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Der Prignitzer

13. Dezember 2017 | 08:31 Uhr

Stromverkäufer: aggressive Werbung

vom

svz.de von
erstellt am 31.Jan.2012 | 08:32 Uhr

Wittenberge | "Ich kann nur jedem raten, sich sehr genau zu überlegen, ob er an der Haustür einen Vertrag unterschreibt. Ich selbst würde es nie tun." Worte eines jungen Mannes aus Dortmund, der hier in Wittenberge an Haustüren klingeln musste, um Leuten neue Stromverträge zu verkaufen. Gegenüber dem "Prignitzer" packte der Westfale aus: "Ich habe Dinge erlebt, von denen liest man zwar ab und an, dass sie so passieren, habe ich nicht gedacht", sagt der Mann. Der Name ist der Redaktion bekannt. Da der junge Mann aber etwas um seine Sicherheit fürchtet, nennen wir ihn an dieser Stelle Olaf W. Bevor W. zurück in seine Heimat fuhr, haben er und ein Kollege im Landkreis Ludwigslust noch Anzeige gestellt.

"Wir ermitteln wegen des Verdachts auf Betrug", bestätigt gestern der Pressesprecher der Polizeiinspektion Ludwigslust die Ermittlungen. Zum Inhalt können er noch keine Angaben machen: "Wir haben gerade erst mit den Ermittlungen begonnen."

Olaf W. sagt dem "Prignitzer", er fühlt sich von hinten bis vorne betrogen. "Versprochen war mir eine Tätigkeit auf Messen mit Auf- und Abbau. In Wirklichkeit sollte ich Stromverträge verkaufen."

Angefangen hatte alles mit einer Werbung. Ein Unternehmen suchte Mitarbeiter für eine leichte Reisetätigkeit mit Einsatz auf Messen. 1900 Euro Netto waren versprochen. "Ich suchte Arbeit, habe die dort genannte Nummer angerufen", erzählt W. Schnell waren er und der Mann am Telefon sich einig. Schon zwei Tage später sollte es losgehen. Als Einsatzort war Köln genannt. "Stimmte aber nicht. Von dort ging es gleich weiter über Hannover nach Hamburg. Wie W. schildert, war auch da noch nicht Schluss. Per Bahn und Auto wurde er nach Ludwigslust und schließlich in das Dorf Spornitz gebracht. "Bei dieser Tour hoch in den Norden habe ich mich schon gefragt: Was ist denn das bloß für ein Unternehmen?", sagt W. Sein Zweifel wurden von der Tatsache genährt, dass einer seiner Begleiter auf der Fahrt ihm sagte, er sei wohl für einen Montagejob angeworben worden.

In Spornitz, "wo der Auftraggeber Unterkünfte angemietet hat, habe ich dann endlich erfahren, dass ich Stromverträge an den Mann bringen muss".

Olaf W. schildert, wie er als Neueinsteiger mit einem erfahrenen Hasen in einem Wittenberger Plattenbauviertel an Türen geklingelt hat, um einen neuen Vertrag anzubieten. "Wenn die Leute nicht wollten, ist er unfreundlich geworden. Ich habe bei mir nur gedacht, wie redet denn der mit den Menschen." Die Geschichten, die der Werber erzählte, "gingen gar nicht". Sie hätten gesagt, dass die Stadtwerke in einem Monat nicht mehr liefern können, denn Atomstrom gibt es ja bald nicht mehr. Ihre Firma springe in die Bresche, denn sie würde Ökostrom haben. Die Leute könnten ganz sorglos sein.

"Da habe ich mir gesagt, da machst du nicht mit: Ich haue doch keine Leute übers Ohr." , berichtet W. Als Beleg hat er eines der Gespräche mit seinem Handy mitgeschnitten, kann damit beweisen, wie aggressiv und mit welchen Aussagen die Gespräche liefen, "für die der Werber bei Abschluss übrigens 25 Euro verdient". Der versprochene Monatsverdienst von 1900 Euro sei reine Fantasie.

Es gibt Wittenberger, die haben auf die Werber gehört, einen Vertrag bei dem Stromanbieter, der ihnen verspricht, sie könnten dann sorglos in die Zukunft schauen, unterzeichnet. Allerdings sind einigen mittlerweile auch Zweifel gekommen. Ein Leser meldete sich beim "Prignitzer". Seinen Namen möchte er nicht nennen. Er sagt: "Ich hoffe, dass ich aus dem Vertrag wieder ’raus komme. Ich möchte bei den Stadtwerken bleiben."

Der Prokurist der Stadtwerke, Christian Kantor, sagt bezogen auf den Fall: "Wir raten, genau zu prüfen, bevor man wechselt. Wir rechnen in unserer Kundenberatung auch gern alles durch. Jede Aussage, die Stadtwerke würden nicht mehr liefern, weist er empört zurück.

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