Telschow fast jährlich einen Auszubildenden hatte: „In 18 Jahren Selbstständigkeit habe ich 15 Lehrlinge erfolgreich ausgebildet.“ Trotzdem sei es schwer gewesen, in den folgenden Jahren genügend Nachwuchs zu finden. Ein Problem, das bis heute anhält. „Das Handwerk erscheint den jungen Leuten nicht mehr attraktiv genug“, sagt Telschow.

Dabei lag der Nachwuchs Wolfgang Telschow immer am Herzen. Auch im Vorstand des Landesinnungsverbandes war er zwölf Jahre aktiv und setzte sich dort dafür ein, dass es zum Beispiel eine einheitliche Ausbildung gibt. Vor zehn Jahren musste er den Betrieb aus gesundheitlichen Gründen schließen. „Auch damals“ sagt er, „gab es keinen, der für die Nachfolge in Frage kam.“ Auch seine beiden Kinder nicht, die jeweils anderweitige berufliche Interessen haben und heute in Hamburg beziehungsweise Berlin leben.

Mittlerweile geht es ihm gesundheitlich wieder besser und er arbeitet auch wieder in seiner Werkstatt – als Selbstständiger, ohne Mitarbeiter und weniger als früher. „Damals waren es täglich schon um die fünfzehn Stunden. Heute sind es noch fünf bis sechs pro Tag“, erklärt der Tischlermeister. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. „Ich kann einfach noch nicht aufhören und rekonstruiere alte Oldtimer. Die Wagen, deren Karosserien noch aus Holz bestehen“, erzählt Wolfgang Telschow. Derzeit arbeitet er unter anderem an einem IFA H6 Lkw, einem zu DDR-Zeiten gebauten Lastkraftwagen. „Oldtimer sind meine Leidenschaft. Aber nur sie zu rekonstruieren, fürs Fahren fehlt mir leider die Zeit.“

Vor zehn Jahren hat Wolfgang Telschow in Lenzen sogar einen Oldtimer-Club mitgegründet. Die „Norddeutschen H6 Freunde“. Außerdem ist er im Verein der Perleberger Oldtimerfreunde. Beide Vereine helfen ihm dabei Kunden zu gewinnen. „Das geht alles über Mund-zu-Mund-Propaganda“, beschreibt er. Auch über Brandenburgs Grenzen hinweg ist er bekannt. „Er wird liebevoll ’Der Tischler dahinten im Nordosten genannt’“, erzählt seine Frau Irene Telschow. „Die Fahrzeuge kommen teils zusammengebaut, teils schon auseinander genommen zu mir und ich fange dann an, die alte morsche Karosserie auseinander zu nehmen und die neue zu bauen“, beschreibt Telschow seine Arbeitsschritte. Dafür wird hauptsächlich Buchenholz verwendet. Jede Fahrzeugkarosserie ist eine Einzelanfertigung und deshalb dauert es auch des öfteren mehrere Jahre bis ein Auto wieder seine Werkstatt verlässt.

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