Tenor trifft auf Charlie Chaplin

Tenor Fabio Andreotti liebt das Meer und seit gestern auch die Elbpromenade in Wittenberge.
Tenor Fabio Andreotti liebt das Meer und seit gestern auch die Elbpromenade in Wittenberge.

Fabio Andreotti über seinen Auftritt, russische Emotionen bei Konzerten, den syrischen Bürgerkrieg und über das weltbeste Eis

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11. Juli 2014, 15:38 Uhr

Wenn Tenor Fabio Andreotti auf der Elblandbühne das berühmte „Nessun Dorma“ aus der Oper Turandot singt, wird es erst sein zweiter Auftritt in Deutschland sein. Redakteur Hanno Taufenbach sprach mit dem italienischen Weltstar über seine Musik, über den Bürgerkrieg in Syrien und über das leckerste Eis der Welt.

Herr Andreotti, Ihre Deutschlandpremiere gaben Sie im vergangenen Jahr auf dem Gendarmenmarkt in Berlin. Jetzt erleben wir Sie hier in Wittenberge. Warum haben Sie sich für diese Festspiele entschieden?

Fabio Andreotti: In Berlin traf ich Michael Hansen, den Präsidenten der Festspiele. Er sprach mich an und auch der künstlerische Leiter Dr. Jürgen Hagen lud mich nach Wittenberge ein. Das Konzept mit den Filmmusiken interessierte mich, vor allem Chaplin. Ich werde „This is my Song“ aus seinem Film „Die Gräfin von Hongkong“ singen.

Filmmusik, gespielt von einem der weltbesten Orchester, den Babelsberger Filmmusikern. Wie war Ihr erster Eindruck nach der Probe in Potsdam?

Es ist wirklich ein fantastisches Orchester und sehr geduldig. Das hat man vor allem daran gemerkt, dass viele Stücke aus ganz unterschiedlichen Genres zusammen gespielt werden, was nicht einfach ist.

Berlin, Wittenberge und jetzt? Planen Sie weitere Auftritte in Deutschland?

Mir gefällt es hier sehr gut, ich möchte gerne weiter in Ihrem Land arbeiten, aber noch gibt es kein konkretes Projekt.

Ihre Auftritte führten Sie schon mehrfach nach Mazedonien, Albanien oder Russland. Haben Sie eine Affinität für Osteuropa?

Musik ist eine Sprache die jeder versteht, eine Mysterium, eine Möglichkeit der Kommunikation. Das Publikum harmoniert mit den Künstlern, das kann man einfach nicht erklären. Ich habe mich in diesen Ländern immer wohl gefühlt.

Das Moskauer Klassik-Publikum gilt als besonders kritisch, aber auch als besonders emotional. Wie haben Sie es erlebt?

Das Publikum in dieser Metropole unterteilt sich in reich und arm, aber sie alle lieben Kunst und sie sind richtig wild auf italienische Musik. Zu Beginn singe ich immer sehr streng klassisch, oft etwas Unbekanntes. Im zweiten Teil kommt das, was die Leute hören wollen. Die Moskauer waren anfangs dann auch reserviert, aber dann leidenschaftlich. Sie bringen Geschenke und wirklich große Bouquets mit.

Sie haben neben Musik auch Politikwissenschaften studiert. Fast zeitgleich mit ihrem Auftritt in Damaskus 2011 begannen die Aufstände in Syrien. Verfolgen Sie dasGeschehen dort?

Das ist ein komplexes Thema und die Auseinandersetzungen verschieben das Gleichgewicht im ganzen Nahen Osten. Im Hintergrund spielen gewiss auch Einfluss und Interessen großer Staaten eine Rolle. Als ich dort war, habe ich mit normalen Leuten gesprochen. Sie hatten wahnsinnige Angst vor bewaffneten Banden und den einzelnen Gruppen. Unter Assad haben sie sich sicherer gefühlt, erzählten sie mir.

Zurück zur Musik. Der 2007 verstorbene Luciano Pavarotti gilt als Ihr Entdecker und Förderer. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren Landsmann?

Ich habe zusammen mit Pavarottis Pianisten studiert und in Modena wahnsinnig schöne Momente mit ihm erleben dürfen. Er sagte mir, dass ich eine schöne Stimme habe und weiter machen solle. Er war immer freundlich und ansprechbar.

Ich habe seine wahnsinnig tolle Stimme und gute Technik bewundert. Pavarotti hat mit einer klaren, sehr reinen Stimme gesungen.

„Aida“, „La Traviata“, „West Side Story“ „Porgy and Bess“ - Sie haben schon so viele große Rollen gesunken, von welcher träumen Sie noch?

Von der Rolle des Andrea Chénier in der gleichnamigen italienischen Oper, deren Handlung in der französischen Revolution spielt. In fast allen Opern wird die Hauptrolle von einer Frau gespielt, aber in dieser von einem Mann.

Und von welcher Spielstätte träumen Sie?

Da gibt es viele. Ich würde gerne in einem Berliner Opernhaus singen und in der Metropolitan in New York. Viel interessanter finde ich aber Orte, wo andere nicht hingehen. Ich war beispielsweise schon in Indonesien und möchte auch in den arabischen Ländern auftreten.

Dass ein klassischer Tenor im Duett einen Pop- oder Rocksong singt, ist heutzutage fast schon ein Muss. Wiedenken Sie darüber?

Schade, dass meistens nur berühmte Stücke gesungen werden. Für mich ist es reizvoller, wenn zwei verschiedene Kulturen aufeinander treffen, zum Beispiel eine europäische Oper auf historische, arabische Musik.

Und privat hören Sie?

Frank Sinatra, französische und italienische Songwriter und dank meiner Tochter auch Rock und Pop.

Das Eis Ihres Heimatlandes gilt als das beste der Welt. Können Sie das bestätigen?

Ich esse es nur selten, aber ich denke, dass es seinem Ruf würdig ist.

Herr Andreotti, wenn ich Ihnen zwei Wochen Urlaub schenken wollte, wo würden Sie ihn am liebsten verbringen?

In Italien am Meer und zwar dort, wo nicht so viel los ist.

Danke für das Gesprächund viel Spaß auf der Elblandbühne..

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