zur Navigation springen

Treff der Landesarchäologen in Wittenberge : Suche nach neuer Sensation

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Archäologen sprechen über den Geist von Seddin, neue Grabungen und über die beliebte Fernsehreihe Terra X

von
erstellt am 27.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Nur alle 18 Jahre treffen sich die deutschen Landesarchäologen in Brandenburg. In diesem Fall in Wittenberge. Das habe manchen Kollegen verwundert, aber der brandenburgische Landesarchäologe Dr. Franz Schopper und Dr. Michael Rind, Vorsitzender vom Deutschen Verband der Landesarchäologen, führen im Gespräch mit Redakteur Hanno Taufenbach gute Gründe dafür an.

Herr Schopper, welche Prignitzer Schätze haben Sie und Ihre Kollegen hierher gelockt?

Franz Schopper: Die Prignitz ist gesegnet mit spannenden Orten. Wir haben die Slawische Archäologie auf der Burg in Lenzen, das Königsgrab in Seddin oder die Wittstocker Ausstellung zur Schlacht 1636 im Dreißigjährigen Krieg.

Nicht zu vergessen den archäologischen Park in Freyenstein.

Franz Schopper: Genau. Freyenstein haben wir an die Oberfläche geholt, wollen den Tourismus damit weiter fördern.

Sind mit der Eröffnung des Ausstellungsgeländes im vergangenen Jahr die Forschungen abgeschlossen?

Franz Schopper: Nicht ganz. Große Grabungen wird es gewiss nicht mehr geben, aber wir suchen beispielsweise noch nach dem Rathaus und der Kirche. Zum Einsatz kommen Bodenradar und andere, nicht zerstörerische Methoden.

Herr Rind, Sie kommen aus Münster. In Ihrer Region ist der Ort Kalkriese mit der Varusschlacht, auch als Schlacht im Teutoburger Wald bezeichnet, weltberühmt. Kennen Sie die archäologischen Orte in der Prignitz?

Michael Rind: Gesehen habe ich sie noch nicht und deshalb freue ich mich auf unsere Exkursion dorthin. Aber das Königsgrab von Seddin sagt jedem Archäologen etwas, spätestens nach dem ersten Semester.

Franz Schopper: Erst wenn man die Grabkammer wieder verlässt, wird man zu einem echten Prignitzer, dann wirkt der Geist von Seddin.

Mit dem Nachweis, dass aus einer Seddiner Werkstatt mehrere Amphoren stammen, gelang Ihrer Zunft in der jüngeren Vergangenheit eine Sensation. Erwarten Sie weitere Überraschungen?

Franz Schopper: Jede Überraschung halte ich für möglich.

Michael Rind: Nehmen Sie Stonehenge. Lange Zeit ging man davon aus, dass es nur diesen einen Steinkreis gibt. Mittlerweile weiß man, dass es keine isolierte Anlage ist, weitere Bauwerke, eine Siedlung und Gräben wurden nachgewiesen. Durch minimal-invasive Methoden haben wir ein ganz anderes Bild von Stonehenge bekommen.

Erwarten Sie Ähnliches in Seddin?

Franz Schopper: Wir werden das Areal gewiss nicht vollständig ausgraben, aber wir vergrößern den Fokus, erweitern unsere Untersuchungen. Ich bin überzeugt, dass wir noch viele spannende Dinge in Seddin entdecken werden.

Wann startet die nächste Grabung?

Franz Schopper: Ende Juli. Ob wir im nächsten Jahr auch graben werden, ist noch offen.

Gibt es einen Ort in Brandenburg, an dem Sie gern mal graben würden, sozusagen ein Traum von Ihnen?

Franz Schopper: Spontan fällt mir keiner ein.

Michael Rind: Wir sind ja auf Zufälle angewiesen. Neue Erkenntnisse, Hinweise, Entdeckungen und auch neue Methoden und Bereiche. Zum Beispiel die Schlachtfeld-Archäologie gab es vor 20 Jahren noch nicht. Da gibt es noch so viele unentdeckte Plätze, die wir gar nicht gezielt suchen können.

Nennen Sie uns bitte eine neue Methode.

Michael Rind: Die Fortschritte in der genetischen Untersuchung der vergangenen zehn, 15 Jahre. Unter anderem können wir jetzt in Gräbern verwandtschaftliche Verhältnisse nachweisen.

Wir haben viel über Seddin gesprochen. Wann dreht das ZDF Terra X in der Prignitz?

Franz Schopper: In Brandenburg hat Terra X schon gedreht, wir stehen mit der Sendung in Kontakt, machen auch Vorschläge.

Mein Wunsch ist aber, dass das regionale Fernsehen häufiger über unsere Arbeit berichtet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen