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Der Prignitzer

15. Dezember 2017 | 22:55 Uhr

Tauchturm: Neue Notfallszenarien

vom

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erstellt am 03.Okt.2012 | 07:11 Uhr

Wittenberge | Eine Attraktion, die Besucher weit über die Grenzen der Prignitz hinaus anspricht, wird der Tauchturm auf dem Gelände der alten Ölmühle mit seiner Eröffnung Anfang 2013 garantiert. Doch bedeuten 800 Kubikmeter Wasser - das sind mehr als in den Becken der Prignitzer Badewelt - und knapp zehn Meter Tauchtiefe auch für die Rettungskräfte im Landkreis neue Herausforderungen, müssen sie doch zur Stelle sein, wenn ein Taucher im Becken verunglückt.

Aus diesem Grund hatte Lutz Diekmann, leitender Notarzt im Landkreis Prignitz, Rettungskräfte und Feuerwehren eingeladen, um die beeindruckende Anlage in Augenschein zu nehmen und sich in einem Vortrag über die tauchmedizinische Erstversorgung bei Unfällen zu informieren.

"Bislang hatte die Ärzteschaft in der Prignitz von Tauchmedizin im Prinzip keine Ahnung, weil es einfach keine Notwendigkeit dafür gab", erklärt Thomas Libuda, Anästhesist und Intensivmediziner im Kreiskrankenhaus. "Mit der Eröffnung des Tauchturms ergeben sich völlig neue Notfallszenarien, auf die wir uns entsprechend vorbereiten müssen." Konkret hieße das, die Kollegen müssten vor allem ihre Kenntnisse in Physik auffrischen, - bei der Tauchmedizin spiele die Physik der Gase im Blut eine entscheidende Rolle - um entsprechend reagieren zu können, wenn ein Taucher verunglückt. "Außerdem müssen Abläufe und Strukturen bekannt sein, beispielsweise, wo sich die nächste Druckkammer befindet, in unserem Fall Berlin, damit wir Patienten schnell richtig versorgen können."

So machten die Tauchmediziner Dr. Christian Berndt und Dr. Hendrik Schneider in ihrem Vortrag deutlich, dass entgegen weit Verbreiteter Meinungen die ersten zehn Meter beim Tauchen die gefährlichsten seien. "Hier steigt der Druck auf das Doppelte des normalen Umgebungsdrucks an der Wasseroberfläche an, von zehn bis 20 Meter sind es nur noch 50 Prozent und so weiter", erklärt Schneider. "Klassische Tauchunfälle durch Dekompressionsprobleme können also auch in dieser Anlage durchaus auftreten."

Für die Feuerwehren und Rettungs assistenten stellt sich künftig zudem das Problem des schwierigen Patiententransportes aus dem Gebäude. "So wie es derzeit aussieht, müssen verunglückte Personen wohl in einem Tragetuch über die Treppe nach unten und ins Freie gebracht werden", schätzt Wittenberges Wehrführer Chris Brandt ein. "Schwierig, aber durchaus machbar."

Eine eigene Einheit von Feuerwehrtauchern kommt für die Wittenberger trotz der künftig vorhandenen Trainingsmöglichkeit aber nicht in Frage. "Einerseits ist die Aufstellung und Unterhaltung derartiger Einheiten äußerst kostenintensiv, andererseits besteht die Notwendigkeit einfach nicht. Ich kann mich nur an einen einzigen Tauchunfall im Kreis erinnern, das war Anfang der 90er Jahre." Für die Sicherheit im hiesigen Tauchtank seien vom Betreiber ausgebildete Sicherheitstaucher zu stellen, erläutert Chris Brandt.

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