Perlebergerinnen bitten um Unterstützung : Stricklieseln geht die Wolle aus

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Frauen des Awo-Treffs, die für die Suppenküche Nadeln tanzen lassen, hoffen auf Spenden und Gleichgesinnte, die mitstricken.

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28. Januar 2018, 12:00 Uhr

„Wir brauchen dringend Wolle“, dieser Hilferuf aus dem Awo-Treff „Miteinander tätig sein“ erreicht den „Prignitzer“. Und der macht sich auf die Wollsocken.

Der Duft von frischem Kaffee kitzelt in der Nase, auf dem Tisch zwei leckere Torten. „So üppig sieht es bei uns nicht immer aus“, wird man von den munteren Strickliesels empfangen. „Doch unsere Ilse Gumz hatte Geburtstag.“ 87 Jahre ist sie geworden und damit die Älteste in der illusteren Runde zu der 14 Frauen gehören, „wenn niemand krank ist“, wird sogleich ergänzt. Über 20 Jahre ist das Geburtstagskind mit von der Partie, wenn in der Krummen Straße dienstags ab 14 Uhr die Nadeln klappern. „Ich habe das Stricken noch in der Schule gelernt“, insofern gehöre Handarbeit für sie einfach zum Leben. Einen Haufen Wolle dürfte sie in all den Jahren schon verstrickt haben. „Über 1000 Schals sind es. Und dabei sind jene vom vergangenen Jahr noch nicht eingerechnet.“ Seit 1996 gibt es diesen Treff und so lange wird hier auch gestrickt, erfährt man von Renate Bahlke, die selbst seit 1998 dabei ist und die gute Seele der Begegnungsstätte ist.

Erst zwei Wochen mit von der Partie ist Waltraut Buchholz. Vom Hörensagen habe sie von den Frauen erfahren und einfach mal vorbei geschaut. „Man muss auch mal raus aus den eigenen vier Wänden, nur kochen, wirtschaften, das ist auf Dauer nichts.“ Anfangs habe sie nur zugeschaut, jetzt strickt sie bereits fleißig mit.

Seit vielen Jahren stricken die Frauen des Awo-Treffs für die Besucher der Suppenküche des Franziskaner Kloster in Berlin-Pankow. Zu Weihnachten gingen wieder 378 Schals, 120 Mützen, 184 Paar Socken und 53 Paar Handschuhe Richtung Berlin bzw. einiges auch in die Obdachlosenunterkunft nach Groß Pankow.

Das Wenigste von all dem entsteht aber beim wöchentlichen Treff, gestehen die Frauen. Da habe man anderes um die Ohren, es wird geschnattert über Gott und die Welt. Und zumeist nicht nur bei Kaffee, sondern auch Kuchen – selbst gebackenen, versteht sich. Die Hausaufgaben für die Woche sind so natürlich um ein Vielfaches größer. Überall, wo es sich anbietet, lassen die Frauen die Nadeln tanzen, wenn die Kartoffeln kochen, der Fernseher läuft oder die Waschmaschine noch nicht durch ist. Zuhause entstehen auch die Babysachen. Dazu brauche man Ruhe. Jäckchen, Höschen, Mützchen, Schühchen und Söckchen für das Haus Sonnenblume – für junge Muttis, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, eine kleine Erstausstattung für ihren neugeborenen Spatz.

Sie lieben die Gemeinschaft, haben Spaß an Handarbeit und wenn man damit noch Freude verschenken kann, ist das doch optimal, sagen sie sich. Die Wolle für die Stricksachen kaufen sie selbst. 300 Gramm braucht man allein für einen Schal. Verständlich, dass man sich da über jede Wollspende freut, gestehen die Frauen. Und Wolle können sie nie genug bekommen. Erst dieser Tage brachte Beate Mundt von der Awo wieder drei Säcke und drei Kartons Wolle in den Treff. Zehn Pudelmützen hat Sigrid Tiede allein im Januar schon gestrickt. Dass bei dieser Akkordarbeit die Wolle nicht lange reicht, kann man sich vorstellen. Wer zuhaue noch das eine oder andere Wollknäuel ungenutzt zu liegen hat, die Awo-Strickliesels würde sich darüber freuen. Dienstags ab 14 Uhr sind sie in der Krummen Straße. Die Wollspenden können aber auch in jeder Awo-Einrichtung im Landkreis einschließlich in der Kleiderkammer abgegeben werden, „und erreichen die Strickerinnen hundertprozentig“, versichert Beate Mundt.

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