zur Navigation springen

Für die Bestandssicherung : Tausende Babyaale eingesetzt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landesanglerverband Brandenburg besetzt den Rudower See bei Lenzen mit 36 Kilogramm Jungfischen aus der Biscaya

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2016 | 22:00 Uhr

Langsam gleitet das Boot von Ralf Behrens in den Schilfgürtelbereich des Rudower Sees. Dann öffnet der stellvertretende Vorsitzende des Lenzener Angelvereins eine von mehreren Styroporkisten, gefüllt mit je drei Tabletts. Darin zappeln hunderte, etwa fünf bis sieben Zentimeter kleine Aale, wegen ihrer durchsichtigen Körper auch Glasaale genannt, die Behrens behutsam in den See entlässt. Weitere Mitglieder des Vereins tun es ihm an weiteren Stellen des mit 176 Hektar größten Sees der Prignitz gleich, wo der Aalnachwuchs in den nächsten Jahren sein Zuhause hat.

36 Kilogramm, also rund 100 000 Jungfische des Europäischen Aals mit einem Einzelgewicht von 0,3 bis 0,4 Gramm entlassen die Petrijünger des mitgliedsstärksten Vereins der Stadt gestern in das nur wenige Grad kalte Wasser des Rudower Sees. „Das macht den Glasaalen nichts. Zwar werden sie jetzt noch nicht so viel fressen, aber wenn die Temperaturen wieder steigen, wird auch der Appetit größer“, sagt Ulrich Thiel vom Landesanglerverband Brandenburg (LAVB). Er hatte die kostbare Lieferung kurz zuvor nach Lenzen gebracht, wo die Babyaale schon erwartet wurden.

„Die Glasaale stammen aus der Biscaya und wurden vor großen Flussmündungen gefangen“, erzählt Ulrich Thiel. Von dort wurden sie von einem Neubrandenburger Fischzuchtbetrieb aus Südfrankreich, kiloweise in Styroporkisten verpackt und mit Eis gekühlt, nach Deutschland gebracht. Thiel verteilte die Fracht dann per Transporter von Saarmund aus an weitere Besatzstellen in Brandenburg.

Laut Thiel handelt es sich um eine Besatzmaßnahme zur Bestandssicherung der in den letzten Jahren immer seltener werdenden Fische. Denn die Aalbestände sind massiv zurückgegangen. Und teuer geworden. „Derzeit kostet ein Kilo Glasaal rund 300 Euro. In den 1980 Jahren war das Kilo schon für 80 D-Mark zu haben“, weiß Thiel. „Es gab aber auch Zeiten, da wurden über 1000 Euro bezahlt.“


Pachtvertrag vorfristig verlängert


Sehr gefreut hat sich Ulrich Thiel, dass der Landesanglerverband vor kurzem einen neuen Pachtvertrag mit der Stadt Lenzen, über deren vorfristige Verlängerung noch vor einigen Monaten heftig gestritten worden war, für den Rudower See unterschrieben hat. „Der alte Vertrag galt ja formell noch bis 2018. Jetzt haben wir aber größere Planungssicherheit“, sagt Ulrich Thiel.

Seiner Meinung nach habe der LAVB auch in der Vergangenheit für einen ökologisch ausgewogenen Fischbestand auf wissenschaftlicher Grundlage gesorgt. Die Besatzmaßnahmen seien protokolliert und dokumentiert. In der neuen Nutzungsvereinbarung soll auch die Sanierung des maroden, für die Öffentlichkeit zugänglichen, Bootsstegs am Campingplatz umfassen. Die Kosten von rund 15 000 Euro wollte der Verband als Gegenleistung für eine vorzeitige Pachtverlängerung übernehmen

Seit der Übernahme der Fischereichrechte durch den LAVB im Jahr 2006 sind der Kreisanglerverband Perleberg (KAV) und die Lenzener mit den 180 Vereinsmitgliedern, davon 30 Kinder, als betreuender Verein für die Durchführung der Bewirtschaftungs- -und Betreuungsmaßnahmen im und am Rudower See zuständig.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen