Hoffnung für Prignitzer Hilfeverein : Tafel sieht wieder eine Perspektive

War die Tafel einst nur eine Suppenküche, kann Köchin Annette Meske heute Nudeln, Fleisch und manchmal sogar Fischgerichte anbieten.
War die Tafel einst nur eine Suppenküche, kann Köchin Annette Meske heute Nudeln, Fleisch und manchmal sogar Fischgerichte anbieten.

Essenausgabe kann fortgeführt werden / Langfristig tragbares Modell wird gesucht

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16. März 2018, 05:00 Uhr

Die Prignitzer Tafel schöpft Hoffnung und mit ihr ihre Kunden. Nach Bekanntwerden der drohenden Schließung von mehreren Ausgaben gab es diverse Gespräche, bestätigt Marlies Müller. Sie ist Vorsitzende des Sozialen Aktionsbündnisses (SAB), welches die Tafeln trägt. Auslöser für die Schwierigkeiten sind nicht bewilligte Ein-Euro-Jobs durch das Jobcenter Prignitz (wir berichteten). Zum 28. Februar waren Maßnahmen für zwölf Mitarbeiter ausgelaufen.

Entwarnung gibt es für Wittenberge. Ab Mai drohte die Schließung. Statt der beantragten fünf geförderten Arbeitsmaßnahmen wurden nur zwei bewilligt. Kurzfristig sind Ehrenamtler eingesprungen. „Jetzt haben wir das Signal, dass weitere Stellen bewilligt werden können“, sagt Marlies Müller. Die genaue Zahl sei noch offen, aber mit dieser Zusage könne sie das Angebot in Wittenberge fortführen. Rund 650 Familien nehmen dies im Monat wahr.

Wenn es für Wittenberge diese Lösung geben sollte, würde auch Lenzen profitieren, wo jeweils donnerstags eine Ausgabe erfolge. „Das machen ehrenamtliche Mitarbeiter, die ich sonst in Wittenberge gebraucht hätte. Bekomme ich weitere Stellen bewilligt, könnten sie wie bisher Lenzen versorgen“, erklärt Müller.

In Perleberg enden am 30. April neun geförderte Maßnahmen. Voraussichtlich würden fünf neue bewilligt. Deutlich weniger, aber mit zusätzlich ehrenamtlicher Unterstützung sei die Arbeit zu bewältigen, hofft Müller. Auch die wöchentliche Ausgabe in Karstädt werde ehrenamtlich wahrgenommen.

Wenig Hoffnung hat Marlies Müller für die Meyenburger Ausgabe. Krankheitsbedingt musste diese kurzzeitig schließen, hat jetzt wieder geöffnet, aber ein Kraftfahrer fehlt. „Über das Jobcenter wird es keinen geben. Das ist verbindlich“, sagt Müller. Aktuell fahre ein Rentner, aber der habe nicht täglich Zeit.

Auch wenn sich nach dem öffentlichen Hilferuf der Tafel im Ansatz Kompromisse abzeichnen, mittelfristig steht das Modell auf dem Prüfstand. Jobcenter und Agentur für Arbeit bekräftigen, dass sie nur Stellen bewilligen, wenn der Betreffende eine Chance erhält, auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Man habe bereits alle Spielräume ausgenutzt, so Thomas Puth, Geschäftsführer des Jobcenters Prignitz. Falls durch andere Träger bewilligte Maßnahmen zurückgegeben werden, könne man die Anträge der Tafel neu prüfen. Deren Anträge könnten in Form und Begründung noch ausgefeilter formuliert werden. Das sagt Christian Müller, erster Beigeordneter des Landrates. Zugleich betont er, dass es ein komplexes Thema sei. Inhaltlich federführend sind Jobcenter und Arbeitsagentur. „Sie werden ausloten, wie weit sich die Gesetzesvorgaben auslegen lassen“, so Müller. Zugleich wollen Landkreis und Bürgermeister beraten, wie sie künftig die Tafel unterstützen können, denn deren Aufgabe sei enorm wichtig, bekräftigt Christian Müller.

Marlies Müller freut sich über diese Unterstützung. Alle Aufgaben rein ehrenamtlich zu bewältigen, sei aber ausgeschlossen, meint sie. Die Einnahmen der Tafel reichen nicht, um Sachkosten wie Miete, Energie und Benzin decken zu können, begründet sie. Für ein Essen berechnet die Tafel 1,80 Euro, für einen Warenkorb zwei Euro. Zusammen mit einem Sachkostenzuschuss bei den geförderten Stellen seien das die einzigen Einnahmen.

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