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Der Prignitzer

18. August 2017 | 11:00 Uhr

Taxiunternehmen kontra Fuß-Bus

vom

Wittenberge | Der Wettbewerb im Fahrdienstgeschäft hat sich in Wittenberge verschärft. Jetzt bietet auch das DRK an, Senioren kostenpflichtig durch die Stadt zu fahren. Das sorgt für Ärger bei Taxiunternehmern wie Gerold Gudladt. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen Dietrich Döhring, Geschäftsführer des DRK Prignitz. "Der Kreisverband verstößt vorsätzlich gegen das Personenbeförderungsgesetz". Der Taxiunternehmer ist mit dieser Behauptung nicht alleine.

Im Mittelpunkt der Kritik steht der so genannte "Fuß-Bus", den das DRK in Kooperation mit der Wohnungsgesellschaft (WGW) eingerichtet hat. Das Angebot richtet sich in erster Linie an die Bewohner des Hornings 60 und DRK-Einrichtungen, so Döhring . Aber auch an Mieter der Wohnungsgesellschaft. Geplant ist, dass diese ihn im Rahmen der "WGW-Card" nutzen können, erläutert WGW-Chef Torsten Diehn.

In einem Leserbrief an die Redaktion machte Taxiunternehmer Lars Voß seinem Ärger Luft (wir berichteten). Er befürchtet, dass der "Fuß-Bus" den ansässigen Taxifahrern und privaten Fahrdiensten die Kunden wegnimmt.

Seit Jahren beobachtet Voß mit Sorge, wie das Angebot in Wittenberge stetig wächst. Das wirkt sich auf die Preise aus. Das ist zwar positiv für den Kunden, der für eine Fahrt weniger bezahlen muss. Doch im Gegensatz zu privaten Unternehmen können Taxifahrer ihre Entgelte nicht frei gestalten. Sie müssen sich an die Richtlinie des Landkreises halten. "Man traut sich schon gar nicht mehr, die Preise anzupassen, um nicht noch mehr die Kunden zu verlieren", schildert Voß die Auswirkungen.

Dem DRK hält er vor, dass die soziale Einrichtung keine Umsatzsteuer zahlen muss und Aushilfskräfte als Fahrer einstellt, um Lohnkosten zu sparen. Dagegen wehrt sich Geschäftsführer Döhring und stellt richtig: "Wir sind genauso steuerpflichtig wie jedes andere Unternehmen. Einen sozialen Bonus gibt es beim Finanzamt nicht." Mit der Ausnahme: Kann das DRK am Ende des Jahres nachweisen, dass 75 Prozent der Fahrgäste Senioren oder Kinder mit Behinderungen sind, muss weniger Mehrwertsteuer gezahlt werden. "Aber das gilt für jedes Taxiunternehmen auch", rechtfertigt Döhring.

Der Fahrer sei fest angestellt, werde tariflich bezahlt. Das DRK sieht in dem "Fuß-Bus" eine Ergänzung zu den bestehenden Angeboten und reagiere lediglich auf die Wünsche der Patienten und Bewohner. Dass es sich um Wettbewerb handelt, liege in der Natur der Sache. "Unser Bestreben ist es nicht, den Taxiunternehmern das Geschäft wegzunehmen", bekräftigt Döhring.

So sieht es aber Taxiunternehmer Gerold Gudladt aus Wittenberge. Er versteht nicht, warum der Landkreis sich nicht einschaltet. Der "Fuß-Bus" besitze keinen Wegstreckenzähler und auch die großflächige Werbung sei gesetzeswidrig.

Zuständigkeitsbehörde für Taxiunternehmer ist der Landkreis. Norbert Kreutz, Sachgebietsleiter Allgemeine Ordnung und Sicherheit im Landkreis, dazu: Das DRK habe zugelassene Mietfahrzeuge zur Personenbeförderung im Einsatz. Bei dem "Fuß-Bus" handle es sich seines Erachtens nach um eines dieser Fahrzeuge. Wer ein Mietwagengeschäft betreibt, muss sich an bestimmte Regeln halten. "Der Mietwagen darf nicht als Taxi eingesetzt werden", machte er deutlich.

Ein wichtiges Kriterium ist, dass die Fahrzeuge nicht auf der Straße angehalten werden dürfen, sondern einen festen Startpunkt und ein Ziel haben. Ob das DRK diese Regeln einhält, will die Ordnungsbehörde prüfen.

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erstellt am 09.Dez.2011 | 06:41 Uhr

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