zur Navigation springen
Der Prignitzer

11. Dezember 2017 | 20:08 Uhr

Weisen : Tempo 30, aber nicht vor der Kita

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Merkwürdige Verkehrsregeln in der Weisener Dorfstraße. Die Verkehrsbehörde verweist auf ein Änderungsverfahren.

von
erstellt am 25.Sep.2014 | 22:00 Uhr

Die Verkehrsregelung in der Weisener Dorfstraße verdient zumindest das Prädikat „merkwürdig“. Grundsätzlich gilt hier Tempo 50. Auf Höhe der Bushaltestelle ist die Geschwindigkeit für alle Fahrzeuge auf 30 Stundenkilometer abgesenkt. So weit, so sinnvoll. Fährt man weiter in Richtung Breese, dürfen Pkw kurz hinter der Haltestelle wieder auf Tempo 50 beschleunigen, für Lkw gilt weiterhin Tempo 30. Auch das ist angesichts der scharfen Rechtskurve, die zum Ortsausgang führt, plausibel. Nicht nachvollziehbar ist hingegen die Pkw-Regelung, führt die Straße dort doch direkt an der Kindertagesstätte „Haus der lieben Zwerge“ vorbei.

„Diese Regelung ist absolut nicht nachvollziehbar“, kritisiert Weisens Bürgermeister David Leu. „Wenn 50 erlaubt sind, fahren die Leute erfahrungsgemäß 60. Und das ist nach unserer Auffassung vor eine Kita zu schnell, zumal hier auf der Straße ja früh morgens auch Kinder aus den Autos ihrer Eltern aussteigen oder zum Auto laufen, wenn sie am Nachmittag abgeholt werden.“ Zudem fehlten Hinweisschilder mit dem Verkehrszeichen „Kinder“. „Die beiden Schilder, die dort stehen, hat die Kita selbst besorgt und auf ihrem Gelände aufgestellt. Autofahrer sehen die viel zu spät“, so Leu.

Auch Kita-Leiterin Jutta Thiede kritisiert das 50er-Limit. „Wir haben bisher Glück gehabt, dass noch nichts passiert ist.“ Durch die Sperrung der L 11 in Wittenberge sei der Lkw-Verkehr durch Weisen viel stärker geworden.

Um die Autofahrer zu sensibilisieren, prangt seit neuestem ein großes gelbes Transparent mit der Aufschrift „Tempo runter, bitte! Kinder“ am Zaun der Kita, dass Anwohner Hans-Joachim Gührs über die Deutsche Verkehrswacht organisiert hat. „Die Raserei in der Straße betrifft ja nicht nur den Kindergarten, sondern auch die Anwohner, gerade wenn man rückwärts aus dem Hoftor fährt und jemand mit 60 Sachen oder mehr um die Ecke kommt.“ Abhilfe sei dringend notwendig, so Gührs.

Eine Lösung scheint indes in Sicht: Anfang August fand im Rahmen der Signalschau eine Ortsbesichtigung mit der Polizei, der Kreisstraßenmeisterei, Vertretern der Gemeinde, der Kita und Anwohnern statt. Die Beschilderung und die örtlichen Verhältnisse wurden in Augenschein, diese sowie die und Einwendungen zur Kenntnis genommen und unter der Prämisse des Machbaren gründlich abgewogen.

Was das konkret bedeutet, blieb offen. Aus der kreislichen Verkehrsbehörde hieß es, eine verkehrsrechtliche Anordnung zur Realisierung der vorgesehenen Veränderungen wurde erlassen. „Wir befinden uns in der angesprochenen Angelegenheit derzeit noch in einem laufenden Verwaltungsverfahren, so dass zu bestimmten Gesichtspunkten keine Auskünfte erteilt werden können“, so Jürgen Nüsse, Leiter der Verkehrsbehörde.

Kommentar:

Ein Rechenbeispiel pro Tempo 30

von Lars Reinhold

Tempo 30 vor einer Kita ist obligatorisch. Ein Rechenbeispiel, dass fast jeder aus der Fahrschule kennt, macht klar warum: Angenommen, ein Auto fährt mit 30 Stundenkilometern an der Kita vorbei, ein Kind rennt auf die Straße und der Autofahrer kann gerade noch bremsen, ohne das Kind zu erfassen. Die Frage „Mit welchem Tempo hätte das Auto das Kind erfasst, wäre der Fahrer  50 anstatt 30 km/h gefahren?“ beantworten viele spontan mit „20 Stundenkilometer“. Damit unterschätzen sie die Verlängerung des Reaktionsweges bei steigender Geschwindigkeit – Stichwort Schrecksekunde – völlig, denn der Autofahrer hätte das Kind tatsächlich mit 50 km/h überfahren und mutmaßlich schwer verletzt, wenn nicht gar getötet.
Vielerorts gilt vor Kitas und Schulen Tempo 30,  und auch in Weisen sollte der Kreis handeln, denn dass bisher nichts passierte, ist einfach glücklicher Zufall.


 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen