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Der Prignitzer

12. Dezember 2017 | 07:44 Uhr

Prignitz : Tafel gehen die Lebensmittel aus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Angebot reicht nicht mehr für die stark steigende Zahl der Bedürftigen. Asylbewerber sind ebenfalls anspruchsberechtigt

von
erstellt am 24.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Die Lebensmittel reichen nicht mehr für alle Bedürftigen. Marlies Müller schlägt Alarm. Der Leiterin der Prignitz-Tafel gehen die Alternativen und Ideen aus. Gestern musste sie erstmals Bedürftige abweisen, weil die Regale leer waren. Vielleicht wird sie schon in wenigen Tagen die nächste Notbremse ziehen müssen und keine neuen Bedürftigen mehr aufnehmen. Sie will das nicht, aber sie sieht keinen anderen Ausweg.

Hauptgrund für die veränderte Situation sind die Asylbewerber, deren Zahl wöchentlich steigt. „Allein in Perleberg stellen sie aktuell 230 Bedarfsgemeinschaften mit 385 Personen, darunter 145 Kinder“, sagt Müller. Dazu kommen 380 deutsche Bedarfsgemeinschaften mit 658 Personen und 110 Kindern. „In Wittenberge gibt es annähernd die gleichen Zahlen“, so Müller. Nur in Pritzwalk und Meyenburg seien es deutlich weniger Bedürftige.

Bis zu 80 Personen kommen täglich in der Perleberger Tafel zum Einkaufen. „Es ist gerammelt voll und trotzdem habe ich täglich fast zehn Neuanmeldungen. Wir stoßen an unsere Grenzen.“

Noch gebe es keine Streitereien zwischen den Ausländern und den heimischen Bedürftigen, aber der Unmut und das Unverständnis würden wachsen. Das Los entscheidet, in welcher Reihenfolge die Wartenden einkaufen. „Unsere Mitarbeiter achten darauf, dass möglichst niemand zu viel in seinen Korb legt“, sagt Müller. Und dennoch: Die hinteren Losnummern haben kaum noch Auswahl.

Einzelpersonen dürfen einmal pro Woche kommen, ein Haushalt mit zwei Personen an drei Tagen, alle anderen täglich. Selbst das sei zum Teil ungerecht. „Unser Angebot ist jeden Tag unterschiedlich. Was soll ich machen, wenn die Einzelperson fast nichts mehr abbekommt?“, fragt Müller. Aus dem gleichen Grund wolle sie Asylbewerber und Deutsche nicht an unterschiedlichen Tagen Zutritt gewähren. „Das wäre ungerecht und diskriminierend.“ Selbst ihre eigenen Mitarbeiter, ebenfalls Bedürftige, könnten nicht mehr täglich etwas mit nach Hause nehmen.

Das Potenzial an Lebensmitteln in der Region sei fast ausgeschöpft. Lidl, Penny, roter Netto, Edeka, Aldi – in Perleberg spendet fast jeder Supermarkt. Ähnlich sei es in Wittenberge. Bäckerei Eichler und der Deichbäcker helfen an ausgewählten Tagen. „Von Famila und Kaufland bekommen wir nichts, aber diese Entscheidung wird nicht vor Ort getroffen, sondern im Gesamtunternehmen“, sagt Müller.

Dazu kommen große Lieferungen von der Berliner Tafel, „ohne deren Hilfe wir gar nicht klarkommen würden“. In dieser Woche hoffen die Perleberger auf die Reste von der Berlinale. Was beim großen Filmfest nicht benötigt wurde, bekommen die Tafeln.

Marlies Müller weiß keinen Ausweg. Sie appelliert an Privatpersonen: „Wer nach einer Familienfeier Lebensmittel übrig hat, darf uns die gerne bringen.“ Teilweise würden das Gaststätten machen, wenn die Gäste nach einer Feier die Genehmigung dazu erteilen. Auch die Kommunen könnten helfen, indem sie Asylbewerber an die ihrem Wohnort nächst gelegene Tafel verweisen, was nach ihren Erfahrungen nicht immer der Fall sei.

Dass der Tierpark in Perleberg freitags von Supermärkten beliefert werde, verurteile sie nicht, aber das Verständnis dafür falle schon schwer. Und gänzlich fehlt ihr das Verständnis, wenn in der Tafel erworbene Waren mitten in die Landschaft geworfen werden. So geschehen Freitag vor einer Woche. Sie weiß nicht wer das war oder warum das gemacht wurde, „aber die Produkte wurden definitiv bei uns gekauft“. Das sei ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen.

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