Sükow blickt über den Tellerrand

Museumspädagoge Philippe Carasco erzählt die Geschichte des Bischofs. der nun wieder seinen Platz in der Kirche hat.
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Museumspädagoge Philippe Carasco erzählt die Geschichte des Bischofs. der nun wieder seinen Platz in der Kirche hat.

Altes Dorf mit eigenem Bischof will beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ punkten / Jüngste Idee: Ein Dorfgemeinschaftshaus

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19. September 2017, 09:12 Uhr

Vor 700 Jahren wurde Sükow der erste Mal urkundlich erwähnt – „und das können wir belegen“, betont Ortsvorsteher Diethard Schulz. Im Jahre 1317 verkauften die von Wartenberg dem Hospital des heiligen Geistes zwei Hufen Land.

Sükow sei von ehe und je den anderen meist einen Schritt voraus gewesen. 1621 habe der Küster schon das Lesen und Schreiben gelehrt, als eines der ersten Dörfer der Westprignitz erhält Sükow 1921 elektrisches Licht. Ortsvorsteher Friedrich Dahse ist es zu verdanken, dass heute von Sükow eine Straße nach Dergenthin führt. 1895, binnen eines Jahres, wurde sie gebaut. Zuvor gelangten Jung und Alt nur querfeldein in den Nachbarort. Nach 1945 hatte man den ersten Kindergarten, nach der Wende immerhin noch so viel Nachwuchs, dass Sükow auch als einer der ersten Perleberger Ortsteile einen Spielplatz bekam. Maßstäbe habe das Dorf immer mitgesetzt und punkten wolle man auch jetzt beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Begrüßt wurde die Kreisjury von keinem Geringeren als dem Bischof persönlich und ihrer Hoheit, der Königin der Instrumente, die von Hendrikje Börs auf dem Saxophon begleitet wurde. Ihre Mitschüler aus der Klasse 5b der Schollschule hatten an diesem Tag ihren LER-Unterricht ins Sükower Gotteshaus verlegt. Von Pfarrer Peter Radziwill erfuhren sie alles, womit eine Kirche ausgestattet ist und welchen Zweck es erfüllt. Museumspädagoge Philippe Carasco vom Förderkreis Prignitzer Museen war der Fachmann in Sachen Bischof. Denn Sükow dürfte wohl das einzige Dorf weit und breit sein, das einen eigenen Bischof hat. Die hölzerne Skulptur, die Dank einer Computertomographie jetzt auf 1440 datiert wird, kehrte im Juni wieder zurück in die Sükower Kirche. Wie sie aber einst dorthin kam, das ist immer noch ein Rätsel.

Für die Schüler ging es dann zurück in die Schule, für die Wettbewerbskommission durchs Dorf. Zwei Stunden Zeit für Sükow, sich zu präsentieren. Und das Dorf kann sich sehen lassen, von allen Seiten. „Wir haben keine eingefallenen Scheuen oder Hinterhöfe, die man besser keinem zeigt“, so sichtlich stolz der Ortsvorsteher. Ob privates oder Anwesen eines landwirtschaftlichen Unternehmens – in Sükow herrscht Ordnung. Gemäht wird bis an die Ackergrenze bzw. auch der breite Grünstreifen an der Dorfstraße. Bemerkenswert, wie auch die Jury findet, denn offensichtlich ziehen da alle mit obwohl jeder schon mit dem eigenen Anwesen und dem riesigen Garten vor dem Haus mächtig zu tun hat. Und auch das sei nicht alltäglich: In Sükow leben mehrere Generationen noch unter einem Dach. Auf Anhieb fallen dem Ortsvorsteher acht Familien ein, bei 187 Einwohnern durchaus eine Größenordnung.

Sükow wächst – einwohnermäßig und baulich. Vier Eigenheime sind geplant, zwei bereits in Bau. Eine junge Familie saniert ein altes Bauernhaus. „Hier lebt es sich einfach gut“, gesteht Madleen Gerloff.

Mit dem Sükower Landleben e.V. haben sich die Einwohner zudem einen Verein geschaffen, der das dörfliche Miteinander weiter ordentlich ankurbeln will. Seine Feuertaufe hatte er bereits zum Dorfjubiläum im Juni, sein neustes Vorhaben ist ein Dorfgemeinschaftsraum. Der Gemeinderaum der Kirche, den jene nur als Winterkirche noch nutzt, der zudem dringend saniert werden müsse, soll einer neuen Zukunft entgegenblicken. Über das Leader-Programm hoffe man, an Fördermittel zu kommen. Gespräche zwischen Kirche und Kommune laufen, die Sükower selbst sind ganz optimistisch. Ideen für ein Nutzungskonzept geistern bereits in den Köpfen. Und dabei denkt man über den eigenen Tellerrand hinaus, denn auch Dergenthin und Quitzow haben keine entsprechende Räumlichkeit. 

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