Tippelnd die Welt erobern: Geselle Eric startet zu seiner Wanderschaft

Kein Blick zurück: Drei Jahre und einen Tag wird Eric Wysocki (M.) seinen Heimatort Cumlosen nicht wieder sehen. Gestern begann für den Zimmerergesellen  die Wanderschaft.
Kein Blick zurück: Drei Jahre und einen Tag wird Eric Wysocki (M.) seinen Heimatort Cumlosen nicht wieder sehen. Gestern begann für den Zimmerergesellen die Wanderschaft.

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07. November 2010, 06:17 Uhr

Cumlosen | Eine letzte Umarmung, dann dreht er sich um und geht, Cumlosens Ortsschild im Rücken, dahinter Familie und Freunde die gestern zum Abschied kamen. Einen Blick zurück wirft Eric Wysocki nicht. Dies ist nicht gestattet, so schreiben es die Regeln der Wanderschaft vor.

Im Sommer entschied sich der 22-Jährige Zimmerergeselle für diese Tradition. Tippelbrüder holen ihn ab, begleiten Eric auf den ersten Kilometern. Bis zum Ortsschild auch der Altgeselle Ronny Wittig. Die mit Freunden geleerte Flasche Schnaps vergräbt Eric hier. Mindestens drei Jahre und einen Tag darf er nicht zurückkehren. Der Bannkreis beträgt 50 Kilometer. Ein Handy ist verboten. "Aber er darf telefonieren, Mails schreiben, seine Familie und Freunde außerhalb des Bannkreises treffen", erklärt der Altgeselle einige der Regeln.

Er selbst war 1999 bis 2003 vier Jahre auf Wanderschaft. Die Tippelei führte über Schweden bis nach Grönland und Amerika. "Arbeit gabs überall und gewonnen habe ich an Lebenserfahrung", so Ronny Wittig. Mit ihm kam aus Magdeburg Altmeister Richard Meyer. Er wanderte von 1950 bis 1953. Nachts schlich er sich über die Grenze, blieb die meiste Zeit über in der BRD. Abenteuerliche Jahren seien das damals gewesen, aber der berufliche Erfahrungsschatz sei durch nichts aufzuwiegen. Zwischenzeitlich war die Tippelei fast eingeschlafen, nehme aber wieder zu, so Wittig. Ein Grund aus seiner Sicht sei das Verhalten der Betriebe: "Nach der Ausbildung geben sie den Gesellen keine Arbeit." Die dreijährige Wanderschaft sei eine reizvolle Alternative.

Richtung Wittenberge führen Eric die ersten Kilometer. Niemand weiß, welche Länder auf ihn warten und richtig hart seien nur die ersten Monate. "Wer sechs Monate durchhält, macht weiter", so Wittig.

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