Landschaftspark Hoppenrade : Suche nach der Burg von Zeterbow

Spurensuche: Dr. Felix Biermann an den Mauerresten der Burg Zeterbow  Fotos: Thomas Bein
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Spurensuche: Dr. Felix Biermann an den Mauerresten der Burg Zeterbow Fotos: Thomas Bein

Archäologen der Uni Göttingen sind im Landschaftspark Hoppenrade auf jahrhundertealte Mauerreste gestoßen

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21. März 2016, 21:00 Uhr

„Wir waren uns anfangs nicht sicher, ob dieser Hügel hier am Ende des Hoppenrader Landschaftsparkes ein gestalterisches Element ist oder ob es sich doch um eine sogenannte ,Motte’, den Rest einer mittelalterlichen Ritterburg handelt“, sagt Dr. Felix Biermann vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Göttingen.

Ein Hügel, eine unnatürliche Erhebung in der Landschaft, umgeben von einem Wassergraben sei aber immer ein guter Hinweis auf die Reste einer mittelalterlichen Befestigungsanlage. Schnell zeigte sich, dass die Archäologen auf der richtigen Spur sind. Eine alte Lanzenspitze konnte in der Umgebung gefunden werden und auch eine Silbermünze aus dem 14. Jahrhundert.

Bei den Grabungen trat dann eine ehemalige Burg zu Tage. Durch gefundene Keramik lässt sich deren Alter auf die Zeit zwischen 1320 und 1400 datieren. Ganz tief im Sumpf lagen große Feldsteine, die das einstige Fundament bildeten. Darüber befanden sich Reste einer aus Feldsteinen gemauerten Befestigung, der eigentlichen Turmwand. „Der Turm hier muss sehr massiv gebaut gewesen sein. Die Mauer ist etwa 60 Zentimeter stark und so wie wir das einschätzen, war der Turm mindestens zweistöckig mit einem aufgesetzten Fachwerk“, schildert der Experte. „Der Turm wurde irgendwann angezündet, denn wir haben viel Holzkohle und verbranntes Holz gefunden“, sagt Biermann.

Bei dem Gemäuer soll es sich um die Burg zu Zeterbow handeln. Diesen Namen soll das Dorf getragen haben, das es an dieser Stelle zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert gab und das sich von der Burganlage weiter bis zur ehemaligen Villa der Familie von Freier erstreckt haben soll. Der noch heute in unmittelbarer Nähe fließende Cederbach ist namentlich eng mit der mittelalterlichen Siedlung verbunden.

Bei ihren Grabungen konnten die Archäologen aber nicht nur Mauerreste finden. Auch Armbrustbolzen, also Geschosse, Gürtelschnallen und weitere Utensilien, die auf eine militärische Nutzung hinweisen, konnten gesichert werden. Besonders beeindruckend in der etwa fünf mal fünf Meter großen Turmfläche war der Fund eines Siegelstempels aus Zinn. Dieser ist noch sehr gut erhalten und zeigt das Wappen eines Ritters bestehend aus drei Blumen und dem Namenszug in altgregorianischer Schrift. „Das Siegel war früher wie eine Unterschrift. Das bedeutet, dass wir bestimmen können, wem diese Burg einmal gehörte und wer der Ritter war, der hier lebte“, beschreibt Dr. Felix Biermann. Die Funde sind so gut und die Lage der Burg im Landschaftspark so optimal, dass man überlege, gemeinsam mit dem brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege diese Burg oberflächlich zu markieren, um Besuchern ihre Lage zu zeigen. Eine Informationstafel könnte einen Überblick über das Areal geben.

Dass Hoppenrade und die Nähe zum Cederbach bereits sehr früh Siedler und Menschen anzog, zeige laut Experten unter anderem ein bronzezeitliches Hügelgrab, das sich nur einen Steinwurf von der historischen Burganlage entfernt befindet, bisher aber noch nicht archäologisch untersucht wurde. Biermann beeindrucke, wie die ehemalige Burg mit dem immer noch existierenden Wassergraben in die damalige Parkgestaltung eingebunden wurde.

Im Vergleich zur Plattenburg scheint die Burg sporadisch und klein geraten zu sein. „Man darf das nicht vergleichen. Wir reden hier vom Mittelalter. Die Pest war gerade überstanden und hatte Millionen Menschen dahingerafft. Es gab viele unbewohnte Orte. Die Burg bot Platz für vielleicht 20 Leute“, erzählt der Mittelalterarchäologe über die damalige Zeit.

In dem Projekt der Uni Göttingen sollen sechs solcher „Motten“, dieser historischen Kleinburgen, ausgegraben werden. Anhand der Funde soll untersucht werden, wie die Burgen gebaut wurden. „Es gibt sicherlich einige tausend solcher Kleinburgen in Mitteleuropa, aber für die hat sich bislang niemand so richtig interessiert“, sagt Felix Biermann.

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