Selbstfindung : Teil des Prignitzer Goa-Highways

Im Zentrum des Tipi Town: Jens Zygar und Matthias Paulsen (v.l.) sind stolz auf ihre Festivalinterpretation.
Im Zentrum des Tipi Town: Jens Zygar und Matthias Paulsen (v.l.) sind stolz auf ihre Festivalinterpretation.

New Healing Festival setzt sieben Tage lang auf Workshops, Vorträge und auch Livemusik - Nach der „Week“ folgt die Party

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21. August 2015, 12:00 Uhr

Kaum sind die Klänge der Vuuv in der Nähe von Putlitz verklungen, schon wirft das nächste Festival in der Region seinen Schatten voraus. Direkt am Preddöhler Stausee, unweit der A24 zwischen Meyenburg und Pritzwalk, ist innerhalb weniger Tage ein kleines Zeltdorf gewachsen. Doch wollen die Initiatoren ihr „New Healing Festival“ nicht als reine Partyveranstaltung verstanden wissen.

„Hier bildet sich etwas Neues, Genreübergreifendes, für das es noch keine Bezeichnung gibt. Wir bieten die ganze Woche über Workshops mit Profis aus der ganzen Welt an und am Wochenende gibt es dann Party“, so Jens Zygar. Er selbst ist für das sogenannte „Tipi Town“ zuständig, ein aus Zelten bestehendes kleines Dorf, das innerhalb der Woche – zwischen 6 Uhr am Morgen und spät in der Nacht – Zentrum und Lehrstätte für spirituelle Techniken, Yoga, Trommelkreis oder Meditation ist.

Doch anders als in Putlitz entdeckt man zwischen den Besuchern, die in Zelten miteinander sprechen oder ihr Essen zubereiten, viele Kinder. „Die Leute hier suchen die Freude. Aber wir sind erklärtermaßen drogenfrei und ein richtiges Familienfest“, so Zygar.

Begonnen hat alles vor etwa zwölf Jahren. Da entdeckte ein Berliner Kung-Fu-Lehrer das Areal und nutzte es für die Übungen mit seinen Schülern. Musik war damals schon dabei und über die Jahre erwuchs daraus ein eigenes Festival. Jährlich trafen sich hier die Naturfreude zum „Spritual Healing Festival“, bis es im Jahr 2013 zu einer Pause kam.

Seit vergangenem Jahr sind nun neue Organisatoren am Ruder. „Wir haben das ursprüngliche Festival weiterentwickelt, sind deutlich professioneller geworden und wollten die Flamme einfach am Leben erhalten“, erklärt Matthias Paulsen, selbst zuständig für das Musikprogramm. Etwa 45 Musiker werden am Wochenende auf der Hauptbühne auftreten. „Wir alle hören gerne laute Musik, gefasst unter dem Oberbegriff Psytrance“, so Paulsen – also ähnlich wie bereits auf der Vuuv.

Dass gerade hier in der Prignitz sich diese Festivals häufen, ist für die Organisatoren eine glückliche Fügung. „Diese Verdichtung ist weltweit einzigartig und macht uns auch etwas stolz. Die Healing steht da in der Tradition und ist Teil des Goa-Highways“, erzählt Zygar. Jedoch mit einer individuellen Ausprägung.

„Wir versuchen innovative Konzepte und Gedanken zu vermitteln, damit die Menschen ein besseres Leben führen können. So haben wir zum Beispiel Kakaorituale, das ist im Gegensatz zu Kaffee und Tee ein unterschätztes Getränk und dessen Wirkung kann man hier kennenlernen“, so Zygar.

Worte, die Demian aus Berlin nur bestätigen kann. Er selbst ist erst vor kurzem angereist und will eine Woche auf dem Gelände bleiben: „Die Kakaobohne euphorisiert, zudem ist die Musik hier sehr vielfältig.“ Mo, der neben ihm sitzt, kommt aus Hamburg, St. Pauli. „Das hier ist eine Entschleunigung und man kann einfach abschalten. Auf St. Pauli rennt man aneinander vorbei, hier kommt man ins Gespräch und es herrscht ein viel bewussterer Umgang.“

Für Paulsen und Zygar ist das der Grund, hier aktiv zu werden. „Wir sind hier zwei Wochen eingebunden und es sind zwei Wochen Urlaub mit etwas Arbeit“, so Paulsen. Eine Herausforderung sei vor allem die Infrastruktur. „Wir haben auf dem Gelände hier gar nichts, müssen Sicherheit, Wasser, Strom und die Hygiene gewährleisten“, so Zygar.

Und auch mit der Region und dem Gelände setzen sich die Festivalbesucher auseinander. „Wir hatten heute z.B. einen Vortrag über das Areal und dessen Geschichte. Das geht Tausende Jahre zurück und hier wurde praktisch immer gekämpft. Heute wollen wir an diesem Ort feiern und Kulturbefriedung betreiben“, erklärt Zygar. Alles stehe unter einer kollektiv, psychologischen Idee. Vegetarisch-vegane Ernährung, Rohkost, der Umgang von Mensch und Tier, das richtige Gehen: Insgesamt 214 Vorträge sollen bis Sonntag gehalten werden. Hinzu kommen die Auftritte der internationalen Musiker. „Wir rechnen damit, dass innerhalb der ,Healing week‘ etwa 900 Besucher das Areal am See besuchen und am Wochenende noch einmal bis zu 1500 Menschen“, so Zygar. Und das mitten in der Prignitz, auf dem Goa-Highway.

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