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Der Prignitzer

23. November 2017 | 19:52 Uhr

Hochwasser : Tausende Sandsäcke verrotten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landkreis gab erst im Spätsommer grünes Licht für Entsorgung / LUGV avisiert Beräumung bis Ende des Jahres

von
erstellt am 07.Okt.2014 | 08:00 Uhr

„Es ist toll, dass der ,Prignitzer‘ für seine Hochwasserberichterstattung ausgezeichnet wurde, aber was ist mit den Hinterlassenschaften? Interessieren die niemanden?“ Mit diesen Worten wandte sich die Bälowerin Marion Goly an unsere Redaktion und verwies darauf, dass tausende Sandsäcke, die auch in ihrem Heimatort für die Hochwasserabwehr von freiwilligen Helfern gefüllt wurden, inzwischen auf einer Art wilder Müllkippe liegen.

Tatsächlich bietet sich zwischen Bälow und dem Elbdeich ein trostloses Bild. Berge von aufgerissenen und halb verrotteten Sandsäcken aus Jute und Kunststoff, Sandhaufen, Reste von Vlies und dazwischen Müll, der hier sicher erst im Laufe der Zeit abgelagert wurde. Ähnlich sieht es auch in Kuhblank am alten Bahnhof aus. Ein rund 200 Meter langer und bis zu vier Meter hoher Wall aus Sandsackresten, Sand und Vliesbahnen liegt hier. Zwei Endlager der großen Abwehrschlacht gegen die Flut?

Den Anwohnern zumindest reicht es langsam. „Von der Feuerwehr war immer mal wieder zu hören, das wird bald weggeräumt“, sagt Hildegard Holländer, die aus ihrem Haus direkt auf das Freiluftzwischenlager blickt. „Passiert ist bislang aber nichts.“

Der Landkreis Prignitz räumt auf Nachfrage ein, dass die Beräumung in diesem Fall sehr lange dauere. „Wir haben in der Vergangenheit intensiv prüfen lassen, inwiefern sich das Material wiederverwenden lässt“, sagt Bernd Lindow, Leiter der unteren Wasserbehörde. Grundsätzlich könnten die Säcke nicht wieder zur Hochwasserverteidigung genutzt werden, da die Jutesäcke verrotten und die Kunststoffsäcke nicht UV-beständig sind und sich regelrecht auflösen. „Eine Trennung von Sandsackresten und Füllmaterial ist allerdings laut unseren Ergebnissen nicht mit vertretbarem Aufwand möglich, deswegen kommt nur eine Entsorgung und Deponierung infrage“, so Lindow.

Eine Gefahr gehe von den Sandsäcken derzeit nicht aus, da es sich überwiegend um Reservematerial handele, das nicht im Deichschutz verbaut worden ist. „Eine Kontamination mit Schadstoffen durch verunreinigtes Wasser ist unwahrscheinlich“, sagt der Experte.

Das Landesumweltamt (LUGV) bestätigt, dass eine Trennung aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage komme und das Material aus diesem Grund höchst wahrscheinlich zur Deponieabdeckung verwendet werde. „Andere Nachnutzungsmöglichkeiten, wie beispielsweise die Verwendung im Wege- oder Straßenbau, mussten auch wegen hygienischer Bedenken verworfen werden“, sagte Pressesprecher Thomas Frey auf Nachfrage. „Nach der Entscheidung des Landkreises im Spätsommer wurde mit den Vorbereitungen für die Ausschreibung der dafür erforderlichen Leistungen begonnen.“ Die Lagerplätze Bälow und Kuhblank würden bis zum Ende des Jahres beräumt. Für die Entsorgung rechnet das LUGV mit Kosten von rund 50 000 Euro, die vom Land Brandenburg getragen werden.

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