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Der Prignitzer

19. November 2017 | 04:27 Uhr

Tafeln würden Pferdefleisch nehmen

vom

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2013 | 06:01 Uhr

Prignitz | Lasagne mit Pferdefleisch an die Armen verteilen. Provokant wird der Vorschlag des CDU-Bundestagsabgeordneten Hartwig Fischer diskutiert. Er schlug vor, Lebensmittel mit Pferdefleisch, die nicht gesundheitsgefährdend seien, an Bedürftige abzugeben. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Die einen sprechen von Nahrungsverschwendung, die anderen von der Schaffung einer Zweiklassengesellschaft. Wir fragten bei den Prignitzer Tafeln nach.

"Als Leiter der Tafeln Prignitz hätte ich kein Problem, diese Ware anzunehmen", sagt Hans-Günter Kolip. Der Vorsitzende des Sozialen Aktionsbündnis Prignitz e. V. (SAB) verstehe zwar die Aufregung in der Bevölkerung, er selbst hätte jedoch keine Bedenken: "Pferdefleisch ist doch nichts Schlechtes, solange es ordentlich deklariert ist. Die Leute müssen wissen, was sie da kaufen", meint er.

In der Tafel könne jeder selbst entscheiden, ob er die Ware annimmt. Den Vorwurf, dadurch Menschen zweiter Klasse zu schaffen, dementiert er. Jeder könne für sich entscheiden, ob er kaufen würde oder nicht.

20 bis 30 Bedürftige warten jeden Wochentag um 13 Uhr vor den Türen der Tafel in Wittenberge auf die Lebensmittelausgabe. Dort ist die Meinung über Fischers Vorschlag ebenfalls geteilt. "Das ist eine bodenlose Frechheit, was der Politiker vorgeschlagen hat", meint eine Frau. Die Rentnerin bezieht seit annähernd sechs Jahren ihre Lebensmittel vom SAB. Pferdefleisch würde sie aus Prinzip nicht essen: "Wir sind doch keine Zweite-Klasse-Menschen. Wir sind schon so arm dran", sagt sie. Ein 60-jähriger Mann hingegen würde sich über das Angebot freuen, wie er sagt: "Ich esse gerne Lasagne und früher habe ich häufig Pferdefleisch gegessen. Ich finde nur nicht in Ordnung, wenn da gepanscht wird", meint er.

Die Tafeln bekommen vor allem Lebensmittel mit begrenzter Haltbarkeit von Discountern gespendet. "Wir achten bei der Ware sehr auf Qualität. Alles, was nicht in Frage kommt, wird aussortiert", so Kolip. Einmal täglich würden Lebensmittel angeliefert werden und noch am selben Tag wieder ausgeteilt. Frisches Obst und Gemüse gebe es reichlich. Bei Brot und Wurst werde es schon knapp. Produkte mit langer Haltbarkeit, wie etwa Kühlkost und Konserven, fänden eher selten den Weg in die Regale, bestätigt die Leiterin der Tafel, Simone Anacker. "Wir brauchen alles und freuen uns über jede Spende", sagt sie.

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