Strom bekommt mehr Raum

Horst Möhrung, Axel Wilser und Harald Pohle sicherten den signierten Einweihungsspaten für die Stadt Lenzen.
1 von 5
Horst Möhrung, Axel Wilser und Harald Pohle sicherten den signierten Einweihungsspaten für die Stadt Lenzen.

Nach fast vierjähriger Bauzeit erreichte am Mittwoch Deutschlands größtes Naturschutzprojekt, die Deichrückverlegung an der Elbe bei Lenzen und Schlitzung des Altdeichs, die Zielgerade. Grund für Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Umweltminister Dietmar Woidke, das insgesamt rund elf Millionen teure Projekt offiziell einzuweihen.

von
12. August 2009, 09:28 Uhr

Lenzen | Matthias Platzeck nannte das Bauvorhaben "ein Jahrhundertprojekt", denn bereits 1898 habe es Pläne gegeben, den Deich am "Bösen Ort" zurück zu verlegen und diese Gefahrenstelle zu entschärfen. "Ich freue mich, dass wir heute nach 15 Jahren Planungs- und Durchsetzungsphase dieses wichtige Bauwerk erfolgreich abschließen können. Die Sicherheit für über 4000 Menschen wird sich deutlich erhöhen und die Artenvielfalt zunehmen", betonte der Ministerpräsident.

Labor gleich nebenanNatur- und Umweltschutz hätten exzellent zusammengearbeitet. Auch mit allen anderen Beteiligten habe es "einen guten Stand des Zusammenraufens" gegeben. "Das Labor ist jetzt gleich neben der Burg", meinte Platzeck mit Blick auf den dortigen Sitz des Trägerverbunds Burg Lenzen e.V.

Was er nicht ausschloss: "An manchen Stellen der Rückdeichung werden wir auch Überraschungen erleben, denn alles kann man nicht voraussehen."

Besonders hob er in dem Findungs- und Planungsprozess den Lenzener Horst Möhring hervor, "der nicht nur ein exzellenter Landwirt ist, sondern mit seiner hohen sozialen Kompetenz Ökologie und Ökonomie immer als Einheit gesehen hat".

Aus Sicht der ländlichen Entwicklung sei das Deichrückverlegungsprojekt beispielgebend, betonte auch Umweltminister Dietmar Woidke. Und er hatte angesichts der vielen Radler, die gerade den Neudeich nutzten, zugleich das Argument zur Hand, dass die kommunale Wirtschaft von der Investition profitiere. Woidke kündigte weitere Projekte in Brandenburg an. "Wir arbeiten mit Hochdruck an dem Vorhaben Neuzeller Niederung."

Geldgeber für das rund elf Millionen Euro teure Vorhaben, das nicht nur den "Bösen Ort" entschärft, sondern der Elbe bei Hochwasser eine zusätzliche Überflutungsfläche und der Auwaldentwicklung Raum bieten soll, ist auch der Bund. Für den Abteilungsleiter Naturschutz im Bundesumweltministerium und künftigen Präsidenten des Bundesumweltamtes, Jochen Flasbarth, war der gestrige Tag gar ein "historischer Tag".

Herkulesaufgabe machbar"Flüsse brauchen Raum. Dieses Projekt als eines der bedeutendsten in ganz Deutschland zeigt, dass es geht, wenn man solch eine Herkulesaufgabe langfristig angeht und beharrlich bleibt. Schlimm ist es, gar nichts zu tun", betonte Flasbarth .

"Ich wünsche mir, dass an den Orten, wo Hochwasser entstehen, ebenfalls Möglichkeiten geschaffen werden, diese möglichst dort schon aufzufangen", wies Lenzens Bürgermeister Christian Steinkopf auf länderübergreifendes Handeln hin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen