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Nagetier wird in Perleberg häuslich : Tisch für Biber ist reich gedeckt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Vierbeiner bevorzugt aber Rotbuchen. Der 2016 erarbeitete Bibermanagerplan ist ein Papiertiger.

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erstellt am 25.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Der Biber, der „Landschaftsgestalter der besonderen Art“, nennt Stadtförster Stefan Koepp diesen eigenwilligen Vierbeiner. Vor allem an der Jeetze und Rose habe er sich häuslich niedergelassen und ist immer weiter am Bauen bzw. Fällen. Ersteres habe sogar auch was Gutes, entgegnet Stefan Koepp. Denn durch den Anstau der beiden Bäche im Frühjahr fließe das Oberflächenwasser nicht so schnell ab, ist für den Wald länger verfügbar. Denn Jeetze und auch Rose haben ein starkes Gefälle, so dass für den Wald nicht viel übrig bliebe.

Die andere Seite der Medaille: Es gebe wohl keine Stelle entlang der beiden Bäche mehr, wo Meister Bockert nicht seine Spuren hinterlassen hat. „Durch die starke Population der letzten Jahre haben eben auch die Waldbäume massiv Schaden genommen“, fügt der Stadtförster an. Vor allem die alten Rotbuchen scheinen ganz nach dem Geschmack des Bibers zu sein. Und Stefan Koepp widerspricht Naturschützern, die argumentieren, dass der Biber nur diese Baumart bevorzugt, wenn nichts anderes im Angebot ist. „Sein Tisch an Weichholz ist hier reich gedeckt, doch er macht sich über die Buchenrinde her.“ Und wenn ein Baum rundherum abgeschält ist, bedeutet das sein Todesurteil. Er wird trocken und es ist nur noch eine Frage der zeit, wo er umkippt.

Aus Sicht des Naturschutzes hier einen Konsens zu finden sei schwer. Auf der einen Seite Artenschutz, auf der anderen der Lebensraumtyp alte Buchenwälder.

Vor zwei Jahren habe man im Stadtwald Bäume mit Wildverbissmitteln zu schützen versucht. Das Ergebnis: Hoher Arbeitsaufwand, denn die Bäume müssen zuvor komplett gesäubert werden, mit mäßigem Erfolg.

Die Biosphäre sei derzeit dabei, einen Pflege- und Entwicklungsplan aufzustellen. „Darin vermisse ich aber den Ansatz, um diesen Naturschutzkonflikt zu entschärfen“, betont der Stadtförster. Auch der 2016 erarbeitete Bibermanagerplan sei ein Papiertiger. „Alles hört sich gut an, doch das meiste greift nicht in Naturschutz- und FFH-Gebieten. Keine Entschärfung hier, keine Gegenmaßnahmen, in die Population darf nicht eingegriffen werden.“ Die Waldbesitzer werden hier allein gelassen. Einzig Wasser- und Bodenverbände können Fördermittel beantragen, um Meister Bockert das Handwerk zu legen. Zum einen sei aber der bürokratische Aufwand sehr hoch, zum anderen sind die Biber überaus schlaue und erfinderische Tiere. Einzig, wenn im Sommer die Rose trocken ist, dann ist auch der Biber hier nicht anzutreffen. „Die Buchen aber bleiben beschädigt und im nächsten Frühjahr ist der Biber wieder da und macht weiter“, so Stefan Koepp.  

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