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Wittenberge : TCW-Unternehmen meldet Insolvenz an

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mitarbeitern warten noch auf das Gehalt von drei Monaten

von
erstellt am 01.Jul.2017 | 04:50 Uhr

Die Trimodale Chemiebetriebe Wittenberge GmbH (TCW) hat Insolvenz beantragt. Die Gesellschafter hätten den Antrag auf Eröffnung des Verfahrens am 20. Juni gestellt, informierte das Amtsgericht Neuruppin auf „Prignitzer“-Anfrage.

Das Unternehmen mit Sitz auf der Hafenspitze im Industriegebiet Süd hat damit augenscheinlich nach nur wenigen Monaten seine Tätigkeit wieder eingestellt. Nach Recherchen des „Prignitzers“ soll die Gesellschaft versucht haben, eine Produktion in der ehemaligen Biodieselfirma anzukurbeln. Hergestellt werden sollten „Vorprodukte sowie chemische und oleochemische Produkte“.

„Wir haben so viel versucht, es wurde gemacht und getan, Spezialisten von auswärts waren da. Aber es hat irgendwie alles nicht so richtig geklappt“, sagt Klaus Meier*.

Der Mann war vom Januar bis zu seiner Kündigung Ende Mai bei der TCW beschäftigt und ist, wie er sagt, schrecklich enttäuscht. Er hatte bei der TCW auf einen beruflichen Neustart gehofft. „Und was habe ich stattdessen? Die Firma schuldet mir noch über 5000 Euro Gehalt“, sagt der Mann. Er legt Gehaltszettel auf den Tisch. „Die haben wir bis zum Schluss bekommen. Das letzte Geld gab es aber für den Februar.“ Meier sagt offen: „Ich musste mir Geld borgen, um die Miete bezahlen zu können. Und essen muss man ja auch.“ Er ist sauer, fühlt sich hintergangen.

Enttäuscht und gefrustet ist auch Jörg Johannsen*. Auch er war bis zur Kündigung Ende Mai bei der TCW beschäftigt. Auch er sah in der Anstellung in dem Chemieunternehmen seine Chance, „gar nicht erst in Harz IV zu müssen, hier in Wittenberge Arbeit zu finden“. Auch ihm schulde die TCW noch Lohn, sagt der junge Mann. Gut 5000 Euro sind es. „Man hofft ja, dass eines Tages doch noch das Geld aufs Konto kommt.“ Vergeblich. Beide Männer sind über das Arbeitsamt an die TCW bzw. deren Vorgängerfirma, die TTW Solutions GmbH, vermittelt worden. Und nicht nur das. Wie es aus dem „Prignitzer“ vorliegenden Schreiben der Agentur für Arbeit Potsdam hervorgeht, hat die Behörde die Einstellung für beide Mitarbeiter mit einem „Eingliederungszuschuss in Höhe von 1200 Euro monatlich“ für ein halbes Jahr bezuschusst bzw. wollen.

Ob und wie ehemalige TCW-Beschäftigte, die noch immer auf ausstehende Gehaltszahlungen warten, im Insolvenzverfahren berücksichtigt werden, kann auf „Prignitzer“-Nachfrage auch Mirjan Weiß, Pressesprecherin beim Amtsgericht in Neuruppin, nicht sagen. Die Aufgabe der vorläufigen Insolvenzverwalterin sei es jetzt erst einmal, zu prüfen, ob Masse für ein Insolvenzverfahren vorhanden sei oder ob es mangels dieser abgewiesen wird.

Schulden hat die TCW nicht allein bei Mitarbeitern. Bereits vergangene Woche hatte sich ein Hotelier beim „Prignitzer“ gemeldet, dem das Unternehmen Worten noch knapp 600 Euro schulde. Vergeblich versuchte der „Prignitzer“, den zuletzt zuständigen Geschäftsführer oder einen anderen Firmenmitarbeiter zu dem Sachverhalt zu befragen. Es kam kein Kontakt zu stande. Vergeblich waren auch dieses Mal die Redaktionsbemühungen um eine Stellungnahme. Weder Geschäftsführer Ulf Grimnitz, ansässig bei Rostock, noch andere Firmenvertreter waren zu erreichen.

 
*Namen von der Redaktion geändert

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