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Der Prignitzer

24. November 2017 | 12:32 Uhr

Tierärzte lassen Bauern im Stich

vom

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2012 | 06:18 Uhr

Laaslich | Familie Buls in Laaslich ist erleichtert. Eine Woche nach der Geburt geht es dem Kälbchen und der Mutterkuh gut. Viel hätte nicht gefehlt und beide Tiere wären gestorben, weil sich lange Zeit kein Tierarzt fand, der helfen wollte.

"Für die Kuh war es die erste Geburt und die war kompliziert, das Kalb steckte fest", erzählen Manuela und ihr Schwiegervater Siegfried Buls. Die Familie griff zum Telefon, rief ihren eigenen Tierarzt an. "Der war aber zu einer Weiterbildung", sagt Manuela. Damit begann für die Familie das Bangen.

Die Vertretung ihres Tierarztes sei ebenfalls nicht erreichbar gewesen. Sie griffen erneut zum Hörer, riefen den nächsten Arzt an. Der war erreichbar, Hoffnung keimte auf. "Doch er sagte ab, wollte nicht kommen", so Familie Buls. Kuh und Kalb ging es derweil immer schlechter. Buls wollten schon aufgeben, als weitere Tierärzte Hilfe ablehnten. "Die Fahrstrecke war ihnen zu lang, wir seien nicht ihre Kunden, das rechne sich einfach nicht", geben sie die Antworten der Veterinäre wieder.

Erst nach rund einer Stunde hatten sie Glück. Tierarzt Mauke aus Lenzen versprach Hilfe, setzte sich ins Auto und fuhr nach Laaslich. "Für die Tiere war es Rettung in letzter Minute, wir sind so dankbar", sagt Siegfried Buls. Das ablehnende Verhalten der Tierärzte hätte nicht nur das Leben von Kuh und Kalb gefährdet, sondern auch finanziell einen herben Verlust bedeutet. "Wir betreiben Landwirtschaft nur im Nebenerwerb, haben nicht so viele Tiere", erklären Buls. Zwar können sie verstehen, dass der eigene Tierarzt oder seine Vertretung erste Ansprechpartner sind, aber dass gleich so viele abgesagt hätten, verwundere sie dann doch. "Wir hätten die Rechnung doch bezahlt."

Rein rechtlich sei den Tierärzten kein Vorwurf zu machen. Wie die stellvertretende Amtstierärztin Sabine Kloß informiert, seien Veterinäre grundsätzlich nicht verpflichtet, einen Notruf entgegenzunehmen: "In der für Brandenburg geltenden Tierarztverordnung gibt es dazu keine gesetzliche Regelung. Im Notfall ist der Hoftierarzt zuständig. Wenn dieser nicht erreichbar ist, sollte dessen Stellvertreter einspringen."

Dass Siegfried Buls eine Stunde lang vergeblich versucht hatte, einen Tierarzt zu erreichen, lag laut Sabine Kloß vor allem daran, dass etliche Veterinäre an diesem Tag die Fortbildung besuchten, unter anderem eben auch der für Buls’ Hof zuständige Mediziner. "Das war ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände an diesem Tag. So etwas darf normalerweise nicht vorkommen."

Sabine Kloß wies ebenso darauf hin, dass Siegfried Buls als zweite Alternative den Amtstierarzt, in diesem Fall sie selbst, hätte anrufen können. "Ich hätte ihm mehrere Tierärztinnen nennen können, die sofort zu ihm gefahren wären", ist sie sich sicher.

Verstehen könne Sabine Kloß aber auch Veterinäre, die nicht hinausfahren wollten: "Siegfried Buls rief ja auch meinen Mann, Dr. Christian Kloß in Pritzwalk, an. Für ihn hätte sich die Fahrt von 70 Kilometern finanziell einfach nicht rentiert." Geweigert hätte der Tierarzt sich jedoch nicht, wie Sabine Kloß klarstellt: "Er wäre notfalls gefahren, hätte Siegfried Buls niemanden aus der näheren Umgebung mehr erreicht."

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