Technisches Denkmal geht in Rente

<strong>Noch dreht sich</strong> die Turbine am 'Deutschen Kaiser', doch auch ihre Zeit ist gezählt. In Planung ist, den Durchlass zu verschließen. <fotos>Doris Ritzka</fotos>
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Noch dreht sich die Turbine am "Deutschen Kaiser", doch auch ihre Zeit ist gezählt. In Planung ist, den Durchlass zu verschließen. Doris Ritzka

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15. Januar 2013, 09:57 Uhr

Perleberg | Ein Knopfdruck und der Generator ist abgestellt. Bis gestern erzeugte die Francis-Turbine in der alten Stadtmühle aus Wasserkraft Strom. Schätzungsweise 30 bis 40 Haushalte konnten im Jahr so mit Energie versorgt werden, überschlägt Petra Ritter. 1997 erwarben sie und ihr Mann dieses technische Denkmal. Es sollte eine Art Zubrot zur Rente werden, fügt Dr. Joachim Ritter an. Doch nur mit großem Aufwand ließ sich das kleine Wasserkraftwerk am Laufen halten - Aufwand und Ergebnis, sprich alternative Energie zu erzeugen - standen in keinem Verhältnis. Ein modernes Windrad bringe heute dieselbe Leistung wie alle Wasserkraftanlagen im Land Brandenburg, weiß Frank Schröder, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Prignitz. Dafür bescherte die Turbine am "Deutschen Kaiser" aber eine Reihe von Problemen. Trotz Fischaufstiegs verletzten sich oder starben immer wieder vor allem auch junge Meeresforellen und Lachse auf ihrem Weg zum Meer, ergänzt Steffen Zahn vom Institut für Binnenfischerei Potsdam.

Mit Unterstützung der Partner - Landesanglerverband, Wasser- und Bodenverbände "Prignitz" und "Dosse-Jäglitz" , Institut für Binnenfischerei - konnte jetzt die eigens vom Land Brandenburg übernommen Anlage stillgelegt werden. Ein einmaliger Vorgang bisher, wie Ulrich Thiel vom Landesanglerverband Brandenburg betonte. Damit erkenne die Landesregierung an, dass die Wasserkraft nicht ganz unproblematisch an solchen Gewässern wie der Stepenitz, die Lebensraum für seltene bzw. extrem gefährdete Arten biete, ist. Ein Gefahrenpotenzial jetzt weniger, bringt es Steffen Zahn auf den Punkt.

Und auch für den Hochwasserschutz im Stadtgebiet habe das Abschalten der Turbine Bedeutung, da die Stepenitz sehr stark schwanke zwischen Niedrig- und Hochwasser, wie Lysann Jacob vom Landesumweltamt anfügte. Konkret erwarte man eine weitere Optimierung des sogenannten Wassermanagement. Bisher musste ein Großteil des Gesamtabflusses der Stepenitz für die Energiegewinnung zur Verfügung gestellt werden. Nun sei die Möglichkeit gegeben, die Wasserverteilung im Stadtgebiet neu zu regeln. Und da verspreche man sich positive Auswirkungen hinsichtlich des Abflussverhalten, insbesondere im Hauptarm der Stepenitz. Geringe Abflüsse haben zumeist in den Sommermonaten die Wasserqualität beeinträchtigt und zu einem öffentlichen Ärgernis geführt.

Fühlen sich Lachs und Meeresforelle in der Stepenitz wohl, heiße das, dass es dem Gewässersystem gut gehe, die Stepenitz sich weiter hin zu einem gesunden Fließgewässer entwickle, so Bernd Lindow, Leiter der unteren Wasserbehörde, mit Blick auf Naturschutz und Ökologie.

Ob Biosphärenreservat, Landesumweltamt, Anglerverband, Wasser- und Bodenverband - überall stößt das Abschalten des kleinen Wasserkraftwerkes auf große Zustimmung. Gemeinsam haben sie agiert, als sich die Möglichkeit bot, betonte Dr. Ralf Köhler, Fachreferent für Wasserkraft beim Landesumweltamt, ausdrücklich. Und er unterstrich, dass, die Stepenitz als barrierefreies Fließgewässer ein weiteres Stück voran zu bringen, vor allem auch unter dem touristischen Aspekt eine große Rolle spiele. Eine Vision könnte sein, so Monika Wulff von der unteren Fischereibehörde, bauliche Voraussetzungen hier zu schaffen, dass auch Wassertouristen diesen Abschnitt irgendwann vielleicht passieren können.

Was passiert nun aber mit dem stillgelegten technischen Denkmal. Es soll als solches erhalten werden, darin ist man sich einig. Lysann Jacob: Vorstellbar sei, das Gebäude dem Anglerverband als Vereinsraum zur Verfügung zu stellen. An einem entsprechenden Konzept über die Zukunft der Anlage werde noch gearbeitet. Fest stehe aber, der Generator ist aus, und daran werde sich nichts mehr ändern. Einzig die Turbine dreht sich noch. Als nächstes soll nun auch der Durchlass verschlossen werden, der Zulauf dann nur noch über den Fischaufstieg erfolgen. Das sei bereits in Planung, ergänzte Bernd Lindow.

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