Zeugnis der Sprengung : Strom gibt Brückenteil frei

Roland Schneider mit dem herausgesprengten Brückenteil.
Roland Schneider mit dem herausgesprengten Brückenteil.

Fragment legt Zeugnis von der Sprengung der Elbquerung vor 70 Jahren ab

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14. August 2015, 12:00 Uhr

Ein Stück Geschichte zum Anfassen, das an Authentik kaum zu übertreffen sein dürfte, präsentiert der Außenbezirk des Wasser- und Schifffahrtsamtes jetzt auf seinem Gelände auf einem kleinen Sandsteinsockel. Das Messschiff „Domfelsen“ ortete 2014 bei einer Peilfahrt auf dem Grund der Elbe stählerne Überreste der Eisenbahnbrücke, die am 12. April 1945 um 18.30 Uhr auf Befehl des Wittenberger Festungskommandanten Major Rauterberger gesprengt worden war.

Das Besondere: „Als der Schwimmbagger ,Elbstrom’ das Teil barg, fanden sich daran noch Reste einer Lunte, also einer Zündschnur“, sagt Außenbezirksmitarbeiter Roland Schneider. Die Luntenreste konnten bei der Konservierung und Aufarbeitung des Teils nicht gerettet werden, „aber allein durch seinen Zustand legt das Brückenteil Zeugnis von der Wucht der Explosion ab“, sagt Schneider und fährt zum Beleg seiner Worte mit dem Finger über jene Stelle, an der die Metallkonstruktion förmlich auseinandergerissen wurde. Augenscheinlich handelt es sich um das Bruchstück eines Querträgers, von dem ein Bogenelement abging.

Dass sich auch heute noch immer wieder Überreste der zerstörten Brücke finden, ist nach den Worten von Schneider und Hubert Finke, Leiter des Außenbezirks, so verwunderlich nicht. Die beiden Experten führen dafür zwei Gründe an. „Die Sohle des Strom ist in stetiger Bewegung, gibt immer mal wieder Dinge frei, die Jahrzehnte nicht entdeckt wurden.“ Der andere Grund: „Durch die stetige Weiterentwicklung hochauflösender Echolottechnik in den letzten Jahren ist es möglich geworden, Unterwasserhindernisse – und um ein solches handele es sich ja bei dem Brückenfragment – zielsicherer zu erfassen. “ Wie Schneider sagt, seien aber auch schon „in den 80er Jahren Munition und Waffen im erheblichen Umfang“ beim Peilen entdeckt worden.

Die Wehrmacht hatte sich in den letzten Kriegstagen auf der Flucht vieler Fahrzeuge und Waffen entledigt und sie in der Elbe versenkt. Bis 1948 bargen Mitarbeiter des damaligen Wasserstraßenamtes nach eigenen Angaben 258 Fahrzeuge verschiedenster Art aus dem Strom. Roland Schneider sagt, dass eine Informationstafel im Entstehen ist, die Auskunft über den Fund und seine Bedeutung gibt.

Übrigens stammt auch der Sandsteinsockel, auf dem das Fragment der gesprengten Brücke ruht, aus der Elbe, war Teil der alten Stromquerung.

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