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20 Fragen an : Tarzan war der Held seiner Zeit

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Maler Harms Bellin über Schundblätter, seine Leidenschaft für das Gitarrenspiel und seine Reaktion auf das Verhüllen seiner freizügigen Bilder

von
erstellt am 30.Sep.2014 | 22:00 Uhr

Wo haben bekannte Prignitzer ihren Lieblingsort, welches Buch lesen sie gerade, welchen Film schauen sie im Kino oder was haben sie Unvernünftiges getan? Das sind drei von 20 Fragen, die wir ab heute wieder Prignitzern stellen.

Nach eineinhalb Jahren und rund 50 Interviews hatten wir Anfang des Jahres eine Pause eingelegt, die Serie unterbrochen. Auf vielfachem Wunsch unserer Leser setzen wir sie nun einmal wöchentlich fort, gerne dürfen auch Sie uns Vorschläge machen, wem wir diese Fragen stellen sollen. Dazu genügt eine kurze Begründung per Mail an pri@prignitzer.de sowie das Kennwort „20 Fragen“.

Harms Bellin lebt und arbeitet als Künstler in Mankmuß, ist gebürtiger Hamburger. Er hat an der dortigen Hochschule für Bildende Künste Freie Malerei studiert. Aufsehen und Anstoß erregten seine freizügigen Bilder Anfang des Jahres in Perleberg. Sie mussten mit Tüchern verdeckt werden.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in Mankmuß?
Mein Lieblingsort in Mankmuß ist hinten auf dem Hof. In der Scheune ist mein Sommeratelier, wo ich im Sommer male.
Was würden Sie als Bürgermeister in Karstädt sofort rückgängig machen?
Ich würde nichts abstellen, sondern anstellen. Hier in Karstädt könnte man mehr für die Kultur tun. Mir schweben zum Beispiel Lesungen in Betrieben vor, um den Arbeitern eine Freude zu bereiten. Außerdem sollte es mehr Orte geben, wo man Ausstellungen installieren kann.
Wo kann man Sie in der Prignitz am ehesten antreffen?
Meistens in Perleberg, weil das ein schönes Städtchen ist und natürlich in meinem Atelier.
Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Ich komme aus Hamburg. Dort habe ich als Zehnjähriger zusammen mit meinen Freunden Schnee bei den Nachbarhäusern geschoben. Dafür gab es damals 50 Pfennig.
Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Wahrscheinlich für Schundblätter. Das waren so kleine Comics über Tarzan oder Superman. Das waren die Helden unserer Zeit.
Was würden Sie gerne können?
Ich würde gerne besser Gitarre spielen können. Außerdem bin ich ein Erkenntnis-Junkie. Immer wenn ich poetisch dichten will, wird der Text viel sachlicher als er sein sollte. Das würde ich gerne noch verbessern.
Was stört Sie an anderen?
An anderen stört mich besonders fehlendes Unrechtsbewusstsein und Doppelbödigkeit.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Herzlich gelacht habe ich, als mir erklärt wurde, dass die Bilder meiner Ausstellung „Nachtrasur im Paradies“ in Perleberg abgehängt werden müssten. Es hätte Beschwerden gegeben und das Gewerbeamt wäre sogar dort gewesen. Alle Bilder wurden mit Tüchern abgehangen. Das ist doch wirklich eine Lachnummer.
Was Unvernünftiges haben Sie zuletzt getan?
Ich habe wieder mit dem Pfeiferauchen angefangen. Eigentlich hatte ich schon einmal aufgehört. Inzwischen rauche ich wieder mehr. Das ist sehr unvernünftig.
Wer ist Ihr persönlicher Held?
Das würden momentan wahrscheinlich viele sagen, aber mein persönlicher Held ist der verstorbene Nelson Mandela. Wer 27 Jahre für seine Überzeugung in Gefangenschaft gesessen hat, ist wirklich zu bewundern.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Im Moment lese ich „Allzu menschliches“ von Nietzsche. Wenn ich was lese, lese ich hauptsächlich philosophische Lektüre. Man stellt immer wieder überraschende Zusammenhänge zur heutigen Zeit fest. Romane lese ich hingegen kaum noch.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
Wir haben unseren Fernsehapparat abgestellt. Das Programm langweilt mich schon seit langem. Irgendwann hat man alle Themen schon einmal durch.
Wo trifft man Sie eher: Im Stadion, im Kulturhaus oder im Kino?
Früher hätte man mich wohl eher im Stadion getroffen, da ich Sportler war. Ich habe Hammerwerfen gemacht. Ins Kino bin ich früher gerne gegangen, aber inzwischen findet man mich eher im Kulturhaus.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Ich würde gerne zwei Menschen treffen und mich mit denen an einen Tisch setzen: Goethe und van Gogh. Mit ihnen würde ich mich über Farbenlehre unterhalten. Diesen Disput zwischen den beiden würde ich gerne belauschen. Das wäre sicher hochinteressant.
Kochen Sie selbst und was kommt bei Ihnen auf den Tisch?
Küche ist für mich nicht das Thema. Meine Künstlerkollegin Ursula Kramm Konowalow hat mich zum fast Vegetarier erzogen. Aber manchmal werde ich noch schwach. Meist gibt es Gemüse in allen Variationen. Ursula kocht sehr gut.
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Mit dem Lied „yes tonight Josephine“ von Johnnie Ray.
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Ich habe von meinem Vater, der mich an die Kunst herangeführt hat, meine ersten Malutensilien bekommen.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Das ist leider nicht zu verwirklichen. Ich würde gerne zusammen mit dem französischen Maler Watteau Antoine auf die Liebesinsel.
Was werden Sie als Rentner machen?
Ich bin Rentner, aber ich fühle mich nicht so. Wenn man diese Berufung eingegangen ist, behält man den Pinsel bis zum Schluss in der Hand. Ich will mich weiter vervollkommnen und geistig weiter entwickeln.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Meiner Kollegin Ursula Kramm Konowalow.

Danke für das Gespräch.

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