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Bad Wilsnack : Streiters Wunderblut-Interpretation

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Stadt ernsthaft an künstlerisch gestaltetem Brunnen interessiert. Ausstellung mit Entwürfen endete wegen Deckenputzschäden vorzeitig.

von
erstellt am 29.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Bröckelt mit dem Wandputz auch die Idee für einen Brunnen in der Bad Wilsnacker Wunderblutkirche? Keineswegs, bekräftigt Bürgermeister Hans-Dieter Spielmann. Zwar musste die Sonderausstellung des Mödlicher Künstlers Bernd Streiter auf der Empore der St. Nikolai-Kirche, die mit Entwürfen dem Brunnen mit Motiven der Wilsnacker Wunderblutgeschichte ein erstes Gesicht gab, vorzeitig beendet werden, da Putzschäden an der Gewölbespitze die Sicherheit Besuchern gefährden könnten. Allerdings ist mit dem vorzeitigen Ausstellungsende nicht das Thema Brunnen ad acta gelegt.

„Wir sind als Stadt ernsthaft an dem Thema interessiert. Ich persönlich erachte die ausgestellten Skizzen und Zeichnungen für gut und warte jetzt auf Entwürfe mit technischen Details durch Herrn Streiter“, meint Bad Wilsnacks Bürgermeister Dieter Spielmann.

Bernd Streiter, gebürtiger Perleberger und bekennender Prignitzer, trägt sich seit mehreren Jahren mit der Idee, die Geschichte Bad Wilsnacks mit Pilgerfiguren und einem Brunnen anschaulicher und greifbarer zu machen. Der Künstler stellte zum Pilgertag 2014 auf der Saldern-Empore erste Entwürfe und Skizzen zu einem möglichen Wunderblut-Brunnen vor. Dieser könnte seitlich auf dem Marktplatz, in Sichtachse zur Kirche, errichtet werden.

„Die Grundidee eines solchen Brunnens ist die Einbeziehung einer Sündenwaage, wie es sie tatsächlich gegeben haben soll“, erläutert Streiter. Als Figuren wolle er einen Bischof mit voller Geldkasse und einen Mönch mit den heiligen Hostien als Verfechter der Wunderblutanbetung darstellen. Vertreter der Reformation und damit Gegenfiguren wären Martin Luther und Erasmus von Rotterdam, die gegen den Ablasshandel und auch den Wunderblutkult wetterten und deutlich machten, dass das Seelenheil nicht käuflich ist, sondern im christlichen Wirken und Glauben an Gott zu finden ist. Dritte Gegenfigur wäre der protestantische Prediger Joachim Ellefeld, der 1552 die Hostien verbrannte und damit der Wunderblutlegende ein Ende bereitete. Der künstlerische Entwurf Streiters zeigt Ellefeld, wie Johannes der Täufer, im Brunnenwasser stehend.

Bestimmendes Element des Brunnens ist die Sündenwaage – mit einem Sünder in einer Waagschale sitzend. In die zweite Waagschale fließt Wasser – gespien von einer Schlange und einem Drachen. Hydrauliktechnik könnte die Schalen gleichmäßig auf und nieder pendeln lassen. Ein Hingucker dürfte auch die Paradiessäule werden, auf der oben das Waagschalensystem angebracht ist. Mit der Einbeziehung von Adam und Eva, dem Baum der Erkenntnis und der Schlange im unteren Bereich der Säule greift der Künstler auf die biblische Geschichte zurück.

„Das Ganze soll jedoch nicht bierernst gesehen“, meint Streiter, bekannt für seinen Humor und Hintersinn. So hat der Mödlicher bereits einen Spruch als Stoßgebet der Sünder parat, der die Waage zieren könnte: „Lieber Gott, hab Erbarm‘, mach mich leichter und nicht arm!“

„Das Becken sollte eine Edelstahlkonstruktion sein und alles andere mit Bronze robust ummantelt werden“, erläutert Streiter seine Gestaltungsidee. Was ihm bewusst ist: „Das Ganze ist ein vorläufiger Entwurf und bis zu seiner Umsetzung ein weiter Weg.“

Bernd Streiter will jetzt eine Konzeption erarbeiten und das Vorhaben visualisieren, um schlüssige Unterlagen für eine mögliche Fördermittelbeantragung und die Gewinnung von Sponsoren zu haben.

Bürgermeister Dieter Spielmann, der bei der Vorstellung der Entwürfe und Skizzen zugegen war, erklärt: „Wir werden mit den Stadtverordneten und den Einwohnern darüber sprechen und dann gucken, wie wir das umsetzen können. Denn eine große Hürde dürfte die Kostenfrage sein.“ „Auch wir werden uns in einer Winterveranstaltung noch einmal eingehender mit der Idee eines Wunderblutbrunnens befassen“, meint Jochen Purps, Vorsitzender des Fördervereins Wunderblutkirche. Übrigens: Derzeit ist in der Kirche eine Rüstung aufgestellt, von der aus ein Restaurator die schadhaften Putzstellen ausbessert.



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