Bau der L11 bei Breese : Suche nach Bomben geht weiter

Heinz Kossert (l.) und Dennis Pich führen die Kanäle für die Sonden in die Bohrlöcher ein.
Heinz Kossert (l.) und Dennis Pich führen die Kanäle für die Sonden in die Bohrlöcher ein.

Bis Ende kommender Woche sollen die Untersuchungen abgeschlossen sein. Experte spricht von außergewöhnlicher Situation

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08. März 2016, 21:00 Uhr

Bohrloch an Bohrloch reiht sich derzeit dort, wo später einmal der neue Abschnitt der Landesstraße 11 verlaufen soll. Mitarbeiter der Firma Munitionsbergung Röhll untersuchen derzeit den Boden auf einem etwa zwei Hektar großen Gebiet zwischen Wittenberge und Breese auf mögliche Weltkriegsmunition. Ende nächster Woche sollen die Bohrungen, die im Straßenbauprojekt von Beginn an eingeplant waren, beendet sein.

Bisher wurden acht verdächtige „Anomalien“ im Erdreich entdeckt. „Dabei kann es sich um Fliegerbomben handeln, um Granaten oder Munitionsreste“, erklärte gestern Gerd Fleischhauer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst gegenüber dem „Prignitzer“. Seit 2001 ist er dabei, aber die Funde in der Waldschneise neben dem Breeser Sportplatz seien auch für ihn außergewöhnlich. „Das ist schon etwas Besonderes, weil es so viele Anomalien sind. Normalerweise treten die nicht so massiert auf“, gibt der Experte zu.

Insgesamt 8600 Löcher von je knapp fünf Metern Tiefe werden in den Boden gebohrt. Die letzten 300 davon müssen in den kommenden Tagen noch in die Erde getrieben werden. In jedes wird ein Rohr gesteckt, durch das dann eine Sonde hinabgelassen wird. Diese untersucht den Boden nach Auffälligkeiten. „Die Sonden messen alles, was auf etwas Metallisches schließen lässt. Das können aber auch Steine mit bestimmten Einlagerungen sein“, so Fleischhauer. 40 verdächtige Stellen seien bisher entdeckt worden. „Deswegen kann es sein, dass es nicht bei den acht Anomalien bleibt.“

Woher stammen die möglichen Fliegerbomben? Die Stadtchronik berichtet von einem Angriff amerikanischer Kampfflugzeuge im Februar 1945. Diese „bombardieren (...) auch Verkehrsanlagen in Wittenberge. Ca. 150 Sprengbomben richten auf Gleisanlagen und im nördlichen Stadtgebiet erhebliche Schäden an. 28 Tote und zahlreiche Verletzte werden gezählt“, heißt es in der Chronik.

Die Sprengung der Gegenstände ist für den 31. März geplant. Wir hatten in der gestrigen Ausgabe irrtümlich vom 30. März geschrieben. Fleischhauer erklärt den späten Termin so: „Wir wollten vermeiden, dass die Anwohner immer wieder ihre Häuser verlassen müssen. Deswegen untersuchen wir den Bereich komplett und schreiten dann zur Tat.“ Es komme in seiner Arbeit deutlich öfter vor, dass Munition gesprengt wird. „Eine Entschärfung ist viel gefährlicher und zeitaufwendiger.“

Mehr als 400 Einwohner müssen wegen der Sprengung ihre Häuser verlassen. Der Sicherheitsradius beträgt 1000 Meter. Dennoch sei die Stimmung im Ort laut Bürgermeister Werner Steiner nicht von Angst erfüllt. Er sieht die Aktion pragmatisch. „Wir wollen eine neue Straße und einen Deich. Dafür muss die Sprengung eben sein. Und so geht es schneller, als wenn jeder Fund extra entschärft werden müsste.“

Über die genauen Umstände der Evakuierung und Sprengung werden die Bürger morgen Abend um 18.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Groß Breese informiert. „Wir werden erklären, wer sein Haus wann und für wie lange verlassen muss“, so Steiner. Außerdem können die Einwohner ihre Fragen stellen. Ein Teil der Evakuierungsfläche liegt im Wittenberger Stadtgebiet. Betroffen sind ein Blockheizkraftwerk, das ESV-Gelände, der Hundesportverein. Auch die Hälfte des RAW-Areals muss geräumt werden.

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