Hochwasser an Stepenitz : Stresstest an der Stepenitz

Noch sprudelt das Wasser auf der rechten Seite doch seit gestern 16 Uhr ist der Abfluss gestoppt. Das Hochwasserrückhaltebecken Neue Mühle wird gefüllt, alle Anlagen dadurch einem Sicherheitstest unterzogen. Fotos: Hanno taufenbach (2)
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Noch sprudelt das Wasser auf der rechten Seite doch seit gestern 16 Uhr ist der Abfluss gestoppt. Das Hochwasserrückhaltebecken Neue Mühle wird gefüllt, alle Anlagen dadurch einem Sicherheitstest unterzogen. Fotos: Hanno taufenbach (2)

Das Rückhaltebecken Neue Mühle wird seit gestern gefüllt. Deich und technische Anlagen stehen unter Beobachtung

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04. Januar 2018, 22:00 Uhr

Es ist ein echter Stresstest. Die Hochwasserschutzanlagen am Rückhaltebecken Neue Mühle werden auf Herz und Nieren geprüft. Gestern früh fiel die Entscheidung, alle Beteiligten sind sich einig: Der Zeitpunkt ist günstig wie nie zuvor.

„Es ist ein einmaliger Test, der zwingend vorgeschrieben ist“, sagt Bernd Lindow, Leiter der unteren Wasserbehörde. Er soll zeigen, wie stabil der Deich, wie zuverlässig die technischen Anlagen bei einem echten Hochwasser sind. Angeordnet hat den Probestau das Landesumweltamt als Eigentümer der Anlage. Wie viel Wasser sickert durch den Deich, wie stabil ist er? Auf solche Fragen soll der Probestau Antworten geben.

Voraussichtlich bis heute Nachmittag wird die Stepenitz angestaut. Geplant sind, etwa 75 Prozent des Beckens zu füllen. Dann soll der Wasserstand für rund 48 Stunden bei 4,14 Meter stabil gehalten werden. Am Sonntag würde das kontrollierte Abfließen beginnen. Dann müssen sich Anlieger der Stepenitz in Perleberg auf höhere Wasserstände einstellen. Die künstlich gestoppte Hochwasserwelle gelangt damit zeitversetzt und reguliert ins Stadtgebiet, werde aber länger anhalten, prognostizieren die Experten.

Führt die Stepenitz Hochwasser, füllt sich das Rückhaltebecken automatisch. Ein absichtlich herbeigeführter Abschluss der Wehranlage ist nicht vorgesehen – mit Ausnahme des gestern gestarteten Versuchs, erklärt Lindow. Die Durchflussmenge von maximal 42 Kubikmeter pro Sekunde reguliert den Wasserstand im Becken und im Flussbett. Dass bei Hochwasser Gartengrundstücke in Ufernähe überflutet werden, sei mit einkalkuliert, erklärt Bernd Lindow. Würde man der Forderung von Anliegern nachkommen und den Abfluss stoppen, gefährde man den Hochwasserschutz: „Dann hätten wir im Becken keine ausreichende Platzreserve, falls weitere starke Regenfälle kommen“, so Lindow weiter.

Dieser Sicherheitsaspekt sei mit der Hauptgrund, warum bisher noch kein Stresstest durchgeführt wurde. Erstens müsse die Stepenitz Hochwasser führen, zweitens dürften keine weiteren starken Regenfälle absehbar sein. Beide Punkte waren gestern erfüllt. Landrat Torsten Uhe rief für 18 Uhr die Alarmstufe III an der Stepenitz aus. Im Sommer sei ein Test ausgeschlossen, um Flächen von Landwirten zu schonen.

Sonst hätte man diesen Test bereits früher durchführen können. Allein im vergangenen Jahr gab es ungewöhnliche Regenfälle. So fielen im Juni binnen 24 Stunden bis zu 115 Liter in der Prignitz – diese Menge gibt es im Durchschnitt nur alle 100 Jahre, so Bernd Lindow. Ende Juli gab es noch einmal etwa 80 Liter. Aktuell seien in dieser Woche etwa 22 Liter Regen gefallen und da die Böden gesättigt seien, fließe fast jeder Tropfen ab, was zu den hohen Wasserständen führe.

Während des Probestaus werde der Deich ständig überwacht. Sandsäcke und Technik stehen bereit, falls Schäden auftreten, versichert das Landesumweltamt. Betroffene Landwirte seien informiert worden.

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